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Nicht jeder Helfer darf gehen

Kreisfeuerwehrverband bemängelt mangelnde Unterstützung von Arbeitgebern

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Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbands, das bedeutet Information pur. Da geht es um den Ausbildungsstand der Kameraden genauso wie um das nötige Feuerwehr-Equipment. Doch am Ende steht auch ein gemütlicher Teil. Denn gerade die, die so oft anderen helfen, brauchen das Gespräch untereinander.

52 von 80 stimmberechtigten Delegierten, aber auch über 80 Feuerwehrleute ohne Stimmberechtigung waren am Freitagabend nach Grävenwiesbach zur Verbandsversammlung ins „eigentliche Wohnzimmer des Kreisfeuerwehrverbandes“ gekommen. Vorsitzender Norbert Fischer bezeichnete den Saal des Dorfgemeinschaftshauses in dieser besonders liebevollen Form und schmeichelte damit den Gastgebern, der Freiwilligen Feuerwehr Hundstadt.

Doch damit nicht genug des Lobes. „Die Feuerwehren sind die größte, flächendeckend vorhandene Einsatzorganisation in unserem Land“, würdigte er die Arbeit der Kameraden. Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit hätten bewiesen, wie wichtig für den Staat eine solche gesellschaftlich verankerte Organisation ist, die jederzeit bereit sei, allen Menschen in Not zu helfen.

Es gab aber auch harsche Kritik, und zwar am Bund. „Es fehlt beim Bund die Umsetzung und vor allem die Einsicht, die Feuerwehren zu unterstützen“, schimpfte der Kreisfeuerwehrverbands-Vorsitzende. Zum Beweis erinnerte Fischer an das groß angekündigte Fünf-Millionen-Programm für den Katastrophenschutz, das letztlich einen Sperrvermerk samt der Auflage, ein neues Konzept zu erstellen, erhalten habe. „Der Bund geht nach wie vor unverantwortlich mit dem Bundeskatastrophenschutz bei den Feuerwehren um“, sagte er zeigte damit seine Enttäuschung.

Wie sind denn die Feuerwehren im Hochtaunuskreis aufgestellt? Norbert Fischer bescheinigte Lücken der Tageseinsatzstärke in einigen Gebieten, die durch städte- und gemeindeübergreifende Zusammenarbeit gelöst werden. Er rief aber auch die verantwortlichen Politiker und Gremien als Aufgabenträger der Feuerwehr in die Pflicht, für ausreichendes Feuerwehr-Personal zu sorgen.

Zurzeit sind es 67 freiwillige Feuerwehren mit 2300 Feuerwehrleuten, die zur Kreisfeuerwehr zählen. Und schon kam das Thema Freistellung vom Dienst zur Sprache. Es gebe sogar öffentliche Arbeitgeber, eigentlich mit Vorbildfunktion, die aber dennoch querschießen, berichtete Fischer. Er nahm dabei kein Blatt vor den Mund und nannte Fakten, nämlich den Kameraden Thomas Wietschorke, der von den Städtischen Kliniken in Höchst mit fadenscheinigem Grund nicht freigestellt worden sei, wie Fischer berichtete. „Erst unsere intensive Intervention beim Ministerium hat dafür gesorgt, dass dieses Beispiel keine Schule macht“, sagte er.

Positiv hob Fischer das Projekt „Feuerwehr an Schulen“ hervor, das maßgeblich von Usingens Stadtbrandinspektor Michael Grau erstellt wurde und als Musterprojekt für die hessischen Feuerwehren gelte. Entgegen der emotionalen Jahreszusammenfassung vom Vorsitzenden ließ Kreisbrandinspektor Carsten Lauer nackte Tatsachen in Form von Tabellen sprechen, die 303 Frauen und 1988 Männer in den Einsatzabteilungen auflisteten. Diese waren im Jahr 2015 bei 3689 Einsätzen unterwegs gewesen.

Als Vorsitzender des Kreisfeuerwehrfördervereins lobte der CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Koob die Kameraden und nannte sie Helden und Schutzengel. „Als Gesellschaft können wir darauf stolz sein“, sagte er und verwies in seiner politischen Funktion auf die Flüchtlingskrise, die ohne die Hilfe der Feuerwehr nicht so gut hätte bewältigt werden können. Koob ging aber auch auf den Vorwurf von Norbert Fischer ein und versprach, sich in Berlin dafür einzusetzen, dass Gelder für die Feuerwehr bereitgestellt werden.

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