Viel mehr als „nur“ Talent

Ein Jahr lang hat sich der Königsteiner Mohin Jan Fariod auf das Benefizkonzert „Beethoven“ vorbereitet. Am Samstagabend brillierte der junge Pianist zusammen dem Bad Vilbeler Kammerorchester im Haus der Begegnung (HdB). Dafür gab es vom Publikum zum Schluss – völlig zu Recht – stehende Ovationen.

Von MURIEL-LARISSA FRANK

Klassische Musik kann beim Bemühen um die Integration von Flüchtlingen helfen. Den Beweis haben das Bad Vilbeler Kammerorchester unter Leitung von Klaus Albert Bauer sowie Mohin Jan Fariod, Königsteiner Ausnahmetalent am Piano, mit ihrem gemeinsamen Benefizkonzert „Beethoven“ angetreten. Der Erlös aus der Veranstaltung, das die Kursana Villa initiiert hat, wird nämlich den Aufbau des „Cafés der Begegnung“ in der Kurstadt unterstützen (siehe unten).

Feierlich eröffnet wurde der Abend im HdB von dem mehr als 30 Köpfe zählenden Bad Vilbeler Kammerorchester. Zuerst beeindruckte es mit seiner präzisen Wiedergabe von Georg Friedrich Händels prächtiger „Ouvertüre“, gefolgt von dem nicht minder eindrucksvollen „Menuett II“. Anschließend stand das Konzert dem Titel entsprechend ganz im Zeichen von Beethoven.

Mit seiner gefühlvollen und virtuosen Interpretation der „Mondscheinsonate“ hätte der 17-jährige Pianist Mohin Jan Fariod sogar Klassikmuffel begeistert. Scheinbar mühelos arbeitete er die lyrische, nach innen gewandte Tonsprache Beethovens heraus und bewegte vor allem mit dem Adagio, das sich durch präludierende Gleichförmigkeit und ein langsames Tempo auszeichnet. Spätestens jetzt wurde klar: Das Ausnahmetalent war in Höchstform.

Dass Fariod Beethoven spielen wollte, war übrigens nicht nur seinem Faible für dessen „Mondscheinsonate“ geschuldet: „Es hatte auch taktische Gründe“, erzählte er. Den ersten Satz von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur hatte Fariod bereits beim Konzert der Schulen des Hochtaunuskreises in der Bad Homburger Erlöserkirche gespielt.

Vor fünf Monaten begann er dann die anderen beiden Sätze einzustudieren. Eine Herausforderung, selbst für den herausragenden Jungpianisten, der im Alter von fünf Jahren mit seiner Klavierausbildung begonnen hat. Zwei bis drei Stunden täglich hat er seit dem letzten Sommer geübt. Fariod: „Artur Rubinstein hat einmal gesagt: ,10 Prozent sind Talent, der Rest harte Arbeit‘. Und das stimmt wirklich. Wer nicht jeden Tag übt, wird das Stück nicht ordentlich spielen können.“

Schließlich ist Beethovens Konzert bekannt für seine virtuosen Klavierparts. Doch nicht nur dafür: Er hatte kompositionstechnische Neuerungen integriert. Bis dahin waren Solisten und Orchester üblicherweise in einem Wechselspiel einander gegenübergestellt worden. Beethoven aber hat in seinem Werk das Klavier stellenweise sinfonisch mit dem Orchesterspiel verschmolzen, das Klaviersolo also eng mit dem Tutti verbunden.

Der Freundeskreis Asyl (FA) hatte zum Konzert alle 150 Flüchtlinge der Stadt eingeladen. Gefolgt waren der Einladung aber nur drei Asylbewerber. Ein recht bescheidenes Interesse, das sich Anna Basse vom FA wie folgt erklärt: „Klassische Musik im europäischen Sinn hat in den Herkunftsländern der Flüchtlinge keine Bedeutung.“ Flüchtling Eyad Alghusain (29) dagegen schwärmte: „Das Konzert ist großartig und Beethoven ein toller Komponist.“

Doch zurück zu Beethovens Klavierkonzert: Nachdem der letzte Ton verklungen war, brach das Publikum in Bravo-Rufe und Beifallsstürme aus. Und es belohnte Fariod und die Orchestermusiker mit stehenden Ovationen. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Eine Mischung aus Erleichterung und überdimensionaler Freude“, freute sich Fariod über den verdienten Lohn für die intensive Probenarbeit.

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