Country- und Westernclub Bommersheim

Konzentration, Kondition und Können

Der Line-Dance-Workshop gehört seit vielen Jahren zur festen Einrichtung bei der Wintercountry-Night des Country- und Westernclubs Bommersheim. TZ-Mitarbeiterin Carla Marconi machte den Selbstversuch, wagte sich auf die Tanzfläche und musste feststellen: Line Dance ist gar nicht so einfach . . .

Es ist mein erstes Mal. Doch ich bin überhaupt nicht aufgeregt. Denn was kann daran schon so schwierig sein, in einer Linie bestimmte Schrittfolgen zu tanzen? So betrete ich frohen Mutes die Burgwiesenhalle in Bommersheim. Hier hatte der Country- und Westernclub Bommersheim (CWC) zu seiner alljährlichen Wintercountry Night eingeladen, Line-Dance-Workshop inklusive. Und diesen möchte ich nun erfolgreich absolvieren.

Der Unterschied zu anderen Tanzveranstaltungen wird gleich zu Beginn deutlich. Denn sobald der Trainer zum Mitmachen aufruft, stürmen so an die 70 Personen die Tanzfläche und drängeln sich dicht an dich. Ich schiebe mich einfach dazwischen, möglichst weit vorne, damit ich den Anweisungen des Trainers, der auf einer kleinen Bühne steht, gut folgen kann.

Um mich herum herrscht gute Laune, die Frauen lächeln mir aufmunternd zu. Manche sind mit Karo-Bluse, Cowboystiefeln und Hut gekleidet. Doch die meisten tragen Jeans mit Pulli oder T-Shirt, oft prangt darauf das Logo eines Country-Vereins, denn ein Großteil der rund 300 Besucher setzt sich aus Line-Dancern zusammen, sowohl aus dem eigenen als auch von benachbarten Vereinen, wie mir CWC-Schriftführerin Martina Hagedorn erklärt.

„Let’s got!“ ruft Gerd Steidl in die Runde. Der 62-Jährige trainiert einmal wöchentlich eine Line-Dance-Gruppe des CWC. Steidl kann auf 25 Jahre Erfahrung blicken: Er habe schon auf Kreuzfahrtschiffen und in US-Kasernen getanzt und lege meist Rock- und Pop-Country auf.

Steidl sieht genauso aus, wie ich mir einen Line-Dancer vorstelle: Cowboystiefeln, Jeans, lange Haare, Hut, tätowierte Arme und eine raue Stimme, die per Mikrofon durch den Saal schallt: „Eins, zwei, nach vorne, kleiner Schritt, nach hinten Stepp, Stepp.“

Alle setzen sich in Bewegung und folgen den Anweisungen. Und auch ich laufe nach vorne. Kein Problem, diese Schrittfolge sitzt. Wir führen sie noch zwei Mal aus. Meine Nachbarin bittet mich, mehr nach hinten zu rücken, damit wir eine Linie bilden. Dabei verpasse ich die nächste Choreographie und die ist kompliziert: Über-Kreuz mit halber Drehung, Hacke und Hüpfen. Wie war das? Ich versuche dem Trainer zu folgen, komme aber zu dem Schluss, dass es einfacher ist, die Tänzer in meiner Nähe einfach nachzuahmen. Diese folgen den Anweisungen ganz problemlos, viele haben lässig die Hände in die Hosentaschen gesteckt und sehen sehr cool aus.

Ich probiere es auch mit Coolness, bewege mich beschwingt nach vorne, mache die Hüpfer mit und komme auch noch bei Über-Kreuz und der Drehung mit, doch dann weiß ich nicht mehr weiter, schaue panisch zu meiner Linken und sehe, dass ich den Seitenschritt verpasst habe, jetzt sind sie schon bei der Hacke. Ich bin raus. Ok, neuer Anlauf.

Doch der Trainer meint, das sitzt schon und erklärt den nächsten Teil. Hier soll man sein Knie heben, draufklatschen und wieder Knie nach unten. Dabei eine elegante Drehung. Und los geht’s.

Ich bin langsam überfordert. Drehe mich, haue mir aufs Knie, bin irgendwie aus dem Takt und meine Bewunderung für alle anderen Line-Dancer steigt minütlich. Die beiden Frauen vor mir bewegen sich mit solch einer Leichtigkeit, dass ich sie darauf anspreche. Renate Iwanowksy tanzt seit zwei Jahren und Monika Isdebski seit sechs Jahren. Letztere ist auch noch Line-Dance-Trainerin. Kein Wunder, dass sie das so gut kann. Sie fordert mich auf, weiter zu tanzen. Schließlich kommt man durch Reden aus dem Takt.

Ich mache mehr oder weniger mit, treffe manchmal die richtige Schrittfolge und bin in Linie, doch meist bin ich zu spät, bewege mich in die falsche Richtung oder remple jemanden an.

„Und nun mit Musik, erst einmal langsam und dann schneller und dann mit der richtigen Musik“, kündigt Steidl an. Alle um mich herum klatschen und können es kaum erwarten. Sie haben sichtlich Spaß an den immer schneller werdenden Bewegungsabläufen, während ich immer weniger Durchblick habe. Bei der „richtigen Musik“ gebe ich dann endgültig auf.

Die anderen beginnen nun mit einer neuen Übung, „dem zweiten komplizierten Tanz des Abends“, wie Gerd Steidl erklärt. Für mich war der erste „leichte“ Line Dance bereits eine Herausforderung. Nun schaue ich einfach zu und bin beeindruckt – von der Choreographie, davon, wie alle zusammen die gleichen Schrittfolgen ausüben und sich harmonisch bewegen. Das ist faszinierend.

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