Ein süßer kleiner „Scheißer“

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Was haben ein Königsteiner und ein Katalane gemeinsam? Das feurige Temperament? Eher nicht! Der Stolz auf die eigene Heimat? Vielleicht schon eher! Die Art, sich in dringenden Fällen der eigenen

Was haben ein Königsteiner und ein Katalane gemeinsam? Das feurige Temperament? Eher nicht! Der Stolz auf die eigene Heimat? Vielleicht schon eher! Die Art, sich in dringenden Fällen der eigenen Notdurft zu entledigen? Auf jeden Fall!

Wer jetzt meint, dass das doch nun wirklich unappetitlich ist und hier nichts zu suchen habe, dem sei gesagt: Wir reden von einer Gemeinsamkeit mit einem durchaus kulturellen Anspruch, der tief in den Traditionen von Königsteinern und Katalanen verwurzelt ist.

Wer es nicht glaubt, soll sich den Orden anschauen, den die Königsteiner Narren in der neuen Kampagne verleihen werden. Der ist nicht aus Zinn, hochglänzend und schwer, sondern aus Ton, leicht zu tragen und stellt eine Figur dar, wie sie nicht typischer für den 1. Königsteiner Narrenclub sein könnte. Die Rede ist vom „Plasterschisser“.

Das Geschäft beendet, hockt er da – der Namenspatron der heimischen Fastnachter. Ein echter Königsteiner Plasterschisser eben. Ist er aber nicht. Seine Tracht lässt schon erahnen, dass er nicht von hier ist. Aber woher kommt er dann. Udo Weihe, der Vorsitzende der Kurstadt-Narren, hat den kleinen Mann beim Bummel durch Barcelona entdeckt, gleich neben Angela Merkel und anderen Prominenten in ähnlich notdürftiger Haltung.

„Caganer“ (dt. „Scheißer“) nennen die Katalanen diese kleinen Tonfiguren, die ihren festen Platz – man höre und staune – in der Weihnachtskrippe haben. Hier erleichtern sie sich im gebührenden Abstand zum Jesuskind und sollen so Glück bringen. Eine Tradition, die, glaubt man einem bekannten Online-Lexikon, bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen soll.

„Jeder Promi, der in Spanien etwas auf sich hält, hat mittlerweile seinen eigenen Scheißer“, erläutert Udo Weihe: „Bei unserer Figur handelt es sich um die katalanische Urform, sie passt am besten zu unserem Plasterschisser.“

Über 200 Stück haben die Plaschis von diesen Kerlchen in Spanien fertigen lassen und an Schlüsselbändern befestigt. Das sei mal etwas Neues, unterstreicht der Plaschi-Chef. Und der Orden habe noch dazu den Charme, dass er rund um die Hälfte billiger ist als die Pendants aus Zinn, die meist pro Stück bei Preisen zwischen 10 und 15 Euro liegen. Angesichts der Tatsache, dass sich in der Kurstadt in diesem Jahr niemand gefunden hat, der das neue Ehrenzeichen sponsert, kam der kleine „Scheißer“ aus Katalonien gerade recht.

(sj)

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