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Abschied von Flusspferd Max

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Von: Boris Schöppner

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Der Container  über dem Philosophenweg.
Der Container über dem Philosophenweg. © Boris Schoeppner

Gestern reiste Flusspferd Max von Kronberg nach Hannover. Bis der Opel-Zoo wieder Flusspferde hält, werden einige Jahre ins Land ziehen.

Den wenigen Spaziergängern bot sich am Donnerstagmorgen auf dem Philosophenweg ein seltener Anblick: Ein riesiger Kran hievt einen grünen Transportcontainer über die Büsche, dann lässt er die Fracht vorsichtig über dem Anhänger nieder, der an einer potenten Zugmaschine hängt. Tierpfleger und andere Mitarbeiter des Opel-Zoos bringen mit Hilfe von Tauen, am Schluss mit purer Muskelkraft, den grünen Container in die exakte Position, die zulässt, dass er gesichert werden kann.

Zoo-Tierärztin Dr. Uta Westerhüs ist erleichtert. Die erste Etappe der Reise, das Verladen, ist ohne Komplikationen über die Bühne gegangen. „Das lief hundertprozentig super“, findet die Tierärztin. Sie hatte Flusspferd Max noch nicht einmal ein Beruhigungsmittel geben müssen. „Der war ganz entspannt.“ Aufgabe sei es, den Transport für das Tier so angenehm wie möglich zu machen. „Die größte Befürchtung war, dass er nicht in den Transportcontainer reingeht“, sagt Dr. Westerhüs.

Problemlos in die Kiste

Diese Sorge war aber schon am Mittwochabend obsolet: Max ging binnen kürzester Zeit in die bereitgestellte Transportbox. Natürlich war dafür ein bisschen getrickst worden, wie Margarete Herrmann, Pressesprecherin des Opel-Zoos, auf Nachfrage verrät. Das Flusspferd war vorher beim Fressen etwas kürzer gehalten worden, so dass Max das Nahrungsangebot im Container neugierig in Augenschein nahm. Zudem war der Container mit Heu ausgelegt worden, und Kot sorgte für vertrautes Aroma. Maximal zehn Minuten habe es gedauert, bis Max im Container war. „Für Nahrung macht Max alles“, kommentierte Herrmann lakonisch, während sie auf das leere Becken von Max blickt. Das von Tana steht schon länger leer. Die alte Dame war 2014 gestorben.

Derweil öffnet Tiertransporteur Roy Smith, der vor zwei Jahren Elefant Tamo von Wuppertal nach Kronberg gebracht hat, eine Tür und schiebt einen Sack Mohrrüben in den Container. Reiseproviant für Max. Der 19 Jahre alte Flusspferdbulle soll nach Hannover. Die Fahrt über die Kasseler Berge wird voraussichtlich fünf Stunden dauern. „Er wird nicht viel essen, dafür ist er zu angespannt“, sagt Smith. Bei aller äußeren Ruhe war dem Flusspferd anzumerken, dass es spürt, hier läuft etwas anders als sonst. Vier weibliche Tiere warten auf Max in der neuen Heimat.

Erfrischungspause

„Dort ist er in guten Händen“, sagt Zoodirektor Dr. Thomas Kauffels, „die Kollegen sind erfahren in der Flusspferdhaltung.“ Zooinspektor Jörg Beckmann wird Max auf seiner Reise nach Hannover begleiten. Eine Pause ist vorgesehen, um zu schauen, ob es Max gut geht. Außerdem soll er natürlich etwas zu trinken bekommen, sein massiger Körper wird dann wieder – wie kurz vor der Abfahrt – mit Wasser besprenkelt. „Dann fühlt er sich wohl“, erklärt Beckmann. Der Zooinspektor möchte auf jeden Fall einen Plastikeimer zum Füttern mitnehmen, da Max das Geräusch kenne. Wer weiß, ob die Kollegen in Hannover vielleicht nur Blecheimer im Einsatz haben.

Die alte Nilpferdanlage wird geschlossen. Eine Zeit lang werden die Zoobesucher auf den Anblick der beliebten Tiere verzichten müssen. Bevor es hier wieder Flusspferde zu sehen gibt, muss erst eine neue Anlage gebaut werden. Dafür braucht es ein Konzept und eine Finanzierung. „In unserer Zoozielplanung ist die Haltung weiter vorgesehen, aber den Neubau einer Flusspferdanlage können wir erst realisieren, wenn wir die Finanzierung der Anlage Afrika Savanne und der Elefantenanlage verkraftet haben – und das wird noch einige Jahre dauern“, so Kauffels.

Derweil wird man auf Zuchterfolge in Hannover hoffen. Nicht zuletzt, damit eines Tages ein Nachfahre von Max in den Opel-Zoo ziehen kann. Gegen 16 Uhr meldete gestern der Zoo Hannover, dass Max angekommen sei.

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