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Bei einem Anschlag auf ein Autohaus in Kronberg wurden über 40 Luxusautos zerstört.

Anschlag auf Autohaus

40 Luxusautos in Kronberg zerstört: Polizei steht vor Rätsel

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Anschlag auf ein Autohaus mit Luxusautos in Kronberg: Eine Gruppe Maskierter hat einen Schaden in Millionenhöhe angerichtet. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Update vom Mittwoch, 28.08.2019, 11.23 Uhr: Die Polizei hat zu den zerstörten Luxusautos in Kronberg bislang keine neuen Erkenntnisse. "Es gibt nichts, was eine große Entwicklung bedeuten würde", sagte ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Zu dem Bekennerschreiben, das im Internet aufgetaucht ist, ermittelt die Polizei weiterhin.

Polizei hat keine neuen Erkenntnisse zu zerstörten Luxusautos in Kronberg

Ob und wie viele Hinweise aus der Bevölkerung schon bei der Polizei eingegangen sind, wollte der Polizeisprecher nicht sagen: "Zu Hinweissachen kann ich keine Auskünfte geben. Das ist Teil der Ermittlungen." Da das Autohaus zwischen Kronberg und Schwalbach liegt und die nächsten Wohnhäuser mehrere hundert Meter entfernt stehen, ist es aber durchaus möglich, dass in der Nacht auf Montag (26.08.2019) niemand etwas mitbekommen hat.

Update vom Dienstag, 27.08.2019, 15.10 Uhr : Mehr als 40 Luxusautos wurden in einem Autohaus in Kronberg zerstört. Der Sachschaden geht in die Hunderttausende. Anschließend wurde ein mutmaßliches Bekennerschreiben veröffentlicht. Laut der Kriminalpolizei Bad Homburg ist derzeit noch völlig unklar, ob das Bekennerschreiben echt ist. Theoretisch könne jeder ein entsprechendes Schreiben auf „Indymedia“ veröffentlichen. 

Luxusautos in Kronberg zerstört: Bekennerschreiben aufgetaucht

Update vom Montag, 26.08.2019, 21.56 Uhr: Während die Kriminalpolizei in Bad Homburg die Ermittlungen aufgenommen hat, ist auf dem linken Internetportal „Indymedia“ ein Bekennerschreiben zu der Tat aufgetaucht. Darin schreiben die angeblichen Täter: „Wir unterstützen und solidarisieren uns mit den Aktivist*innen, die die Internationale Automobilausstellung (IAA) blockieren wollen (auch wenn es andersherum nicht so sein wird.)“ Damit beziehen sich die Autoren auf das Aktionsbündnis „Sand im Getriebe“. Dieses hatte ankündigt, als Klima-Protest die IAA friedlich blockieren zu wollen. Die Nähe, die zu „Sand im Getriebe“ gesucht wird, drückt sich auch im Namen „Steine im Getriebe“ aus, mit dem das mutmaßliche Bekennerschreiben unterzeichnet ist.

„Sand im Getriebe“ ist ein offenes Bündnis, dem sich bisher rund 40 zumeist linke Gruppen aus ganz Deutschland angeschlossen haben. Ihre Sprecherin mit dem Pseudonym „Tina Velo“ sagte im Telefongespräch, dass sie von dem Angriff in Kronberg noch nichts wisse. „Grundsätzlich gehört Sabotage aber nicht zu unseren Aktionsformen. Die Täter gehören also nicht zu uns“, sagte Velo. Man wolle friedlich mit den Körpern der Aktivisten die IAA blockieren. Dennoch solidarisiere sich das Bündnis mit allen, die gegen die Autoindustrie vorgingen, „solange dabei keine Menschen verletzt werden.“

Kronberg: Zitate aus Blockadeaufruf von "Sand im Getriebe"

