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Bechsteinfledermäuse sind noch am häufigsten im Taunus zu finden. Symbolfoto: Privat

Jäger der Nacht

Mit den Spurensuchern auf Fledermaus-Safari

Fledermäuse haben längst ihren Schrecken verloren. An die Stelle der Angst vor den vermeintlichen Blutsaugern ist das Interesse an der Tierart getreten. Gemeinsam mit Tanja Hug von den Königsteiner Spurensuchern konnten Fans jetzt den Jägern der Nacht auf der Burg und im Woogtal nachspüren.

„Die Zeit ist noch gut, auch wenn es heute recht stark abgekühlt ist“, erklärt Tanja Hug, Diplom-Geografin und Umweltpädagogin. Die Spurensucherin von der Naturerlebnisschule Taunus möchte auf Fledermaus-Safari gehen – und das nicht allein. Rund 20 Liebhaber dieser flatterhaften Gestalten haben sich an der Stadtinformation eingefunden. Ob man tatsächlich ein Tier sehen wird?

Alle möchten gerne mehr über die Fledertiere erfahren, die per Ultraschall durch die Nacht jagen und dabei allerlei Insekten vertilgen. Henri ist sieben Jahre und von den Fledermäusen begeistert. Er habe bereits eine Führung im Opel-Zoo mitgemacht, erzählt er stolz. „Da habe ich bestimmt 20 Stück gesehen“, sagt er. Seither interessieren ihn die Tiere. Seine kleine Schwester Julia möchte auf Burg Königstein die Tiere erstmalig ins Visier nehmen.

„Wir werden dort sicherlich fündig. Sie verstecken sich gerne in den alten Mauerspalten und Ritzen in der Burg“, ist Tanja Hug optimistisch. Hug ist auch bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Oberursel aktiv. Alljährlich prüfe man im Februar die Tierbestände. „Da finden dann unter anderem in der Burg, aber auch in den umliegenden Stollen Kontrollen statt“, erklärt sie. Bereits seit weit über 30 Jahren beobachte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Fledermäuse im Taunus.

In den Kontrollgebieten seien die Bestände zumindest in der jüngeren Vergangenheit einigermaßen stabil geblieben. Dennoch müsse man darauf achten, dass die Tiere genügend Rückzugsmöglichkeiten haben. Glücklicherweise gäbe es die noch auf Burg Königstein, auch wenn sich an manchen Mauern im Zuge von Sanierungsmaßnahmen die Unterschlupfmöglichkeiten verringert hätten.

„Eine weitere gute Stelle ist der Bereich um den Woogtalweiher. Dort kann man die Fledermäuse bei der Nahrungsaufnahme beobachten“, sagt Tanja Hug. Die Fledermausart, die am häufigsten in der Region zu finden sei, sei die Bechsteinfledermaus. Insgesamt gebe es in der Umgebung über 15 verschiedene Fledertierarten.

Hug hat ihren Fledermausdetektor im Rucksack dabei. Das Gerät dient zur elektronischen Umsetzung der Ultraschalllaute von Fledermäusen in für Menschen hörbare Töne. Die Tiere senden zur Ortung von Beute, zur Orientierung oder Kommunikation mit Artgenossen Laute aus, die überwiegend im Ultraschallbereich liegen. Fledermäuse haben folglich besonders gute Ohren. Ihr Sehsinn ist jedoch nur rudimentär angelegt.

Die nächtlichen Flieger schicken permanent Ultraschallwellen aus. Stößt eine Welle an ein Objekt, wie beispielsweise einen Baum oder eine Hauswand, wird sie reflektiert. Die Fledermaus fängt das Echo auf und kann anhand der Zeit, die es dauert, berechnen, wie weit der Gegenstand entfernt ist. Unter den Gästen ist auch eine Familie aus Eschborn. „Wir haben zwei Fledermäuse, die in unserem Garten unterwegs sind“, erzählen sie.

Auf dem Weg vorbei an den alten Burgmauern entdeckt die Gruppe tatsächlich eine Fledermaus. Im Woogtal schlägt der Fledermausdetektor zwar kurz aus. Sehen kann man dann aber leider keine weiteren Tiere mehr, denn es beginnt zu regnen. „Bei Regen fliegen keine Insekten und auch keine Fledermäuse“, so Expertin Tanja Hug.

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