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Feuchte Böden, hygienische Mängel, auslaufende Fristen - die Gemeinschaftsunterkunft an der Altkönigschule, in der derzeit 67 Menschen leben, darunter 34 anerkannte Flüchtlinge, muss bis September geräumt werden. Das stellt die Stadt Kronberg vor ein großes Problem.

Flüchtlingsunterkünfte

Wohnraum für Flüchtlinge gesucht - Zehn neue Asylbewerber pro Woche

Wohnraum in Kronberg ist knapp. Jetzt dürfte er noch knapper werden: Die Flüchtlingsunterkunft an der Altkönigschule muss bis September geräumt werden. 34 anerkannte Flüchtlinge könnten auf der Straße stehen. Die Stadt arbeitet fieberhaft an einer Lösung.

Kronberg - Dass die Flüchtlingsunterkunft an der Altkönigschule keine Dauerlösung sein würde, war jedem bereits beim Bezug der zuvor als Schulraum genutzten, 2015 auf der Höhe der Flüchtlingskrise zu Wohnzwecken umgebauten Container klar. Nun aber kommt das Ende früher als erwartet: In einer gemeinsamen Pressekonferenz verkündeten Kreis-Sozialdezernentin Katrin Hechler (SPD), Bürgermeister Klaus Temmen und Erster Stadtrat Robert Siedler (beide parteilos), Integrations-Dezernent Hans-Willi Schmidt (SPD) und Sozialamtsleiterin Marion Bohn-Eltzholtz, dass die bisher als Gemeinschaftsunterkunft genutzte Behelfswohnanlage wegen baulicher Defizite - von unten wird es feucht - , Hygienemängeln, aber auch auslaufender Fristen bis September geräumt werden muss.

67 Bewohner

Derzeit leben dort 67 Menschen. 33 sind ohne Anerkennung und sollen laut Hechler kurzfristig in andere Einrichtungen im Kreis umziehen. Für die 34 anerkannten Flüchtlinge muss die Stadt Kronberg eine Lösung finden und ihnen Wohnraum anbieten, wie jedem anderen Obdachlosen auch. Temmen glaubt, dass die meisten "Anerkannten" wohl in Kronberg bleiben wollen, weil sie hier Arbeit gefunden hätten und, was Hechler ausdrücklich lobte, integriert seien. Schmidt sagte, unter den 34 Wohnungssuchenden seien je zwei Familien mit zwei und drei Kindern.

Temmen und Siedler wissen, dass die Zeit drängt. Es gibt bereits Pläne, auf dem städtischen Grundstück Frankfurter Straße 46/46a eine "temporäre Lösung" zu schaffen: mobile Wohnmodule für die Dauer von fünf Jahren. Über Nacht können die aber nicht gebaut werden. Siedler verwies darauf, dass eine Bebauung des Geländes in den Bebauungsplan "Grüner Weg" eingreifen würde und daher eine Befreiung nötig sei. Dazu komme das Baugenehmigungsverfahren.

Temmen sieht ein weiteres Problem: Bei Baukosten von einer Million Euro geht ohne einen Beschluss des Stadtparlaments gar nichts. Er hätte diesen gerne schon in der Juni-Sitzung eingeholt, fand dafür im Magistrat aber keine Mehrheit: "Wir werden wohl um eine Sondersitzung, vielleicht sogar in den Sommerferien, nicht herumkommen." Das Projekt könnte, wenn alles glatt läuft, also nach den Ferien anlaufen. Dann, so Siedler, dauert es bis zum Bezug aber immer noch neun Monate: "Die Module werden auf Bestellung gefertigt und müssen auch auf das schmale Grundstück passen."

Lösung für den Übergang

Bis dahin wäre aber nach derzeitigem Stand die Gemeinschaftsunterkunft an der AKS längst geschlossen, eine Übergangslösung müsse her. Hechler versicherte Temmen der Hilfe des Kreises. Man habe in Flüchtlingsfragen immer sehr gut mit Kronberg kooperiert, daran werde sich auch in dieser Situation nichts ändern. Ein Gutachter solle klären, ob die Unterkunft teilweise für einen kurzen Zeitraum doch weiter genutzt werden könne. Sollte das scheitern, bliebe Kronberg nur, die Menschen in Hotels unterzubringen.

Hans-Willi Schmidt und die Sozialamtschefin hoffen jedoch, dass sich doch noch Kronberger finden, die in dieser Notlage leerstehenden Wohnraum bereitstellen. Beide wollen intensiv dafür werben. Schmidt sagte, es gebe eine städtische Suchanfrage in einem Immobilienportal, "im Umkreis haben wir 27 Wohnungen gefunden, davon waren fünf im Hochtaunuskreis und keine in Kronberg".

Bürgermeister Temmen sagte, es kämen natürlich auch städtische Wohnungen in Frage, doch dafür gebe es eine lange Warteliste.

Auch gelte es, sozialen Unfrieden zu vermeiden. Die geplante Unterkunft am Grünen Weg hätte - theoretisch - eine Lösung sein können, praktisch aber nicht, da Gemeinschaftsunterkünfte in diesem urbanen Umfeld Asylbewerbern zur Verfügung stehen müssen, nicht aber anerkannten Flüchtlingen. Außerdem hat die Stadt das Projekt gestoppt (siehe unten stehender Text).

Seit zweieinhalb Jahren schon plant die Stadt Kronberg im Grünen Weg eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. In den Gremien des Stadtparlaments stand das Projekt ein ums andere Mal auf der Agenda, auch kontrovers. Damit ist nun Schluss. Bürgermeister Klaus Temmen und Erster Stadtrat Robert Siedler (beide parteilos) sagten die Planungen am Montag ab, dazu gebe es einen Magistratsbeschluss, der aber noch durchs Parlament müsse. Das Projekt werde nicht weiter verfolgt. Siedler nannte mehrere Gründe. Schon lange sei absehbar, dass der vom Parlament gesetzte finanzielle Rahmen von 2,3 Millionen Euro nicht eingehalten werden könne, man sei bereits bei 2,8 Millionen Euro, womöglich stehe aber auch bald die Drei vorne. "Dafür bekommen wir keinen Parlamentsbeschluss", sagte Siedler, zumal schon jetzt absehbar sei, dass man auch mit den geplanten Betriebskosten nicht hinkommen werde. Die mit dem Hochtaunuskreis angestrebte Betriebsvereinbarung gehe von Kostendeckung aus, die wegen der gestiegenen Baukosten aber nicht zu realisieren sei. Die Ausschreibung habe kein einziges Angebot hervorgebracht: "Offenbar lässt sich das Gebäude im vorgegebenen Rahmen nicht wirtschaftlich bauen", so Siedler. Temmen machte auch das überlange Verfahren für das Scheitern des Projektes verantwortlich. Er bezifferte die bereits für Planungsleistungen und die Vorbereitung der Ausschreibung verursachten Kosten auf 200 000 Euro, die nun abgeschrieben werden müssten.

Laut Siedler haben sich bei wöchentlich nur noch zehn im Landkreis ankommenden Flüchtlingen aber auch die Bedarfe geändert, "unser Fokus liegt inzwischen auf der Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen, die aus rechtlichen Gründen in der Anlage nicht hätten wohnen dürfen". as

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