Bürgermeister Leonhard Helm (links) und Forstamtsleiter Sebastian Gräf bilden die Spitze der Königsteiner Jagdgenossenschaft.
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Bürgermeister Leonhard Helm (links) und Forstamtsleiter Sebastian Gräf bilden die Spitze der Königsteiner Jagdgenossenschaft.

Waidmannssorgen

Waschbären, Wildschweine und freilaufende Hunde im Königsteiner Forst

  • VonAlexander Schneider
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Mit Jagderfordernissen, Finanziellem und Personellem beschäftigt sich die Hauptversammlung der Jagdgenossenschaft, die Bürgermeister Leonhard Helm wieder zum Vorsitzenden gewählt hat.

Die einen würden sich am liebsten schützend vor sie werfen, wenn der Jäger auf sie anlegt, die anderen sehen sie mit zunehmendem Groll als das an, was sie zunehmend werden: eine Landplage. Waschbären. Putzig sind sie zwar, gefräßig auch und: Sie sind geschickt beim Öffnen von Behältnissen, in denen sie Fressenswertes vermuten.

Da hilft es auch nicht, wenn Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), zugleich Vorsitzender der Königsteiner Jagdgenossenschaft, bedauert, dass sie nicht ihrem Namen gerecht werden und wenigstens "die Wäsche machen". Das machen sie zwar nicht, dafür aber jede Menge Ärger. Und der wächst dadurch, dass die Kleinbären von Tierfreunden auch noch gefüttert werden, was sie noch dreister macht. Bei der Hauptversammlung der Jagdgenossen im Naturfreundehaus berichtete Jagdpächter Manfred Preu, dass er immer häufiger von Grundstücksbesitzern angerufen werde, die die gerufenen, Dachziegel anhebenden und Mülltonnen plündernden "Geister" nicht mehr loswerden und fachkundige Hilfe erbitten. Er fange sie dann in Fallen und - naja. "Naja" heißt in diesem Fall, wie Preu auf Nachfrage eines Jagdgenossen, was er dann "mit den Viechern mache", sagte, dass sie irgendwo im Wald "eliminiert" werden.

Die invasiven Waschbären sind aber nicht die einzige Landplage, ihnen wird von den heimischen Sauen der Rang abgelaufen. Die Schwarzkittelpopulation wächst exponentiell. Bis in die Altstadt hinein kämen sie inzwischen und kehrten in den Gärten das Unterste zuoberst. Allein in diesem Jahr habe er bereits zwölf zur Strecke gebracht, letztes Jahr 13. Der Probleme damit aber nicht genug: Zunehmend trieben freilaufende Hunde ihr Unwesen im Revier und rissen nicht selten Rehe, die dann oft qualvoll verendeten, was auch Preus Pächterkollege Gerhard Haug bestätigte. 1100 Hunde gebe es inzwischen in Königstein, durch die Pandemie habe der Bestand stark zugenommen.

Gerhard Haug wird in dem von ihm seit vielen Jahren gepachteten Revier noch weitere zwei Jahre auf die Pirsch gehen können. Die Jagdgenossen hatten über die Verlängerung oder Neuvergabe des Pachtvertrages zu entscheiden. Im Hinblick auf das hohe Alter des Pächters wurde vereinbart, den Pachtvertrag nur um zwei Jahre zu verlängern und nicht um die üblichen zehn Jahre. Jagdvorsteher Helm betonte, dass sich Haug und seine Familie in zwei Jahren natürlich erneut bewerben können, um die Jagd in der Familie zu halten.

Es gab weitere Entscheidungen, die auch die Verwendung der Jagdpacht betrafen. So sollen 4000 Euro als Zuschuss an den Obst- und Gartenbauverein Mammolshain und die SG Edelkastanien gezahlt werden, die mit einigem Aufwand den Wegebau im Badbachtal verbessern wollen. Insbesondere soll ein Pfad befahrbar gemacht werden, um die Abfuhr von Holz, aber auch von erlegtem Wild zu erleichtern.

Dafür soll unter anderem ein Verbau aus Kastanienholzstämmen zur Absicherung des Hangs angelegt werden. Mit weiteren 1000 Euro will die Jagdgenossenschaft Wiederaufforstungsbemühungen nach den Borkenkäfer- und Dürrekalamitäten unterstützen. Mit dem Geld soll unter anderem der Verbissschutz für die jungen Bäumchen teilfinanziert werden. Auch könnten damit Bratwürste angeschafft werden, um freiwilligen Helfern, die bei den vom Landesbetrieb Hessen Forst, der die Königsteiner Wälder betreut, durchgeführten Pflanzaktionen immer willkommen seien, einen kleinen Imbiss zu bereiten.

Personelles war auch zu regeln: Es galt, die Doppelspitze des Präsidiums der Jagdgenossenschaft neu zu wählen. Als Flächenprimus in der Genossenschaft steht der Stadt Königstein der Vorsitz zu. Wiedergewählt wurde Bürgermeister Leonhard Helm. Beim Posten des Stellvertreters war der Wechsel vorgegeben. Zweitgrößter Flächenanteilseigner ist Hessen Forst. Nach dem Ausscheiden des früheren Forstamtsleiters Ralf Heitmann rückte nun Sebastian Gräf nach. Alexander schneider

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