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Von außen betrachtet, hat das Gebäude in den 86 Jahren seines Bestehens, schon bessere Zeiten gesehen. Die Stadt zahlt denn auch ?nur? 39 500 Euro für das Haus, den Löwenanteil von rund 390 000 Euro macht der Kaufpreis nach aktuellem Bodenrichtwert aus.

Helm empfiehlt Ankauf an der Sodener Straße

Weiterer Altbau als Asyl-Unterkunft

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Die zuletzt stark gesunkene Zahl der neu ins Land kommenden Flüchtlinge nimmt den Kommunen etwas den Druck. Auch in Königstein. Dennoch hat der Finanzausschuss am Donnerstag mit knapper Mehrheit den Ankauf eines weiteren Hauses zur Unterbringung von Asylbewerbern befürwortet, das bislang noch gar nicht auf der Agenda stand. Ein Widerspruch? „Nein“, sagt Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) und begründet es.

209 Quadratmeter Wohnfläche und noch einmal 70 Quadratmeter Nutzfläche vom Keller bis zum Dach, Gemeinschaftsduschen und -toiletten sind bereits vorhanden, wenn auch sanierungsbedürftig – das zweigeschossige Gebäude in der Sodener Straße 2 bringt einiges mit, was es braucht, um darin eine größere Zahl von Menschen einfach, aber anständig unterzubringen.

Den Eindruck hatte zumindest Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), als er nach eigener Aussage online in einem Immobilien-Portal auf das Haus Baujahr 1930 (siehe auch „INFO“) stieß. Und da ein Ortstermin diesen ersten Eindruck bestätigte und auch die Preisvorstellungen der Eigentümer mit seinen durchaus in Einklang zu bringen waren, beschäftigte sich am Donnerstagabend der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) mit der Frage, ob die Stadt das Gebäude für 430 000 Euro erwerben soll. Letztlich sagten sechs Mitglieder „Ja“ und fünf „Nein“ – das letzte Wort hat jetzt das Parlament am kommenden Donnerstag.

Sollte der Ankauf auch dort eine Mehrheit finden, wäre das Haus in der Sodener Straße – neben den bereits vorhandenen Unterkünften in der Seniorenwohnanlage in der Pinglerstraße, auf dem künftigen Betriebshofgelände am Kaltenborn und im Haus Michael in der Kaller-Straße sowie dem geplanten Neubau für mehr als 100 Personen am Kaltenborn – bereits der vierte Standort zur Unterbringung von Asylbewerbern. Und das allein in städtischer Obhut. Hinzu kämen die vom IB geführte Einrichtung in Falkenstein, das vom Kreis direkt angemietete ehemalige Hotel „Hirsch“ in der Stadtmitte sowie der nach wie vor von privaten Investoren in Abstimmung mit dem Kreis geplante Neubau für Flüchtlinge am Forellenweg.

Das alles bei stark sinkenden Flüchtlingszahlen. Zur Erinnerung: Ursprünglich hieß es „von oben“, dass Königstein schon bis Ostern fast 400 Asylbewerber werde unterbringen müssen. Jetzt lautet die Ansage: etwa 293 – bis Jahresende. Gegenwärtig sind in Königstein 161 Personen einquartiert, 116 davon in städtischen Liegenschaften.

Warum also noch ein weiteres Haus kaufen? Schafft man damit nicht zwangsläufig Überkapazitäten auf Kosten der Steuerzahler? Rathauschef Helm äußert gegenüber der TZ zwar durchaus Verständnis für die Frage, hält die Sorge aber für unbegründet.

Denn: Während das alte Haus an der Sodener Straße relativ rasch den Besitzer wechseln und hergerichtet werden könne, werde der geplante Neubau der Micro-Appartements am Kaltenborn so schnell wohl nicht zu realisieren sein. „Es ist wie so oft im Leben: Der Teufel steckt hier im Detail. Es gibt technische Schwierigkeiten, die bei den Planungen für den Kaltenborn aufgetaucht sind – zum Beispiel in Sachen Lärmschutz (wir berichteten) –, die für Verzögerungen sorgen“, unterstreicht der Rathauschef.

Hier komme das Immobilien-Angebot an der Sodener Straße gerade recht, nehme es doch den Druck von der Stadt, den Neubau am Kaltenborn unbedingt und sofort umzusetzen. Mit den bereits vorhandenen Kapazitäten in der Pingler-Straße, auf dem Bauhof und in der Kaller-Straße und dem „neuen“ Altbau, so die Kalkulation im Rathaus, sollte die Stadt das avisierte Flüchtlingskontingent bis Jahresende unterbringen können. Vorausgesetzt, die Zahlen steigen nicht wieder.

Helm: „Das ist doch unser großes Problem. Wir wissen nicht, was in den kommenden Monaten auf uns zukommt. Gegenwärtig fallen wir von einem Extrem ins andere. Vor wenigen Monaten noch hat uns die Welle der Flüchtlinge geradezu überrollt und jetzt herrscht quasi Ebbe.“ Sicher reichten die Kapazitäten derzeit aus.

Vermutlich, so der Rathauschef, könnte das Land mit den getroffenen Vorkehrungen derzeit auch ohne die Weiterverteilung von Asylbewerbern auf die Kommunen zurechtkommen.

Was aber, wenn zum Beispiel der fragile Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei nicht halte? Und damit, so Helm, müsse man leider immer rechnen: „Wir müssen gerüstet bleiben und die Atempause nutzen, um uns besser aufzustellen.“ Was natürlich nicht dazu führen dürfe, dass man Überkapazitäten aufbaue.

Heißt das, der Neubau am Kaltenborn wird zu den Akten oder zumindest auf Eis gelegt? Und was bedeutet das für die Überlegungen am Forellenweg?

Was den Kaltenborn angehe, so Helm, gingen die Planungen weiter – allerdings mit weniger Druck und vermutlich etwas veränderter Stoßrichtung. „Wir haben ja von Anfang an gesagt, dass wir den Neubau am Kaltenborn ins Auge fassen, um nur in einem ersten Schritt dort Platz für die da noch steigende Zahl der Asylbewerber zu schaffen“, unterstreicht der Rathauschef und ergänzt: „In einem zweiten Schritt war, ist und bleibt es unser Ziel, in den dort vorgesehenen Micro-Appartements günstigen Wohnraum anbieten zu können. Und den brauchen wir nach wie vor.“

Sei es für die Flüchtlinge, deren Asylgesuch anerkannt werde und die in Königstein blieben, oder auch für andere Menschen, die in Königstein eine Bleibe suchten, aber sich die Preise auf dem freien Markt nicht leisten könnten. Helm: „Stand jetzt, hoffen wir, dass wir am Kaltenborn direkt diesen zweiten Schritt gehen können.“ Nicht sofort, aber mittelfristig.

Und der Forellenweg? Darüber gelte es mit dem Kreis und den Nachbarn zu reden. Ein Gesprächstermin sei hier vereinbart. Dem, so Helm, wolle er nicht vorgreifen.

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