1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Kräuterexpertin schreibt Buch über Beinwell

Erstellt:

Kommentare

ualoka_beinwellbuch_kh_1_4c
Regine Ebert ist stolz auf ihr erstes Buch. © Ingrid Schmah-Albert

Die Kräuterexpertin Regine Ebert (Obernhain) hat ein Buch über die Heilpflanze Beinwell geschrieben, den Knochenheiler aus dem Pflanzenreich. Was ist das besondere an dem Kraut?

Wehrheim-Obernhain . »Beinwellpflanzen wirken zunächst etwas ruppig und abweisend. Wenn man die Wurzel ausgräbt, gibt es einen lauten Knacks, als wenn ein Knochen bricht. Aber spätestens die Blüten offenbaren die zarte Seele der Pflanze.« Mit dieser Charakterisierung offenbart Regine Ebert, dass sie sich dem Studium dieser uralten Heilpflanze auf verschiedenen Ebenen nähert und mehr als die rein heilkundlichen Aspekte beleuchtet. Sie ist Kräuterexpertin und gibt ihr Wissen gerne weiter, unter anderem in ihrer Kräuterschule in Obernhain, bei Seminaren oder Kräuterexkursionen. Nun hat sie ein knapp 200 Seiten umfassendes Buch über Beinwell verfasst.

Hilft bei vielen Beschwerden

Beinwell (Symphytum officinale) ist eine der ältesten bekannten Heilpflanzen, die vor allem bei Gelenkschmerzen, Muskelbeschwerden, Verspannungen, Quetschungen, Verstauchungen oder aber auch zur Wundheilung verwendet wird. Wer unter Arthrose oder Rheuma leidet, hat den Namen dieser Heilpflanze sicherlich schon mal gehört. Das Heilkraut enthält Wirkstoffe, die entzündungshemmend und durchblutungsfördernd sowie abschwellend und schmerzlindernd wirken.

Die positiven Wirkungen von Beinwell auf Beschwerden des Gelenk- und Bewegungsapparates sind wissenschaftlich gut untersucht. Gebräuchlich sind daher Wickel und Umschläge. Neben der äußerlichen Anwendung sind Beinwellblätter unter anderem wegen des Vitamingehalts bei Wildkräuterliebhabern eine geschätzte Zutat in der Küche, etwa in Salaten. Allerdings wird aufgrund der enthaltenen, lebertoxischen PA (Pyrrolizidinalkaloide) empfohlen, nur geringe Mengen des Krauts zu verzehren.

Auch Ebert weist darauf in ihrem Buch hin. Trotzdem sind auch alte überlieferte und in der Praxis sehr bewährte Rezepte ins Buch aufgenommen worden. Denn wie immer gehe es um das richtige Maß, betont sie. »Beinwellblätter sind ein Genuss und wir reden hier ja nicht über große Mengen. Es ist schade, dass Beinwell wegen der PA etwas in Verruf gekommen ist.« Sie erklärt, warum sie die Warnungen vor den PA relativiert: Bislang wurden mehrere Hundert verschiedene PA in Pflanzen entdeckt, etwa die Hälfte davon ist toxisch. Die Grenzwerte, die das Bundesinstitut für Risikobewertung festgesetzt hat, orientieren sich an den drei giftigsten PA. Zwar seien auch in der Beinwellpflanze PA enthalten, aber die giftigsten seien nicht darunter, zumal in neueren Züchtungen die PA ganz weggezüchtet wurden.

14 Frauen arbeiteten mit

Trotzdem hätten die Warnungen vor PA das Vertrauen in die Pflanze etwas untergraben. »Zu Unrecht, vor allem wenn man Beinwell äußerlich anwendet«, sagt Ebert. Wie wirksam Beinwell ist, welche Pflanzenbestandteile sich in welcher Form, etwa als Aufguss oder als Auszug, für welche Einsatzgebiete eignen, das hat Ebert aber nicht alleine herausgefunden. In einer Arbeitsgruppe von ehemaligen Seminarteilnehmerinnen haben sich 14 Frauen im vergangenen Jahr ebenfalls sehr intensiv mit dem Beinwell befasst und haben ihre jeweiligen Recherchen und Erfahrungsberichte mit in das Buchprojekt einfließen lassen. Gerade in der Pandemiezeit habe sie das Projekt daher sehr getragen, gibt Ebert zu. Sie sei sehr dankbar, glücklich und stolz auf ihre Arbeitsgruppe, die sie so sehr bei dem Buchprojekt unterstützte, sei es durch Selbstversuche beim Ausprobieren und Erkunden der Heilpflanze oder durch weitere Rezepte oder auch durch Bildmaterial. So stamme zum Beispiel das Coverbild von einer Teilnehmerin. Dass sie sich so intensiv mit dem Beinwell befasst hat, passt in ihr Konzept der Neun-Jahres-Ausbildung zur Kräuterkundlerin. Hier wird von neun verschiedenen Heilkräutern jeweils nur eines ein Jahr lang intensiv untersucht, beobachtet, ausprobiert. Statt 200 verschiedene Kräuter zwar erkennen und bestimmen zu können und die jeweils wichtigsten Wirkungen zu wissen, sei es ihr wichtiger, die bedeutendsten und wirksamsten Kräuter in ihrer jeweiligen Gesamtheit sehr genau und umfassend zu kennen und sicher anwenden zu können. 2022 werde auf diese Weise der Beifuß die Pflanze des Jahres. Ob dann auch darüber oder von den anderen acht Pflanzen wieder jeweils ein Buch entstehen wird, sei eher fraglich und bisher nicht geplant. Ganz ausschließen will Ebert das aber auch nicht.

Das Buch »Beinwell - Knochenheiler aus der Pflanzenwelt« ist im AT Verlag erschienen (ISBN: 978-3-03902-140-6.

Auch interessant

Kommentare