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Manuela Groos und ihr Bruder Ralf Pauly sorgen als "Fachangestellte für Bäderbetriebe", wie Bademeister offiziell bezeichnet werden, in der Badesaison im Wehrheimer Ludwig-Bender-Bad für Sicherheit.

Kompetenz am Beckenrand

Im Hochtaunus ist die Badeaufsicht gesichert, aber Fachkräfte sind heiß begehrt

Bei Temperaturen um die 30 Grad waren am Wochenende die Freibäder richtig gut besucht. Doch der hessische Landesverband Deutscher Schwimmmeister schlägt Alarm: Wegen fehlendem Schwimmmeister-Nachwuchs sei die Situation in den hessischen Freibädern angespannt bis hoffnungslos. Auch im Hochtaunuskreis?

In Hessen fehlen aktuell 400 Bademeister. Schon seit Jahren wird nach Angaben des hessischen Landesverbandes Deutscher Schwimmmeister händeringend qualifiziertes Personal gesucht. Gerade in der Freibadsaison fehlen demnach qualifizierte Fachangestellte für Bäderbetriebe, so die korrekte Berufsbezeichnung. Immer häufiger müssen die Freibadbetreiber Rentner oder Rettungsschwimmer als Mini-Jobber einsetzen. "Die Situation ist angespannt bis hoffnungslos", sagt Geschäftsführer Michael Schad.

Das Bad Homburger Seedammbad hält - als ganzjährig geöffnetes, kombiniertes Frei- und Hallenbad - durchgängig einen hohen Personalstand vor. "Im Soll-Stellenplan der Stadtwerke sind 21 Stellen für den ,schwimmtechnischen Bereich' und zehn Mitarbeiter für das technische Gebäudemanagement vorgesehen", teilt dazu auf Anfrage Pressesprecher Andreas Möring mit.

Zwar seien aktuell alle Stellen besetzt. Doch die Personalsituation sei generell angespannt, da in der Branche generell Auszubildende und Fachpersonal fehlen. Aufgrund der üblichen Fluktuation bestehe immer Bedarf. "Die Personalkosten sind in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen", sagt Möring ohne aber konkrete Zahlen nennen zu wollen.

Die Bad Homburger Stadtwerke nehmen nach seinen Worten die Aufgabe der Badeaufsicht an den weitläufigen Wasser- und Grünflächen sehr ernst und haben deshalb auch in den vergangenen Jahren keinen Rotstift angesetzt.

Rettungsschwimmer helfen

Die Stadtwerke Oberursel bezeichnen die Personaldecke im Frei- und Hallenbad als knapp. Von den fünf Soll-Stellen für Fachangestellte für Bäderbetriebe sei aktuell eine unbesetzt. Im Sommer beginnen zwei Auszubildende, um den Beruf zu erlernen. "Durch die Unterstützung mehrerer angestellter Rettungsschwimmer auf Minijob-Basis ist die Aufsicht derzeit aber gewährleistet", teilt dazu Pressesprecherin Andrea Königslechner mit. "Um eventuelle Lücken zu füllen, arbeiten wir außerdem mit einem Personal-Dienstleister zusammen."

In den zurückliegenden Jahren sei der Soll-Stellenplan um eine Fachkraft erhöht worden. Diese Stelle sei durch die erfolgreiche Qualifizierung einer bis dahin in der Badeaufsicht fest angestellten Rettungsschwimmerin besetzt worden.

Der Stellenplan der Stadt Friedrichsdorf sieht für das Freibad dauerhaft und seit Jahren unverändert zwei Vollzeitstellen von Fachangestellten für Bäderbetriebe und eine Ausbildungsstelle vor. Nach Angaben der Stadt seien die Stellen mit ausgebildeten Fachkräften besetzt. "Während der Freibadsaison von Anfang Mai bis Anfang September werden bis zu acht zusätzliche Beschäftigte in Teilzeit für die Beckenaufsicht eingesetzt", teilt dazu Marcus Muth vom Haupt- und Personalamt mit. "Alle eingesetzten Mitarbeiter verfügen über eine Ausbildung als Fachangestellte für Bäderbetriebe oder das geforderte Rettungsschwimm-Abzeichen."

Zudem werden noch vier Teilzeitbeschäftigte an der Kasse und drei teilzeitbeschäftigte Hausmeister während der Freibadsaison eingesetzt. Inklusive der Reinigungskräfte schlagen die Personalkosten für das Freibad im Friedrichsdorfer Haushalt mit insgesamt 247 600 Euro zu Buche.

Usinger Land gut aufgestellt

Im Usinger Land sind die Freibäder kleiner und Personalnot am Beckenrand ein Fremdwort: Die Gemeinde Wehrheim hat im diesjährigen Haushalt für das Ludwig-Bender-Freibad Personalkosten in Höhe von 133 810 Euro veranschlagt. Seit Jahren arbeite man mit zwei bewährten Schwimmmeistern in der Badesaison. "Wir haben keine Personalprobleme", so Sommer.

Gleiches gilt auch für das Waldschwimmbad Neu-Anspach, wo die Stadt schon immer nur einen Schwimmmeister hauptamtlich angestellt hat. "Unser Schwimmmeister kann alleine natürlich nicht die kompletten Öffnungszeiten unseres Freibades abdecken", teilt auf Anfrage Anke Ludwig vom Neu-Anspacher Amt für Familie, Sport und Kultur mit. "Deshalb beauftragen wir schon immer in jedem Jahr eine Fremdfirma, die für die Zeiten, die unser Schwimmmeister nicht abdecken kann, Personal zur Verfügung stellt."

VOPN MATTHIAS PIEREN

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