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Konfliktlöser und Kommunikator

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Wollte nach Jahren als Beobachter selbst politisch aktiv werden: Andreas Bloching, der als Pressesprecher für die Stadt Kronberg arbeitet. © Friedrich

Andreas Bloching zieht nach einem Jahr als FDP-Vorsitzender Bilanz

Wehrheim -Seit einem Jahr ist Andreas Bloching, gebürtiger Unterfranke und ausgebildeter Journalist, nun Vorsitzender des FDP Ortsverbands Wehrheim - ein Amt, das der Obernhainer von der Friedrichsthalerin Ulrike Schmidt-Fleischer übernommen hat. Eine gute Gelegenheit, den Mann, der die Speerspitze der Wehrheimer Liberalen bildet, einmal vorzustellen.

Der 47-Jährige hat in Kaiserslautern das Licht der Welt erblickt und dort nach dem Abitur nebenbei als Freier Journalist für die Tageszeitung "Die Rheinpfalz" gearbeitet. Nach einem Abstecher zum Radio zog es Bloching im Jahr 2001 nach Hessen und erneut zur Zeitung. Nach einem Volontariat bei der Südhessischen Verlagsgesellschaft wechselte Bloching zur Frankfurter Neuen Presse und war dort viele Jahre Lokalredakteur für Kronberg sowie drei Jahre Sportchef bei der Taunuszeitung. Seit 2014 arbeitet Bloching nun als Pressesprecher für die Stadt Kronberg.

Bewunderung

für Schmidt und Genscher

Bis heute schlägt sein Herz für Sport - gerade für den Handball. Er spielt seit Jahren selbst, ist seit 2016 Trainer der Handball-Jugend des SG Wehrheim/Obernhain und in dem Verein auch als Vorstandsmitglied aktiv. Ohnehin, so sagt er, sei er ein "typischer Vereinsmensch".

Bloching ist eher ein Mann der leiseren Töne. Einer, der es sowohl in seinem Beruf als Journalist, aber auch als Handball-Schiedsrichter mit vielen Jahren Erfahrung gelernt habe, als besonnener Konfliktlöser und Kommunikator auch in schwierigen Situationen zu fungieren und zu vermitteln. "Das liegt mir", bekennt der 47-Jährige. Seine Aufgabe ist, zwischen der Fraktion und der Basis zu vermitteln - ein Job, der ihm sehr viel Spaß macht. Auch wenn es in der Politik mitunter rau zugehe und bisweilen auch mit harten Bandagen gekämpft werde, sieht Bloching den gegenseitigen Umgang in Wehrheim gelassen. "Nach einem Wortgefecht muss es dann auch wieder gut sein. In Wehrheim ist das - so ist zumindest meine Wahrnehmung - über die Parteigrenzen hinaus der Fall."

Der 47-Jährige hat sich schon immer für Politik interessiert, seine Vorbilder sind der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt sowie der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher. "Das waren zwei Politiker mit Format, deren Arbeit ich bewundert habe. Sie haben sich in besonderen Zeiten für das Land verdient gemacht." Da er selbst viele Jahre über als Beobachter mit sämtlichen Facetten der Politik zu tun hatte, habe er sich entschieden, für die FDP bei der Kommunalwahl im März 2021 zu kandidieren. "Wenn man so viele Jahre als Journalist über Politik berichtet und sie auf unterschiedlichsten Ebenen begleitet, dann möchte man irgendwann auch einmal selbst mitgestalten. Und wo ginge das besser, als für die Entwicklung der eigenen Gemeinde, in der man zu Hause ist?" sagt Bloching. Ein Beispiel sei hier die Diskussion um das Rote Rathaus. "Ich verstehe, dass das Thema eine hochemotionale Kiste ist. Das ist die Heimat, mit der viele Bürger zahlreiche Erinnerungen verbinden. Und natürlich soll das Rathaus nicht einfach verkauft werden. Uns in der FDP geht es lediglich darum, die bestmögliche Lösung für Wehrheim zu finden."

Auch wenn seine Überzeugung grundliberal sei, so schlage in seiner Brust auch ein soziales Herz, betont der FDP-Politiker. Aus diesem Grund sei er, bevor er in den Journalismus ging, sogar Anfang der 90er Jahre Mitglied in der SPD gewesen, habe diese aber zugunsten der Überparteilichkeit und Neutralität in Bezug auf seine Arbeit wieder verlassen. Heute ist ihm die FDP in vielen Themen näher als die Sozialdemokraten. Ihn fasziniert am Liberalismus, dass man die Überzeugungen, die man hat, frei äußern kann. Aber auch die Freiheit besitzt, Dinge zu überdenken und in fünf Jahren ganz anderer Meinung sein darf. Zudem gefällt ihm das freie Denken und die Unvoreingenommenheit, mit der man über Dinge diskutieren kann - auch in der Fraktion. "Wir sind vielleicht nicht immer einer Meinung, aber streiten immer sachlich. Und auch dem wirtschaftlichen Aspekt, der in der FDP vertreten wird, fühle ich mich eher verbunden, da meine Familie aus dem Mittelstand kommt", sagt Bloching. Seit 2017 ist der Obernhainer Mitglied der Liberalen, seit 2018 Vorstandsmitglied des Ortsverbandes.

Frei denken

auch innerhalb

der Partei

Dass Bloching nicht nur einer vermeintlichen "Liberalendenke" folgt, sondern einige Haltungen der Bundesliberalen auch kritisch sieht, bekennt er freimütig. Beispielsweise ist er für ein Tempolimit auf Autobahnen. "Ich bin überzeugt: Ein Tempolimit hätte riesige Vorteile - der Verkehr läuft flüssiger, wir haben weniger CO2-Ausstoß und weniger Unfälle", sagt er.

Auch den christdemokratischen Bürgermeister Gregor Sommer hat Bloching im Jahr 2014 aus Überzeugung gewählt. "Als meine Familie gerade neu nach Obernhain gezogen war, hat ein Bagger bei Arbeiten an einem Samstag in unserem Garten die Stromleitung gekappt. In der Not habe ich Gregor Sommer kontaktiert. Er hat sofort Hilfe organisiert. Er hätte auch sagen können, es ist Samstag und er kann jetzt nichts weiter tun. Das hat mich sehr beeindruckt."

Auch heute noch schätzt er Sommer sehr. "Auch wenn wir Liberale und der Bürgermeister sicher in der einen oder anderen Position und Herangehensweise unterschiedlicher Ansicht sind, so ist meine persönliche Überzeugung, dass er ein guter Bürgermeister für Wehrheim ist, denn er kümmert sich."

Wenn man Bloching dann fragt, ob er Ambitionen habe, im Jahr 2026, selbst für das Amt zu kandidieren, dann fällt seine Antwort kurz und knapp aus: "Wer weiß schon, was 2026 ist? Ich habe einen abwechslungsreichen und ausfüllenden Job, in dem ich mich wohl fühle."

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