Wie „Sand im Getriebe“ seinen Blockadeaufruf für die IAA begründet, so wird im mutmaßlichen Bekennerschreiben auch der Angriff auf das Kronberger Autohaus erklärt. Im Blockadeaufruf heißt es etwa mit Bezug auf die IAA: „Diese Show wollen wir als das entlarven, was sie wirklich ist: Profitgier auf dem Rücken der Ärmsten und zukünftiger Generationen. Es ist höchste Zeit, dem Automobilismus Sand ins Getriebe zu streuen!“ Im Bekennerschreiben wird von diesem Zitat der erste Satz wörtlich übernommen und abgewandelt fortgeführt: „Wir denken, es ist höchste Zeit, dem Automobilismus im Speziellen und der kapitalistischen Profitlogik als Ganzes Steine ins Getriebe zu werfen!“

Auch "#aussteigen" hat Protest angekündigt

Gegen die IAA, eine der weltweit größten Auto-Messen, formiert sich in diesem Jahr viel Protest. Wenn die Ausstellung vom 12. bis 22. September in Frankfurt öffnet, werden wohl Tausende dagegen demonstrieren. Neben „Sand im Getriebe“ hat sich auch das Bündnis „#aussteigen“ formiert. Dieses hat zu einer Großdemonstration am 14. September aufgerufen. Zu dem Bündnis gehören mitgliederstarke Vereine wie der BUND, Attac, Greenpeace oder der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Auch haben sich die Frankfurter Grünen oder etwa die Fraktion der Linken im Römer dem Demonstrationsaufruf angeschlossen.

Ein Gesprächsangebot des Verbands der Automobilindustrie (VDA), den Veranstaltern der IAA, hatte „Sand im Getriebe“ abgelehnt. Das Bündnis „#aussteigen“ hat die Einladung aber angenommen. Nach gemeinsamen Angaben wolle man am 5. September in Berlin gemeinsam über die Zukunft der Mobilität diskutieren.

Update vom Montag, 26.08.2019, 16.18 Uhr: Bei dem nächtlichen Überfall auf das Autohaus Avalon Premium Cars in Kronberg ist ein sehr hoher Sachschaden entstanden. Die Polizei spricht gegenüber bild.de von einem Betrag im siebenstelligen Bereich. 

Erstmeldung vom Montag, 28.08.2019, 16.18 Uhr: Kronberg - Mehr als 40 Luxusautos wurden auf dem Gelände eines Autohauses in Kronberg (Hochtaunuskreis) zerstört. Wie auf Aufnahmen von Überwachungskameras zu sehen ist, kam eine Gruppe von etwa zehn Maskierten gegen 2.15 Uhr zu dem Autohaus. Das sagte ein Polizeisprecher auf Nachfrage. 

Maskierte zerstören in Kronberg mehr als 40 Luxusautos

Die unbekannten Täter schlugen laut Polizei mit "Metallwerkzeugen", also unter anderem Hämmern und Brecheisen, auf die Fahrzeuge ein. Sie hinterließen vor allem Dellen in den Karosserien und eingeschlagene Scheiben. Der Schaden an den Autos beträgt laut Polizei mehrere hunderttausend Euro.

Bei einem Anschlag auf ein Autohaus in Kronberg wurden über 40 Luxusautos zerstört.

Zerstört wurden unter anderem Fahrzeuge der Marken Jaguar, Aston Martin und Landrover, sagte der Polizeisprecher. Auch auf einem angrenzenden Gelände, auf dem ebenfalls Autos des Händlers untergestellt waren, schlugen die Täter zu. Das Glas an verschiedenen Eingangstüren des Autohauses wurde ebenfalls demoliert.

Luxusautos von Jaguar, Aston Martin und Landrover in Kronberg beschädigt

Wer hinter diesem Anschlag stecken könnte, ist laut Polizei "überhaupt nicht klar". Auffällig sei gewesen, dass die Maskierten trotz der hohen Temperaturen lange Kleidung getragen hätten.

Von seinem eigenen Auto wurde ein Mann in Kronberg überrollt. Er wurde schwer verletzt. Bei einem weiteren Unfall wurden zwei Menschen schwer verletzt. Ihr Auto prallte in Kronberg frontal gegen einen Baum.

Probleme gab es in Kronberg mit einer Schaukel. Sie musste wegen des Lärms durch Kinder und Jugendliche abgebaut werden. Bei einem anderen Vorfall in Kronberg ist ein Schüler mit Tempo 170 durch den Ort zur Schule gerast. Dabei übersah er eine Zivilstreife der Polizei.  

kke/marv

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