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Alfred Grosser wird im März in Königstein mit dem Eugen-Kogon-Preis ausgezeichnet. Das Bild entstand im vergangenen Jahr in der Paulskirche.

Alfred Grosser

Kogon-Preis für einen Versöhner

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Alfred Grosser kehrt nach Königstein zurück. War er 2002 der Laudator bei der Verleihung des ersten Eugen-Kogon-Preises der Stadt Königstein an Wladyslaw Bartoszewski, so wird der dann 93-Jährige im März selbst die Auszeichnung erhalten.

Die Entscheidung des 16-köpfigen Kogon-Preis-Kuratoriums fiel schnell und ohne kontroverse Diskussion: 2018 soll Alfred Grosser den Eugen-Kogon-Preis der Stadt Königstein erhalten. Gestern machten Stadtverordnetenvorsteher Alexander Freiherr von Bethmann (FDP) und Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) die Entscheidung während einer Pressekonferenz publik. Die beiden stehen dem Kuratorium qua Amt vor.

Grosser soll den Preis am 16. März, 18 Uhr, im Haus der Begegnung verliehen bekommen. Er kehrt damit nach Königstein zurück. 2002 war er Laudator bei der Verleihung des ersten Eugen-Kogon-Preises der Stadt Königstein an Wladyslaw Bartoszewski. Die Einhaltung einer gewissen Karenzzeit könnte erklären, warum sich das Kuratorium erst jetzt dazu entschlossen hat, Grosser den Kogon-Preis zu verleihen.

Von Bethmann würdigte Grosser als einen „höchst lebendigen und großen Publizisten“, der sich um die deutsch-französische Versöhnung verdient gemacht habe. Seine Biografie prädestiniere ihn für den Preis.

Grosser, 1925 als Sohn einer jüdischen Familie in Frankfurt geboren, emigrierte mit den Seinen 1933 nach Frankreich. In dessen Süden überstand er die Zeit der deutschen Besatzung. Dass er sich dort habe taufen lassen, sei der Preis für erhaltene Hilfe und die Überlebenschance gewesen, erinnerte von Bethmann. Grosser selbst bezeichne sich als Atheisten mit Zuneigung zum Christentum.

Bürgermeister Helm sieht in Grosser ein Vorbild: „Das ist jemand, auf den man hören und dem man gut zuhören kann.“ Und er ergänzte: „Die deutsch-französische Freundschaft ist das Fundament für unser Europa und die europäische Einigung.“ Von Bethmann erinnerte daran, dass Grosser Emmanuel Macron im Wahlkampf unterstützt hatte.

In Zeiten eines erstarkenden Euroskeptizismus und einer zunehmenden Europamüdigkeit sei es ein wichtiges Signal, den Kogon-Preis an jemanden zu verleihen, der mit seinem Lebenswerk den europäischen Gedanken unterstütze. „Das Bekenntnis zu Europa eint uns alle in Königstein“, stellen Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher fest.

Helm erwartet von Grosser einen spritzigen Vortrag bei der Preisverleihung. Dass sich der Publizist auf Königstein freue, ehre den Preis in gleichem Maße. „Demokratie braucht mehr Menschen, an denen man sich reiben kann“, sagte Helm. Von Bethmann bezeichnete Grosser als einen „eigenwilligen und eigenständigen Denker“ und erinnerte daran, dass dieser vor einigen Jahren eine Kontroverse ausgelöst hatte, weil er die israelische Regierungspolitik kritisiert hatte.

Der Eugen-Kogon-Preis ist eine internationale politische Auszeichnung, die die Stadt Königstein seit 2002 verleiht. Mit diesem Preis will die Stadt an den Publizisten, Soziologen und Politikwissenschaftler Eugen Kogon erinnern, der bis zu seinem Tod 1987 in Königstein lebte. In seinem Sinne soll der Preis an Persönlichkeiten verliehen werden, „die sich den Grundwerten lebendiger Demokratie verpflichtet fühlen, ihr Leben in den Dienst dieser Werte gestellt haben“.

Die Laudatio werden Dr. Michael Kogon und Beate Kogon Aboulgheit, Sohn und Enkelin des Namensgebers des Preises, halten. Grosser kannte Eugen Kogon noch persönlich. Die Laudatoren werden Bezugspunkte zwischen Grosser und Kogon herausarbeiten und bei der Preisverleihung präsentieren.

Das Kogon-Preis-Kuratorium besteht aus 16 Personen, darunter Wissenschaftler und Journalisten. Es kommt in der Regel zweimal im Jahr zusammen, um sich über mögliche Preisträger auszutauschen. Grosser wird der zwölfte Träger der Auszeichnung sein.

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