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Gut möglich, dass das Rathaus zu den großen Festen und Veranstaltungen in Bad Homburg bald kostenlose Busse aussenden wird - beziehungsweise deren Benutzung dann kostenfrei ist. Ein entsprechender Vorschlag soll nun im Verkehrsausschuss geprüft werden. 

Ausweitung der Advents-Regel

Bad Homburg: Busfahren soll bei großen Festen kostenlos werden 

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Alles hat seinen Preis, auch der ÖPNV. An ein paar weiteren Tagen im Jahr könnte dieser Preis für die Bürger auf null gesetzt werden: Ein Antrag der Grünen, die Stadtbusse bei großen Festen für die Fahrgäste kostenlos rollen zu lassen, geht nach zahlreichen Sympathiekundgebungen in den Verkehrsausschuss.

Wer am Laternenfest, beim Erntedankmarkt oder beim Weinfest einen Parkplatz in der Innenstadt sucht, braucht gute Nerven. Die Veranstaltungen sind beliebt, auch bei Menschen, die nicht mal eben so fußläufig in die Innenstadt laufen können.

Die Homburger Grünen hatten bei der jüngsten Parlamentssitzung einen Antrag eingebracht, wonach Bürger und Besucher, analog zu den Regelungen an den Adventssamstagen, die Stadtbusse an den Festen kostenlos nutzen dürfen.

Margit Courbeaux führte in der Begründung an, dass der Vorschlag gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlage. So könne man nicht nur einen gewissen Teil an Autoverkehr aus der Stadt raushalten, sondern mache gleichzeitig noch Werbung für das ÖPNV-Angebot. Menschen, die normalerweise nicht den Bus nutzten, könnten, so Courbeaux Hoffnung, durch das Gratis-Angebot auf den Geschmack kommen und das Verkehrsmittel auch im Alltag nutzen.

Bad Hombrg: Prüfung im Ausschuss

Von den anderen Fraktionen gab es wohlwollende Worte, aber keinen Blankoscheck. Dr. Roland Mittmann (CDU) sprach zwar von einer "grundsätzlich guten Initiative", forderte jedoch zunächst eine Aufstellung der derzeitigen Kosten (Adventssamstage) und der zu erwartenden Kosten für weitere Feste. Diese Zahlen, so Mittmanns Vorschlag, solle die Verwaltung im Verkehrsausschuss präsentieren, dann könne man weiterreden. So wurde es auch vom Plenum beschlossen.

Für die BLB signalisierte Manfred Heckelmann Zustimmung. Mehr noch - eine Ausdehnung der Regelung auf die Kulturnacht sei ebenfalls wünschenswert. Dort gebe es derzeit kostenlose Extrabusse und kostenpflichtige Stadtbusse - das müsse nicht sein. Selten meldet sich ein Vertreter des Jugendbeirats im Parlament zu Wort, wo das Gremium Rederecht hat. Diesmal war es so weit - Joshua Müller bat das Plenum um Zustimmung für den Grünen-Antrag.

Bad Homburg: Weniger Autoverkehr gut für Luftqualität 

Beate Denfeld betonte für die SPD, dass ein Weniger an Autoverkehr auch für die Luftqualität und damit für den Kur-Status gut wäre. Das Rhein-Main-Gebiet könnte demnächst allerdings zur Modellregion für des 365-Euro-Jahresticket für alle werden. Im Verkehrsausschuss könne man das Ansinnen der Grünen jedoch gut prüfen.

Bundesparteitag: Piraten entern die Kurstadt Bad Homburg

Auch Philipp Herbold (FDP) unterstützte den Grundgedanken. Vor allem für Menschen aus den Stadtteilen sei ein solches Projekt interessant. "Wir müssen wissen, was es kostet - der RMV macht eigentlich alles, wenn es die Kommune finanziert." Damit spielte Herbold auf die schwierige Geburt der Regelung an den Adventssamstagen an. "Zu Jungherrs Zeiten ging das nicht - und irgendwann ging es irgendwann doch."

RMV: Schwere Geburt 2007

In der Tat: Die Regelung für die Samstage im Advent war kein Selbstläufer. Im Mai 2007 waren die Grünen zunächst mit ihrer im Vorjahr ersonnenen Idee gescheitert, obwohl es auch damals schon parteiübergreifend Sympathien gab, die Stadtbusse an den Adventssamstagen für die Fahrgäste kostenlos fahren zu lassen. Dennoch hieß es: Zu teuer, zu aufwendig. Davon zumindest hatte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) den Magistrat überzeugt, der sich mit klarer Mehrheit dazu entschied, die Idee nicht weiter zu verfolgen. Noch im selben Jahr gab's die Kehrtwende: "Kostenlose Stadtbusse im Advent" titelte diese Zeitung im November 2007, die Kosten beliefen sich im Auftaktjahr gerade einmal auf 7900 Euro - für alle vier Adventssamstage insgesamt. Für Homburger Verhältnisse eher ein kleiner Posten im Haushalt.

Doch es gab auch mahnende Worte. Peter Braun merkte an, dass die Busse etwa an den Festzug-Abenden beim Laternenfest, aber auch beim Erntedankmarkt ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze liefen. "Wenn wir die Busse kostenlos machen, ziehen wir damit noch mehr Menschen in die Busse." Gut möglich, dass im Ausschuss auch über eine Erhöhung der Kapazität oder einen dichteren Takt geredet werden wird.

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Das Gelände der früheren Post am Bahnhof in Bad Homburg gehört nun der Procom. Der Hamburger Investor will dort bis Ende 2021 das lange geplante Kino errichten. Und nebenan parallel ein Bürogebäude: Noch in diesem Jahr wird an der Basler Straße eine Großbaustelle eröffnet.

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