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Symbolbild: Merenberg lehnt Windkraft ab- +++(c) dpa - Bildfunk+++

Energiewende

Kontroverse im Taunus: Viel Wind um die Windkraft

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Dass die Schlacht um die Bundestagswahl auch auf lokaler Ebene geschlagen wird, bewies die Kreistagsdebatte um Windkraftanlagen im Taunus. Die Parteien streiten um den Ruf des besten Umweltschützers.

Wer ist denn nun der größere Pharisäer? Die CDU, weil sie in Bad Homburg und im Kreis gegen und auf Bundes- und Landesebene für die Windkraft ist? Oder die FDP, weil sie einst für die hessische Energiewende gestimmt hat und heute dagegen ist? Nicht nur, aber auch darüber wurde in der Sitzung des Kreistags am Montagabend debattiert.

Anlass war ein Resolutionsantrag der Liberalen zur beziehungsweise gegen die Windenergie. Philipp Herbold warf die altbekannten Argumente in die Waagschale. Windkraftanlagen sollten nur dort aufgestellt werden, wo der Wind weht und wo Flora und Fauna nicht darunter leiden müssten. Generell werde der Hochtaunus im Flächennutzungsplan überproportional belastet und brauche eher Siedlungsfläche statt Windräder. Daher solle Landrat Ulrich Krebs (CDU) beim Regionalverband darauf drängen, dass das Kreisgebiet von weiteren Anlagen verschont bleibt.

Der Kreis habe darüber nicht zu entscheiden, wandte Roland Seel (CDU) ein. Daher könne auch der Landrat nicht damit beauftragt werden, eine Entwicklung zu verhindern. Nun war der Kreistag mittendrin in einer ideologisch aufgeheizten und wohl auch von der bevorstehenden Bundestagswahl beeinflussten Debatte. In einem eigenen Antrag akzeptierten CDU und SPD Windkraft im Taunus dort, wo sie sinnvoll und genehmigungsfähig ist. Der Kreis soll derweil Kommunen unterstützen, die „fachliche Bedenken“ gegen Windkraft auf ihrem Gebiet haben.

Der Linke Werner Frey erinnerte in seiner ersten Rede vor dem Kreistag daran, dass letztlich nicht die Saalburg von der Windkraft, sondern die Arktis durch den Klimawandel bedroht werde. Die Windkraft sei nun mal eine Säule der Energiewende und Alternativen gebe es auch keine. Norman Dießner von den Grünen warf Herbold vor, Windräder zum Schutz der Umwelt zu verdammen und in einem Atemzug mehr Siedlungsfläche zu fordern. „Und die Energie, die solche Ansiedlungen verbrauchen, muss dann woanders produziert werden?“

Beate Denfeld tat sich ein wenig schwer mit ihrer Argumentation. Die SPD wolle ja etwas zur Energiewende beitragen („Da sind wir in der Pflicht“), aber jetzt doch nicht gerade im Taunus. „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ – so charakterisierte Michael Dill (AfD) den „wachsweichen Änderungsantrag“ der Koalition. Als Beispiel nannte er die Homburger Kreistagsabgeordneten – in Bad Homburg hätten sich diese klar gegen Windkraft ausgesprochen, im Kreistag jedoch nicht. Auch FDP-Fraktionschef Dr. Stefan Naas bemängelte, dass CDU und SPD unterschiedliche Sprachen sprechen würden. Seine Liberalen hätten zwar im Land zunächst für die Energiewende gestimmt, diesen Fehler aber eingesehen und korrigiert. Und jetzt wäre es halt die FDP, die für den Rotmilan kämpfe.

Bad Homburgs OB Alexander Hetjes (CDU) bestätigte, dass seine Stadt gegen Windkraft auf dem Taunuskamm und am Sandplacken sei. Dafür gelte es, Fakten gegen die Windkraft zu sammeln – und das sei mit dem Koalitionsantrag am besten möglich. Letztlich wurde der Änderungsantrag von CDU und SPD mit den Stimmen der Koalition, der FWG und von Einzelkämpfer Andreas Moses angenommen.

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