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Die derzeit besten Unternehmer im Taunus: von links: Martin Steffen Baier (Platz 2), Alexander Pietschmann (Platz 1), Bernd Leidenbach (Platz 3).

Kreative Ideen

Diese mittelständische Firmen erhalten den Taunus-Unternehmerpreis

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Der Bundesverband mittelständischer Unternehmen hat zum ersten Mal den Taunus-Unternehmerpreis vergeben. Eine Auszeichnung, die überfällig war, bei der großen Auswahl erfolgreicher und innovativer Unternehmerpersönlichkeiten im Kreis.

Smartphones müssen immer auf dem neuesten Stand sein – denn wer will schon ein altes Gerät? Das gilt auch für andere Handys, iPads, Laptops und Notebooks. Wie viele alte Geräte irgendwo in irgendwelchen Schubladen schlummern, weiß vermutlich kein Mensch, aber einer, der sich ständig mit der Materie befasst, ist Bernd Leidenbach, Director Business Development bei der Firma „Flip4New“.

Er schätzt, dass „weltweit 300 Millionen alte Endgeräte ungenutzt herumliegen. Einige davon landen seit 2009 bei dem in Friedrichsdorf angesiedelten Unternehmen. Das hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, gebrauchte Unterhaltungselektronik zu kaufen, wieder aufzupeppen und weiterzuverkaufen.

Als Zwei-Mann-Betrieb von Lennart Kleuser und Michael Sauer gegründet, ist das ehemalige Start-up-Unternehmen mittlerweile etabliert. 60 Mitarbeiter sind für die Firma tätig – „und wir wachsen und wachsen“, sagte Leidenbach. Kein Wunder, dass die Firma geradezu prädestiniert war, mit dem dritten Platz des Taunus-Unternehmerpreises ausgezeichnet zu werden. Es entspricht nämlich all dem, was die Ausrichter – Hans-Peter Neeb vom Bundesverband mittelständischer Wirtschaft (BVMW) – mit Jochen Ball von der Dr. Dornbach Treuhandgesellschaft und Rainer Weis, Vorstandsmitglied der Deutschen Leasing AG, von einem preisträchtigen Unternehmen erwarten: Umweltbewusstsein, Erfolg, Innovation, Mitarbeiter-Entwicklung und Führungspersönlichkeit der Unternehmer.

„Davon gibt es bei uns viele“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Uwe Kraft (CDU), der im Hochtaunuskreis für das Dezernat Wirtschaftsförderung zuständig ist. Und das sei gut so, denn sie seien als Arbeitgeber, Ausbilder und Investoren „ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Landkreises“ – vor allem jene, die ihre „unternehmerische Freiheit nutzen, um sich ihrer sozialen Verantwortung zu stellen“.

Ein gutes Beispiel dafür ist auch Martin Steffen Baier von der Firma „entergon“. Das ebenfalls in Friedrichsdorf ansässige Unternehmen hat, möchte man fast sagen, vor sechs Jahren den CRM-Markt im Bereich Messestand revolutioniert. Dabei steht CRM steht für „Customer Relationship“ und bedeutet übersetzt Kundenpflege.

Wie man die revolutionieren kann? Ganz einfach: Unternehmen präsentieren sich auf Messen, kommen dort mit ihren Kunden in Kontakt. Und bislang wurde dafür jede Menge Papier gebraucht. Papier, auf dem der Firmenmitarbeiter die Anfragen der Kunden notierte, Papier, das nach drei Tagen Messe in Kartons geladen wurde und am Firmensitz dann sortiert, unterteilt und an die zu bearbeitenden Stellen weitergeleitet wurde. Das braucht es jetzt nicht mehr, denn „entergon“ hat eine App entwickelt, die, salopp gesagt, den ganzen Papierkram überflüssig macht. Dafür gab es Platz zwei.

Alexander Pietschmann ist Chef der Adam Hall Group, die 1975 in England gegründet wurde und sich 1990 in Neu-Anspach ansiedelte. Erst im Juni weihte das Unternehmen sein „Experience Center“ ein, ein Produkte-Showroom, gebaut aus „Flightcases“. Diese Koffer für technisches Equipment sind eine der Kernkompetenzen des Unternehmens für Veranstaltungstechnik, zu denen auch Licht- und Tontechnik gehören.

„Wir lieben das Event und die Begegnung“, sagte Geschäftsführer Alexander Pietschmann. Er selbst habe auch schon eine ganz Besondere gehabt, nämlich mit Arianna Huffington, Gründerin der gleichnamigen Huffington Post. In Helsinki habe er sie auf dem Nordic Business Forum getroffen, und sie habe ihn gefragt, was er hier mache. „Ich habe lachend gesagt, ich wisse es noch nicht so recht, und sie entgegnete, sie wisse es: Wenn ich nicht dort gewesen wäre, hätten wir uns nicht getroffen und schon gar nicht miteinander geredet.“ Was er damit sagen wolle, sei dies: „Kreativität entsteht nur in der Begegnung, nicht alleine am Handy.“ Pietschmann weiter: „Und unsere Produkte machen Begegnungen zum Event, klanglich und visuell, nach der kreativen Vorstellung unserer Kunden.“

Dass sich das lohnt, zeigt die Investitionsbereitschaft der Adam Hall Group. 24 Millionen Euro hat sie, die weltweit 225 Mitarbeiter beschäftigt, in das noch mit Erweiterungsflächen ausgestattete Experience Center und den aus einem Hochregallager sowie einem automatischen Kleinteile-Lager bestehenden neuen Logistics Park gesteckt.

Info: "Den anderen stets voraus sein"

Der Bundesverband mittelständischer Wirtschaft hat den Taunus-Innovationspreis zum ersten Mal vergeben – mit Unterstützung der Dr. Dornbach Treuhand und der Deutschen Leasing. Jochen Ball, Geschäftsführender Gesellschafter von Dornbach, sagte: „Wir hoffen, dass über den Preis noch mehr heimische Unternehmen miteinander in Kontakt kommen und der eine oder andere, wenn er vielleicht eine besondere Ware braucht, beim Nachbarn bestellt und nicht in China. Der Nachbar mag vielleicht etwas teurer sein, aber er ist nun mal auch sofort greifbar,“

Rainer Weis vom Vorstand der Deutschen Leasing sagte: „Unser Unternehmen war vor 46 Jahren ein ,First Mover‘. Wir hatten eine Idee, die noch kein anderer hatte – eine neue Art der Investitionsfinanzierung.“ Das sei toll, „aber man muss die gute Idee weiterentwickeln, denn andere stehen schon bereit und werden sie kopieren.“ Man müsse stets voraus sein. Und das sind viele Unternehmer im Kreis. Die besten wurden nun ausgezeichnet. Sieben hatten sich beworben, die besten drei wurden von einer Jury ausgewählt, in der nicht nur die Deutsche Leasing und Dr. Dornbach, sondern auch groundr/Strateco, die Taunus Sparkasse, die Wirtschaftsförderung des Hochtaunuskreises und die Taunus Zeitung vertreten waren.

( sbm)

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