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Mal eben so eine Kinderstation an einem Krankenhaus zu etablieren, ist zugegebenermaßen ein Kraftakt. Ein solches Projekt lässt sich nicht mal eben so von heute auf morgen umsetzen, schon gar nicht,

Mal eben so eine Kinderstation an einem Krankenhaus zu etablieren, ist zugegebenermaßen ein Kraftakt. Ein solches Projekt lässt sich nicht mal eben so von heute auf morgen umsetzen, schon gar nicht, wenn man sich im irrwitzigen Dschungel des Gesundheitswesens bewegt. Es geht um die Versorgung mit Ärzten, um ausreichend Betten oder um Fragen der Abrechnung. Im Fall der Hochtaunus-Kliniken wird das Prozedere dadurch kompliziert, dass man eine Kooperations-Klinik finden muss.

Aber vier Jahre, in denen sich fast nichts tut, sind selbst für politische Verhältnisse ein Unding. Sicher, der Hochtaunuskreis, die Hochtaunus-Kliniken und die Stadt Bad Homburg haben ihre Hausaufgaben erledigt. Es hängt derzeit eher an einem Sozialministerium, dessen Minister sich für die Sorgen und Nöte der Menschen im Taunus nicht sonderlich zu interessieren scheint, und an einem Partnerkreis, der mal wieder sein eigenes Süppchen kocht. Kommunale Familie? Von wegen.

Aber den Handelnden sollte bewusst sein, dass Eltern solche Kompetenzstreitigkeit und damit letztlich auch die Schuldfrage nullkommanull interessieren. Sie wollen einfach nur die bestmögliche Versorgung für ihre Kinder, und die wird ihnen derzeit von der Politik vorenthalten. Es tut sich einfach nichts. Wer dafür die Verantwortung trägt? Egal! Viel schlimmer: Man hat vielmehr den Eindruck, dass der eine oder andere Beteiligte hier Politik auf dem Rücken der Kinder praktiziert. Und das kommt nun wirklich gar nicht gut an.

Wenn man jetzt hört, dass die Protagonisten nach vier Jahren zu dem Schluss gelangt sind, dass eine „vertiefte Zusammenarbeit“ für die Umsetzung des Projekts sinnvoll sein könnte, kann man den Frust des Vorsitzenden des Fördervereins verstehen. Die Politik muss jetzt liefern. Sollte bis Mitte nächsten Jahres kein Ergebnis stehen, ist die Hoffnung auf eine Notfallversorgung an den Hochtaunus-Kliniken – mehr wird ja schon nicht mehr gefordert – gestorben. Und die Politik wäre blamiert. Wer daran dann die Schuld trägt, kann man ja anschließend vertieft im stillen Kämmerlein ausklabüstern.

Aber noch ist das zarte Pflänzchen der Hoffnung nicht vollends verdorrt, weshalb auch nicht ganz nachvollziehbar ist, warum der Förderverein jetzt aufgelöst werden soll. Es gibt schließlich noch Mitglieder, die willens sind, die Arbeit fortzusetzen, und es gibt zudem die Möglichkeit, Namen und/oder Vereinszweck anzupassen. Die Auflösung des Fördervereins würde der Politik zum jetzigen Zeitpunkt nur ein Alibi geben, das sie gar nicht verdient hat.

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