Daten über altes Gemäuer

Turm und Gemäuer der Königsteiner Burg werden kartiert

Studenten der Hochschule Rhein-Main haben in den vergangenen Wochen die Königsteiner Burg kartiert. Diese Arbeit liefert wertvolle Daten und Bilder über das alte Gemäuer.

Wenn eine Horde junger Leute über die Burg herfällt, muss dies nicht immer ein schlechtes Zeichen sein, im Gegenteil. Der Überfall glich weder einer Belagerung noch einem Gelage. Wochenlang beschäftigten sich Studenten der Hochschule Rhein-Main aus Wiesbaden mit der Burg Königstein. Zunächst widmeten sich die jungen Semester dem Aufmaß der Burg, vor allem des Innenhofs. Ganz klassisch wurde von den rund 60 Studenten das Streckenaufmaß geübt.

Ein zweiter Kurs für Fortgeschrittene im Fach Computer Aided Design (CAD, Unterstützung von Konstruktion mittels Computer) in der Denkmalpflege beschäftigt sich derzeit ebenfalls mit Teilen des Innenhofs und zusätzlich mit dem Turm. Hier wird auch die Nutzung von Drohnen in die Arbeit mit einbezogen, was schließlich zu einem 3 D-Modell führt.

Bei einem der Verfahren können Objekte mittels einer Photogrammetrie-Software dreidimensional dargestellt werden. Da die ersten Schritte oft schwer sind, ist es hilfreich zu wissen, welche Regeln bei der Aufnahme der Fotos eingehalten werden sollten. Dabei geht es weniger um den Umgang mit spezieller Software, vielmehr sollte die grundsätzliche Funktionsweise dieser Methode bekannt sein, um eine gute Datengrundlage zu schaffen, aus der das 3 D-Modell später errechnet wird. Diese Methode wird von den Studenten auf der Burg angewendet.

Schlussendlich werden die Profis unter den Studenten zusätzlich mit Hilfe der Tachymetrie, eines Verfahrens zur schnellen Geländeaufnahme durch gleichzeitige Entfernungs- und Höhenmessung, Aufnahmen machen, die die Lage und die Höhe vieler Punkte für technische Projekte darstellen. So lassen sich sogenannte Orthophotos, also verzerrungsfreie und maßstabsgetreue Bilder herstellen, die zudem für eine große Detailwiedergabe sorgen. Hilfreich kann diese Methode auch im Turm und bei den Treppen sein. Diese hohe Informationsdichte soll später bei der Sanierung der Burg Königstein wertvolle Daten und Bilder liefern, die ein gezieltes Arbeiten ermöglichen können.

„Daher sind wir auch von Seiten der Stadt Königstein Herrn Christoph Schlott für die Vermittlung der Hochschule Rhein-Main, die zur Kooperation mit der Stadt Königstein führte, dankbar. Auf diese Weise profitieren beide Seiten vom Burgpflegewerk und von der Arbeit auf der Burg“, sagt die Dezernentin für Grünpflege der Stadt Königstein, Gabriela Terhorst.

Gezielteres Arbeiten an der Burg wird so ermöglicht. Beim Blick auf die Mauerkronen, die momentan mit unterschiedlichen Klebern, Saatmischungen und Moosen belegt sind, zeigte Dr. Gerd Strickhausen vom Burgenbüro Strickhausen erste Erfolge. „Das gemeinsame und abgestimmte Vorgehen von unterschiedlichen fachlichen Seiten mit verschiedenen Schwerpunkten erleichtert in Zukunft die Arbeit und spart damit sicher auch viel Geld“, sagt Bürgermeister Leonard Helm (CDU). Als deutschlandweit erstes Forschungsprojekt zum Thema Erhaltung einer Burg unter ökologischen und denkmalfachlichen Gesichtspunkten erhält das Projekt derzeit eine dreijährige Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

(red)

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