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Warum sich die Taunus-Musiker Sorgen machen

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Von: Frank Saltenberger

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Willkommen in Königstein: Im Haus der Begegnung konnte man erleben, wie der Hochtaunuskreis singt und klingt.
Willkommen in Königstein: Im Haus der Begegnung konnte man erleben, wie der Hochtaunuskreis singt und klingt. © Yvonne Späne

Das 31. Kreismusikfest führte im Königsteiner „Haus der Begegnung“ rund ein Dutzend Musikzüge aus dem Hochtaunuskreis zusammen. Wir haben einige der engagierten Musiker mal für Sie herausgegriffen.

Traue keinem über dreißig, war ein Spruch, der in den 1960ern gegen das Establishment gerichtet war. Das Kreismusikfest fand jetzt zum 31. Mal statt und hat sich damit endgültig etabliert, ist ein wenig in die Jahre gekommen, hat aber dennoch viel von seiner ursprünglichen Frische behalten.

Dass es obendrein ein generationenübergreifendes Ereignis ist, zeigt die Spannweite der Lebensalter der Mitwirkenden: 10 Jahre alt ist Finn aus Hundstadt, der im dortigen Fanfarenzug schon seit zwei Jahren mit Begeisterung trommelt. Wie er dazukam, kann er gar nicht erklären: „Das hat sich so ergeben“, sagte er. Die halbe Familie sei dabei, ergänzt er, und zählt auf: Mutter Bianca, Opa Erwin, Cousine Emma, Tante Tanja, Onkel Karl, zwei Großcousinen und die jüngere Schwester Marie steht auch schon in den Startlöchern.

Mit acht Jahren hat Finn begonnen – im gleichen Alter war auch Tobias Schumacher, als er zum ersten Mal trommelnd auf der Bühne stand. „Das war hier im Haus der Begegnung“, erinnert er sich. „Wir mussten noch eine Zugabe spielen, konnten aber erst ein Stück. Das haben wir dann einfach noch einmal gespielt“, so Schumacher. „Bingo“, hieß es. Das war damals in der Jugendband des Fanfarencorps Königstein.

Heute ist Schumacher Leiter und Vorsitzender des Fanfarencorps und somit auch Kopf des gastgebenden Vereins. Dieser pflegt gute Beziehungen zu Gleichgesinnten aus Frankfurt und so bekam er Unterstützung von den „Starbreakern“ aus der Mainstadt – auf der Bühne und im Service. Die Frankfurter beendeten den ersten Konzertteil und bestritten später noch mit „Kellerblech Frankfurt“ die erstmals organisierte „Aftershow“. Zurzeit schwächelt die Jugendband, denn so wie es zu Schumachers Jugendzeit war, funktioniert es heute nicht mehr: Über Schulfreunde kam er selbst zu den Bläsern aus der Burgstadt.

Aus einer solchen kommen auch die Kronberger Fanfarenbläser, aber die machen nicht nur mit ihren Landsknecht Uniformen etwas her, sondern pflegen auch noch die alte Technik des Naturtons. Die Fanfaren klingen für manche etwas schrill, das liegt auch in der Begrenztheit der Töne. „Alle Töne werden mit dem Mund erzeugt, nicht mit Ventilen, das macht das Spielen viel schwieriger“, erklärt der Tenorhornbläser des Corps, Frank Rose, nicht ohne Stolz diese heute eher seltene Kunst, die seine „Landsknechte“ am Leben erhalten. Aber auch sie sind dabei nicht ganz frei von Nachwuchssorgen.

Ganz anders die Stierstädter, die über ein Blasorchester und ein Jugendorchester verfügen. „Wir haben zurzeit 50 Schüler“, sagte der Vorsitzender des TV 1891 Stierstadt Wolfgang Peschel mit optimistischem Blick in die Zukunft. 1951 wurde der Musikzug gegründet, damals aber noch als Spielmannszug. Ein Pfeiffer der ersten Stunde war Günter Fankenbach, der heute älteste Musiker des Orchesters. „Damals waren die Pfeifen aus Holz und nur mit Grifflöchern“, erzählt er aus der guten alten Zeit. Aber der Spielmannszug und auch er selbst haben sich angepasst. „Damals haben wir mehr Marsch und Polka gespielt“, so Fankenbach. Heute hält der Posaunist das Notenblatt von „New York, New York“ hoch, als jüngeres Beispiel seines über 400 Stücke zählenden Repertoires. Ans Aufhören denkt der 81-Jährige noch nicht, obwohl: „Die Luft fehlt manchmal etwas.“

Dietmar Gloede ist noch nicht ganz so alt, aber er ist auch schon auf dem Weg zum Posaunen- beziehungsweise Trompeten-Methusalem. „1985 habe ich die Leitung von Gerhard Blecher übernommen. Der hatte 1960 den Posaunenchor der Usinger Evangelischen Kirchengemeinde gegründet, und Gloede war damals schon dabei. Am Nachwuchs hapert es jetzt aber auch, dabei hat der Probenraum des Posaunenchors seinen ganz besonderen Reiz. Gloede: „Wir proben im Turm der alten Laurentiuskirche“, sagte er.

Weniger Nachwuchsprobleme gibt es bei den Tanzgruppen der Musikvereine. Auch der gastgebende Fanfarenzug Königstein hat seine Tanzmädchen, aber die haben jetzt eher ein Führungsproblem: Gleich zwei Gruppen hat Laura Colloseus bislang trainiert, und beide haben in diesem Jahr beiden hessischen Meisterschaften abgeräumt und den Titel im Jazztanz gewonnen. Aber für den Musikzug Choreographien einstudieren, Kostüme entwerfen und nähen, Freizeiten organisieren – all das ist der Biologin jetzt erst einmal zu viel, so dass sie ihren Rücktritt erklärt hat. Aber immerhin: Eine Nachfolgerin hat sie auch schon.

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