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Am Wegrand des größtenteils gesunden Mischwaldes liegen Stämme wegen Borkenkäferbefalls gefällter Fichten. 

Kronberg

Kronberg: Der Borkenkäfer gefährdet den Wald 

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35 Prozent des Baumbestandes des Kronberger Stadtwalds sind Fichten. Die Nadelbäume leiden besonders unter der Trockenheit der vergangenen Sommer und dem Borkenkäferbefall.

Wer sich im unteren Teil des Waldes von Kronberg bewegt, der muss schon genau hinschauen, um Hinweise auf den angeschlagen Gesundheitszustand des Forstes zu finden. Hier und da ist ein weißes Band um den Stamm einer Buche mit vertrockneten Blättern gebunden. Am Wegesrand finden sich gestapelte Fichtenstämme - bereit für den Abtransport.

Vor allem in den Höhenlagen - zum Beispiel Richtung Altkönig, da ist die Lage dramatisch. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung informierte Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) über den Zustand des Waldes (mit einem Fichtenbestand von 35 Prozent) und machte deutlich, dass die Annahmen aus dem Waldwirtschaftsplan nicht eingehalten werden können.

Wald in Kronberg: "Noch ist unklar, wo das Defizit liegen wird"

Dort sind Einnahmen aus dem Holzverkauf in Höhe von 50.000 Euro vorgesehen. Doch die beiden trockenen Sommer und der Borkenkäfer haben da einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Noch ist unklar, wo das Defizit liegen wird", so der Erste Stadtrat. Er rechnet mit einer Verdoppelung der Kosten (für das Fällen, die Behandlung der Stämme und den Abtransport) - bei sinkenden Einnahmen. "Der Holzmarkt ist übersättigt."

Jährlich wird ein Nachhalthiebsatz von 1600 Erntefestmetern angenommen, doch schon 2018 habe man den Einschlag von Frischholz gestoppt und 2300 Festmeter wegen Borkenkäferbefalls gefällt. "2019 wird es weitaus schlimmer", kündigte Siedler an. Zum Zeitpunkt seiner Rede waren schon 4500 Festmeter gefällt, bis zum Jahresende erwartet er einen Einschlag von mehr als 5000 Festmetern.

Gespräche mit Hessenforst würden geführt. Siedler: "Wir haben den Ernst der Lage erkannt, und es wird entsprechend gehandelt." Er kündigt an, den Revierförster Martin Westenberger in eine der nächsten Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) einzuladen.

Revierförster Westenberger geht davon aus, dass 5000 Festmeter nicht ausreichen werden. "Das wird eher mehr", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Eigentlich habe man ein gutes Forstschutzkonzept gehabt. "Doch wir sind von der Dynamik völlig überrumpelt worden."

Kronberg: Situation "frustrierend"

Die milden Winter und die langen Warm- und Trockenzeiten hätten zu einer explosionsartigen Vermehrung des Borkenkäfers geführt. "Bei den Fichten nördlich von Falkenstein sieht es schlimm aus", sagt der Förster. Den Zustand des Waldes zu sehen, sei schon "frustrierend".

In diesem Jahr werde es keine Aufforstungen mehr geben. "Wir sind mit dem Aufräumen beschäftigt." Klar sei aber auch, dass dort, wo bislang Fichten standen keine Fichten mehr nachgepflanzt würden. Allerdings seien noch Samen im Boden, die zu einer Verjüngung der Fichtenbestände führten. Welche Bäume denn künftig rund um Kronberg gepflanzt würden? Dazu lasse sich keine pauschale Antwort geben, das hänge vom jeweiligen Standort ab. So herrschten beispielsweise am Hünerberg nördlich der B 455 ganz andere Bedingungen als am Altkönig, was Niederschlagsmenge, Temperatur und Länge der Vegetationsperiode anbelangen. Westenberger: "Es gibt kein Patentrezept."

Zu seinem Auftritt im ASU sagte der Revierförster: "Wenn ich eingeladen werde, komme ich auch."

Wer sich für den Kronberger Wald interessiert, der kann am Sonntag, 13. Oktober, an einer Begehung teilnehmen, zu der die Ortsgruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald einlädt. Treffpunkt für die Themenführung mit Martin Westenberger "Die Trockenheit, der Borkenkäfer - Unser Wald heute und in Zukunft" ist um 10 Uhr am SDW-Vereinshaus am Ende des Viktoriaweges.

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