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Kunstlehrer Thomas Böhm mit der Figur von Atalante im Schulgarten.

Kunst auf Straßen und Plätzen

Kronberg: Mehr als nur "spielende Kinder" im Schulgarten

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Schüler der Altkönigschule haben die Geschichten hinter den Skulpturen im öffentlichen Raum recherchiert und eingesprochen. Der Audioguide ist jetzt online.

Kronberg -Kunst in Kronberg hat eine lange Tradition. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts formierte sich hier eine Künstlerkolonie. Kunstwerke der Maler Heinrich Winter, Anton Burger oder Philipp Rumpf sind dem Publikum im Museum Malerkolonie zugänglich.

"Geht man in die Vergangenheit zurück, erkennt man, dass Kunst in Kronberg schon lange einen Stellenwert hat", erklärt Thomas Böhm. Er ist Kunst- und Erdkundelehrer an der Altkönigschule. Auch im öffentlichen Raum Kronbergs befänden sich viele eindrucksvolle Kunstobjekte und Skulpturen. "Doch viel zu oft läuft man an ihnen vorbei, ohne sie zu bemerken oder über die Geschichte dahinter im Bild zu sein."

Mit seiner Kollegin Alexandra Reiß und 17 engagierten Oberstufenschülern hat Böhm bei einer Schulprojektwoche Abhilfe geschaffen. Zu dem Projekt gehörte auch die Besichtigung verschiedener Orte, an denen sich Skulpturen befinden: im Victoriapark, dem Schulgarten oder der Schirn. Claus Habers, Vorsitzender des Geschichtsvereins, führte die Gruppe durch die Stadt. Die Schüler recherchierten in zugänglichen Quelen und verfassten Texte, die sie dann für einen Audioguide einsprachen. Auf der Homepage der Stadt Kronberg sind jetzt die ausführlichen Informationen zum Anhören und Nachlesen eingestellt.

Schon öfter haben sich Thomas Böhm und seine Schüler mit Kronberg befasst und die Räume der Schule verlassen, um den Stadtraum zu betreten. So wurden beispielsweise Kunstwerke der Schüler in Räumen der Burg ausgestellt.

Den Blick für Skulpturen schärfen

Thomas Böhm kam im Schulgarten am Berliner Platz auf die "lohnenswerte Idee, den Blick auf die hier stehenden Skulpturen zu intensivieren". In der Parkanlage, am angrenzenden Berliner Platz und in der Altstadt finden sich Kunstobjekte. Doch die Informationstafeln verschaffen nur einen ersten Einblick. Wer jedoch mehr erfahren möchte, musste in der Vergangenheit eigene Nachforschungen starten, erläutert Böhm.

Eine Woche lang spürten Böhm, Geschichts-, Politik und Wissenschaftslehrerin Alexandra Reiß und allen voran die Schüler, den Geschichten hinter den Skulpturen nach. Nach der Projektwoche wurde alles zu einem großen Ganzen zusammengefügt. Neben Texten, Fotos, Grafiken und einer Karte, die die Standpunkte der Skulpturen zeigt, sprachen die Schüler Informationstexte via Smartphone ein, die nun der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Die Stadt unterstützte des Projekt durch Zuarbeit.

"Es kann nicht sein, dass wir so viele schöne Kunstobjekte in Kronberg haben, die wie hier ,als spielende Kinder' trivialisiert werden", erklärt Böhm und zeigt auf zwei Eisenplastiken im Schulgarten. Die als "spielende Kinder" im Volksmund bekannten Figuren seien Gestalten der griechischen Mythologie. "Sie geben das Wettrennen der Atalante gegen Hippomenes wieder", so Böhm. Sie sind unter den insgesamt neun Skulpturen, deren Historie auf der Homepage der Stadt gehört werden können.

"Die Figuren sind Repliken der Originale aus Marmor, die im Louvre zu finden sind und für Ludwig XIV gefertigt wurden", weiß Thomas Böhm. Dass Atalante zunächst von ihrem Vater verstoßen wurde, im Wald bei Jägern aufwuchs und dann Hippomenes heiraten sollte, erfährt man per Audiohilfe. Auch die List, mit der sie versuchte, dem Bund der Ehe zu entfliehen, entnimmt man den Aufnahmen. Die Infos sind auch Textform zugänglich. Fotos und von der Schülerin Sofia Florusse gefertigte Skizzen, ergänzen die Informationen.

So kann man auch erfahren, wem der im Schulgarten überdimensioniert gefertigte Bronzekopf nachempfunden ist. Der bekannte russische Cellist, Dirigent, Pianist und Humanist Mstislav Rostropovich wird hier dargestellt. Er ist der Gründer der "Rostropovich Cello Foundation". Bis zu seinem Tod 2007 gehörte er dem Beirat der Kronberg Academy an. Die Stiftung wird heute von der Kronberg Academy verwaltet und betreut.

Die Infos finden sich auf der Internetseite kronberg.de unter den Menüpunkten Tourismus/Audioguide. Von Esther Fuchs

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