Norbert Haug hat zum zweiten Mal ein Banner anfertigen lassen und an der Hauswand drapiert, um seinen Wunsch nach Abriss und Neubau des Eckhauses zu bekräftigen. Foto: Jung

Streit zwischen Eigentümer und Amt

Abriss oder Neubau? Ärger um das alte Eckhaus reißt nicht ab

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Der Ärger um das alte Eckhaus an der Hauptstraße in Königstein reißt nicht ab. Hauseigentümer und Landesdenkmalamt werden sich einfach nicht einig.

Königstein - Wer dieser Tage durch die Fußgängerzone flaniert und vor dem Haus mit der Nummer 37 an der Ecke Hauptstraße und Burgweg stehen bleibt, dem bieten sich gleich zwei neue Hingucker.

Da ist zum einen auf Augenhöhe die aktualisierte Ausstellung des Vereins "Terra Incognita" in den Schaufenstern des ehemaligen Obstecks. Und da prangt zum anderen ein Stockwerk höher ein großes Banner an der Hauswand.

"So soll das neue Haus aussehen! Aber man hindert uns daran", ist in großen roten Lettern auf gelbem Grund zu lesen. Ergänzt um das Bild eines Neubaus in Fachwerk-Optik, den Hauseigentümer Gerhard Haug gerne an dieser Stelle errichten möchte.

Das Plakat ist neu, wenn auch bereits das zweite seiner Art, die Botschaft darauf nicht. Seit rund zehn Jahren will Haug das auch von außen sichtbar heruntergekommene Eckhaus abreißen und durch einen Neubau ersetzen lassen. Der Königsteiner Magistrat hatte dafür bereits vor ein paar Jahren grünes Licht gegeben. Das Landesdenkmalamt allerdings spielte nicht mit.

Königstein: Eigentümer will Neubau aber Denkmalschutz sagt Nein

Die obersten Denkmalschützer in Wiesbaden wollten das Haus, das wohl schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts an seinem Platz steht und die Beschießung Königsteins von 1792 überstanden hat, erhalten und saniert sehen. Die heute unter Putz versteckte Fachwerk-Konstruktion gebe es her und sei es wert gerettet zu werden. Davon war man im Landesdenkmalamt schon 2012 überzeugt. Und an dieser Position hat sich nichts geändert.

Das weiß auch Gerhard Haug. Allerdings bleibt auch er bei seiner Überzeugung, dass er sich eine Sanierung nicht leisten kann und will. "Ein Neubau kostet mich etwa 700 000 Euro. Das ist schon viel Geld. Aber dafür bekommen wir auch ein Haus, mit dem wir etwas anfangen können", betont Haug. Eine Sanierung des Altbaus hingehen taxiere er auf über eine Million Euro. Und da seien die etwaigen Wünsche der Denkmalschützer noch nicht eingepreist. Haug: "Und dafür würden wir ein Haus kriegen, in dem der höchste Raum gerade mal 2,03 Meter bis zur Decke misst." Das sei unzumutbar.

Königstein: Ärger um altes Wohnhaus 

Es gehe ihm nicht darum, betont der Hauseigentümer, achtlos ein Stück Stadtgeschichte aus dem Weg zu räumen. Das könne man ihm nun wirklich nicht vorwerfen. Schließlich wohne er selbst in einem mehrere Hundert Jahre alten Haus und habe einiges in dessen Restaurierung investiert. "Wenn das Eckhaus erhaltenswert wäre, würden wir es machen. Aber das ist es nicht", unterstreicht Haug wohlwissend, dass man das beim Landesdenkmalamt anders sieht.

Er habe das Haus sogar schon Professor Dr. Eugen Ernst, dem Gründer des Hessenparks, angeboten. Aber auch der habe dankend abgewunken und darauf hingewiesen, dass er sehr viel besser erhaltene Häuser im Fundus habe, die noch nicht aufgebaut seien.

Vom heimischen Dachdecker, so Haug, habe er es mittlerweile sogar schriftlich, dass der keinen Mitarbeiter mehr aufs Dach schicken werde. Zu marode sei das Ganze. "Wenn irgendwann die ersten Ziegel herunterkommen, werde ich einen Bauzaun aufstellen müssen", zeichnet der Königsteiner ein Szenario, das zum Problem werden könnte. Vor allem für die Autofahrer, die den Parkplatz am Milchhof, das Rathaus oder das Amtsgericht ansteuern. Die Passage den Burgweg hinauf ist an dieser Stelle ohnehin schon eng. Ein Bauzaun würde die Fahrt durch das Nadelöhr noch kniffliger machen.

Königstein: Ein Neubau könnte viele Vorteile bringen

Für den Fall, dass er abreißen dürfe, würde er den Neubau sogar etwas zurücksetzen und so die riskante Ecke entschärfen, wirbt der Hauseigentümer für sein Projekt. Ob dieses Angebot die Verantwortlichen in Wiesbaden erweichen kann - wohl eher nicht.

Auch der von ihm beauftragte Fachanwalt aus Köln, so der Königsteiner, habe sich bislang die Zähne ausgebissen. Dabei wolle er doch nichts anderes als das, was auf der gegenüberliegenden Seite des Burgwegs möglich gewesen sei. Hier habe der Denkmalschutz den Abriss des maroden Schießer-Hauses zugelassen.

Ob er glaube, dass er mit dem neuen Transparent etwas bewirken könne? Gerhard Haug zuckt mit den Schultern: "Zumindest werden die Leute wieder einmal darauf aufmerksam." Er habe nunmal kein Vitamin B, wisse nicht, an wen er sich noch wenden könne. Vielleicht finde sich ja doch noch jemand an höherer Stelle, der ihn unterstütze.

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