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Lehrer, die die Garage der Kronthal-Schule in Kronberg nutzen wollen, sollen möglicherweise demnächst zur Kasse gebeten werden. Der Kreis prüft das entsprechend eines Beschlusses aus dem Jahr 2012. Eigentlich sollte die Bezahlschranke schon von morgen an gelten. Dieses Vorhaben hat der Kreis jetzt allerdings erst einmal auf Eis gelegt.

Neueinführung an Kronthal-Schule

Parkgebühren an Schulen - Kreis bittet Lehrer zur Kasse

An der Kronthal-Schule in Kronberg sollen Lehrer schon bald fürs Parken zahlen. Das sorgt für Kritik, ist aber an vielen Schulen im Kreis bereits üblich. 

Kronberg/Hochtaunuskreis –Lehrerparkplatz - das Wort hat so etwas, das jeden Erwachsenen an seine eigene Schulzeit erinnert. Und auch daran, dass man pünktlich in der Schule zu sein hat, denn die Lehrer sind's ja auch. Auch an der Kronthal-Schule in Kronberg. 16 Lehrer sowie ein evangelischer Pfarrer und eine religionspädagogische Kraft, zudem Lehramtsanwärter und U-Plus-Kräfte (Unterrichtsgarantiekräfte) kümmern sich um rund 280 Grundschüler. Hinzu kommen die pädagogischen Kräfte der Nachmittagsbetreuung. Für sie stehen in der 2009 neu gebauten Schule rund 30 Tiefgaragenplätze zur Verfügung. Bislang, muss man sagen, denn künftig sollen diese Plätze bewirtschaftet, sprich, kostenpflichtig sein.

Stichtag sollte eigentlich der morgige Freitag sein. Von diesem Tag an sollte die Zufahrt "nur noch mit einem gesonderten Schlüssel möglich" sein. Den es nur geben sollte, wenn die Lehrer einen Mietvertrag für einen Stellplatz abgeschlossen haben. 35 Euro im Monat - die Summe orientiert sich laut dem Schulträger, also dem Hochtaunuskreis - an den Marktpreisen öffentlicher Parkhäuser - sollten dafür fällig sein. Und das sorgte für Unmut.

"Wir wurden im Herbst vergangen Jahres seitens des Kreises darüber informiert, dass künftig das Parken in der Schulgarage nicht mehr kostenlos möglich sei", sagt eine Lehrerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Hintergrund sei ein Beschluss des Kreisausschusses des Hochtaunuskreises bereits vom 17. April 2012.

Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es aus der Pressestelle des Hochtaunuskreises: "Der Kreis prüft derzeit an allen seinen Schulen, ob eine Parkraumbewirtschaftung dort sinnvoll ist. Es gibt einen Kreistagsbeschluss - im Sinne der Haushaltskonsolidierung - der nach und nach umgesetzt werden soll und im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Schulen gilt."

Parken kostet für Lehrer in Kronberg: Wettbewerbsnachteil für die Schulen

Das versteht man zwar an der Kronthal-Schule, allerdings fühlen sich die Lehrer und Betreuer zum einen nicht ausreichend informiert, die Beantwortung ihrer Fragen sei "auf die lange Bank geschoben" worden, zum anderen weisen sie darauf hin, dass das kostenpflichtige Parken vor allem zum Nachteil der Wettbewerbsfähigkeit der Schule gereiche. "Wir haben viele Aushilfslehrer, sogenannte U-Plus-Kräfte, die der Unterrichtsgarantie dienen, die nur für eine bestimmte Stundenanzahl zur Schule kommen. Im Umkreis finden sie kaum Parkmöglichkeiten. Wenn sie jetzt hier an der Schule ihr Auto auch nicht mehr abstellen können, ohne den Stellplatz gleich monatlich zu mieten, werden sie künftig vermutlich nicht mehr bei uns, sondern lieber an anderen Schulen eingesetzt werden wollen, wo sie kostenlos parken", sagt die Lehrerin.

Die Pressestelle des Kreises nimmt auch dazu Stellung und sagt: "Wir verstehen, dass dies auf Unmut stößt. Allerdings machen wir auch in anderen Liegenschaften keine Unterschiede, ob jemand in Teilzeit- oder in Vollzeit einen Parkplatz nutzt." Und das Argument der Kronthal-Schule-Lehrer, dass alle anderen Schulen im Kreis kostenfreie Lehrerparkplätze anböten, das sei tatsächlich auch nicht ganz richtig. Zwar gibt es noch keine kostenpflichtigen Lehrerparkplätze an den Grundschulen des Kreises: Aber am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg, der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf und dem Gymnasium Oberursel gibt's bereits seit Jahren eine Parkraumbewirtschaftung der dortigen Garagen.

An diesen Schulen habe man auch bereits gute Erfahrungswerte erzielt: "Beim Gymnasium Oberursel ist die sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hilfreich, bei der PRS gibt es einen Parkautomaten, man kann dort also auch nur drei Stunden parken, und rund um das KFG herrscht in der Regel kein Parkraummangel im öffentlichen Raum."

Natürlich sind auch die Zahlen ganz ordentlich: Für die Überlassung der Stellplatzanlagen konnte der Kreis nämlich auch Erträge erzielen, die im Haushalt Niederschlag fanden: Am Gymnasium Oberursel etwa gab's 2018 rund 8500 Euro Einnahmen, am KFG rund 6500 Euro, an der PRS rund 38 500 Euro.

Kronberg: Parkgebühr an Schule – Überprüfung aller Standorte im Kreis

Mit solchen Summen kalkuliert man natürlich nicht für die Kronthal-Schule - da wird moderat von 5000 Euro an Einnahmen für 2020 ausgegangen. Gleichwohl ist es gut möglich, dass die in diesem Jahr nun gar nicht kommen.

Denn "der Parkgebührenstart wird nun verschoben", nachdem, wie es aus der Pressestelle des Hochtaunuskreises heißt, "für den Personalrat noch einige Punkte unklar sind". Im Klartext: Die Lehrerparkplätze an der Kronthal-Schule bleiben vorerst gebührenfrei. Es wird keine Schranke eingezogen.

Abgesehen davon werde derzeit ohnehin besonders geprüft, ob eine Parkraumbewirtschaftung überhaupt auch an allen Grundschulen machbar und sinnvoll sei. Es gehe vor allem darum, "ob ein Parkraum an einer Schule auch technisch machbar verschlossen werden kann". Heißt übersetzt: Dort, wo es Tiefgaragen gibt, kann man vermutlich leichter ein Gebührensystem über eine Schranke installieren als bei Stellplätzen am Straßenrand. So ganz vom Tisch ist die Sache in Kronberg also nicht .

Jens Priedemuth und Sabine Münstermann

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