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Gut gepflegt: Ehemalige Postbusse aus der Schweiz gehören zur Sammlung von Peter F. Linhart.

Leidenschaft für Busse

Vollkommen auf Linie in Königstein

  • vonDavid Schahinian
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Peter F. Linhart sammelt große und kleine Gefährte.

Königstein – Manche Schäden sind kaum zu ersetzen. Historische Originalfotos oder Miniatur-Modelle alter Busse beispielsweise. Den Materialwert kann man bestimmen, aber den ideellen? Peter F. Linhart hat es beim August-Starkregen doppelt getroffen: Er wollte mit seiner Familie gerade innerorts umziehen, doch sowohl in der alten als auch in der neuen Wohnung stand plötzlich das Wasser. Es raubte manchen seiner Schätze, und das ist nicht nur materiell, sondern auch persönlich zu verstehen. In Deutschland gibt es wohl nur wenige Menschen, die sich so sehr dem Omnibus und seiner Historie verschrieben haben. Linhart hat bereits mehrere Bücher dazu geschrieben, legt kleine Sonderserien interessanter Omnibus-Modelle auf und verfügt über unzählige Fotos und Modelle alter Busse mit Seltenheitswert.

Von klein auf wollte er Busfahrer werden: "Das ist meine Berufung", sagt der Sossenheimer, der vor 13 Jahren in den Taunus übersiedelte. Sein Hauptgeschäft liegt nicht in den kleinen, sondern in den großen, den Originalbussen. Acht Stück davon hat er momentan. Das Schmuckstück ist ein blauer Büssing Präfekt 13, Baujahr 1967. Fährt er etwa bei Hochzeiten vor, blicken die Gäste mitunter erst einmal ausgiebig auf das Fahrzeug, bevor die Aufmerksamkeit wieder dem Brautpaar zuteil wird. Ans Steuer des ehemaligen Fahrschul-Busses setzt er sich nur persönlich: "Schwergängige Schaltung, keine Servo-Lenkung - damit wollte keiner mehr fahren. Er war über Jahrzehnte stillgelegt." Vor zehn Jahren arbeitete er den Bus wieder auf.

"Wir bieten in den historischen Bussen auch Wirtschaftswunder- und Tagesfahrten mit einem Elvis-Double an", erzählt er. Man kann sich die Gaudi an Bord vorstellen. Corona aber wurde zum Spielverderber: "Die Touren in diesen Monaten waren ausgebucht, aber wir mussten sie alle absagen." Es ist erstaunlich, wie gefasst er die Rückschläge hinnimmt: "Ich weiß, dass es Menschen gibt, denen es noch sehr viel schlechter geht als mir."

Die Busse kosten Unterhalt und Versicherung, auch wenn sie nicht fahren. Aber immerhin ist der Betrieb mittlerweile wieder ein wenig ins Laufen gekommen. Drei Schulbus-Linien bedient er derzeit - natürlich mit modernen Modellen. Zusatzgeschäfte wie Klassen-Ausflüge oder Schwimmbadfahrten sind aber zurzeit nicht drin. Allerdings rumort es seit dem Schulstart nach den Sommerferien in der Elternschaft ob überfüllter Busse, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (wir berichteten). "Mein Sohn besucht das Taunus Gymnasium, ihm ist das selbst schon einige Male passiert", berichtet Linhart. Vom Land Hessen habe vor einigen Tagen jemand angefragt, ob er zusätzliche Busse zur Verfügung stellen könne. Könnte er, aber angefordert worden seien sie noch nicht.

Ein ganzes Fahrzeugleben lang

Für die Kinder und Jugendlichen würde damit nicht nur ein drängendes Problem gelindert. Sie könnten zudem die Fahrt in den auffällig dunkelgelben Bussen mit lauter Posthörnern auf den Sitzbezügen genießen. In der Szene ist man international vernetzt: "Die sind vorher als Postbusse in der Schweiz gefahren", erklärt der Busunternehmer. Nicht mit Briefen an Bord, sondern mit Menschen: Die Post betreibt dort einige Linien mit eigenen Fahrzeugen und vergibt Konzessionen an Dienstleister. Der Vorteil gegenüber deutschen Bussen - die nur auf Verschleiß gefahren würden - sei laut Linhart, dass die Schweizer ihre Fahrzeuge liebevoll pflegten. Oftmals fahre nur ein einziger Fahrer ein ganzes Fahrzeugleben lang mit dem jeweiligen Gefährt: "Entsprechend gut sehen die Busse aus."

Was für die kleinen Busse gilt, gilt umso mehr für die großen: Sie brauchen Platz. Jahrelang nutzte Linhart ein Depot in Bergen-Enkheim, doch musste er dort im vergangenen Jahr raus - der Eigentümer hatte Eigenbedarf angemeldet. Ein Glück, dass er von einem Landwirt in Wöllstadt hörte, der seinen Beruf aufgab. In dessen Halle steht nun ein Teil der Fahrzeuge, ein anderer auf einem derzeit nicht genutzten Gelände in der Nähe des Königsteiner Betriebshofes. Die ehemalige Werkstatt dort steht bereits seit mehreren Jahren leer. "Die Stadt, für die ich auch Rundfahrten mache, hat mir da sehr geholfen", sagt er. Es sei eine provisorische Lösung während der Krise. Ein eigenes Gelände für alle Busse sei sein Ziel, doch sei derzeit mit seinen Anforderungen nichts zu bekommen: "Es müsste eine Halle haben, damit die Busse geschützt sind." Ob er örtlich flexibel ist? "Mein Betrieb heißt Omnibus Königstein. Da wäre eine Fläche im Ort natürlich ideal."

Von David Schahinian

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