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Das St.-Florians-Prinzip greift um sich. Niemand möchte eine Flüchtlingsunterkunft vor der eigenen Haustür haben, ein Kindergarten macht zu viel Lärm, und wenn die Feuerwehr ausrückt, gibt es Leute,

Das St.-Florians-Prinzip greift um sich. Niemand möchte eine Flüchtlingsunterkunft vor der eigenen Haustür haben, ein Kindergarten macht zu viel Lärm, und wenn die Feuerwehr ausrückt, gibt es Leute, die sich vom Tatütata und dem Blaulicht der Einsatzfahrzeuge oder den Ausleuchtungsscheinwerfern gestört fühlen. Dass Autofahrer keine Rettungsgassen bilden oder sie – falls vorhanden – ohne Rücksicht auf Verletzte als schnellen Ausweg aus dem Stau nutzen, gehört fast schon zum Alltag.

Das Motto: „Jeder ist sich selbst der Nächste“, setzt sich immer mehr durch. Möchten wir wirklich zukünftig in einer Gesellschaft des Egoismus’ leben, die sich schleichend entwickelt? Wohl gemerkt: Initiativen für oder gegen etwas zu gründen, ist wichtiges Bürgerrecht einer Demokratie, und daran darf und soll nicht gerüttelt werden. Die Politik muss die Sorgen und Bedenken der Bürger ernst nehmen, sie bei ihren Entscheidungen mitnehmen, und Transparenz darf nicht nur eine Floskel sein.

Dennoch muss sich jeder, der sich gegen Dinge wendet, die sein eigenes Leben einschränken oder scheinbar weniger lebenswert machen, fragen, wie viel er der Gesellschaft schuldig ist. Was wäre bei eigener Betroffenheit, die schneller kommen kann als gedacht? Was, wenn dann auch alle abwehrend die Hand heben und sagen: Bei mir nicht?

Eine demokratische Gesellschaft kann ohne Solidarität nicht leben, wenn sie lebenswert bleiben und nicht in menschlicher Kälte erstarren möchte. Deshalb ist gut zu prüfen, wo Einwendungen begründet sind und wo Argumente wie Naturschutz, Erholungswert oder Verkehr vorgeschoben sind, um das eigene Wohl zu sichern.

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