Academy: Zahlen realistisch?

  • schließen

Bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung wurde ausgiebig darüber diskutiert, wer die Zahlen der Kronberg Academy zur Rentabilität des Kammermusiksaals prüfen soll. Nun wird der Magistrat einen kritischen Blick in das umfangreiche Zahlenwerk werfen.

Was passiert, wenn das Projekt Kammermusiksaal scheitert? Und: Geht die Stadt das überhaupt etwas an? Diese beiden Fragen standen im Mittelpunkt der Debatte über den Antrag der schwarz-roten Koalition „Betreiberkonzept Kammermusiksaal“. Darin heißt es: „Der Magistrat wird beauftragt, die von der Kronberg Academy vorgelegten Zahlen zum Betrieb des Kammermusiksaals und des Studien- und Verwaltungszentrums darauf zu überprüfen, ob die Ansätze der Bewirtschaftungs- und Instandhaltungskosten unter Berücksichtigung der maßgeblichen Nutzflächen nachvollziehbar, realistisch und nachhaltig ist.

Weiterhin ist zu prüfen, ob die Vermietbarkeit des Saals, wie von den Vertretern der Academy dargestellt, realistisch ist.“

Das Ergebnis soll in einer schriftlichen Stellungnahme vorgelegt werden. Der Antrag geht auf ein Angebot der Academy zurück, die ihr Konzept den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses in einer nicht öffentlichen Sitzung vorgestellt hatte.

Als es Nachfragen gab, boten die Academy-Vertreter den Stadtverordneten an, die Aktenordner in der Receptur durchzuschauen. Die Koalition möchte indes, dass die Fachleute der Verwaltung damit beauftragt werden, die Zahlen zu überprüfen.

Thorsten Keller von den Grünen hält es für „ganz wichtig, die Zahlen der Academy zu überprüfen“. Denn: „Der Kammermusiksaal kann ein Aushängeschild für Kronberg werden.“ Und zwar in positiver wie auch in negativer Hinsicht, schließlich hänge die Stadt „doch irgendwie mit drin“, findet Keller – auch wenn keine städtischen Mittel verwendet würden. Gehe das Hotel pleite, fände sich vermutlich ein anderer Betreiber.

Doch gibt Keller zu bedenken: „Wenn sich der Kammermusiksaal aber nicht rentiert, wird sich kein anderer Betreiber finden.“ Wäre dann nicht doch die Stadt gefragt, schließlich wolle niemand an dieser exponierten Stelle ein Gebäude verfallen lassen.

Der Grüne betonte, die Verantwortung der Stadtverordneten, ein großes und komplexes Vorhaben zu bewerten. Die notwendigen Zahlen vorzulegen, da sieht Keller eine Bringschuld bei der Academy und keine Holschuld der Stadtverordneten.

Davon, dem Magistrat jetzt den Auftrag zur Zahlenprüfung zu übertragen, hält der Grüne gar nichts, auch wenn es für die Koalition „wunderbar“ wäre, „und zwar gerade dann, wenn sie sich nicht traut, selbst zu entscheiden. Wenn sie zu feige ist, die Verantwortung für die Entscheidung zu tragen“.

Den Vorwurf der Feigheit wollte die Koalition nicht auf sich sitzen lassen, schon allein deshalb nicht, um in der Nacht noch gut schlafen zu können, wie CDU-Fraktionsvize Reinhard Bardtke es formulierte.

Und SPD-Fraktionschef Christoph König machte deutlich, dass die Koalition weder einen möglichen Sündenbock suche noch nach Gründen für die Ablehnung des Projektes selbst. Damit griff König den Einleitungssatz Kellers auf, die Koalition teile scheinbar die Bedenken der Grünen. Vielmehr sei Anliegen der Koalition, eine solide Grundlage für die Entscheidung zu bekommen.

KfB-Fraktionschefin Dr. Heide Esen-Baur hatte noch einen anderen Vorschlag in die Diskussion eingebracht. Nach dem Gespräch mit „jemandem“ vom Hessischen Landesrechnungshof habe dieser zugesagt, er könne über die Zahlen der Academy drüber schauen, ohne dass dabei Kosten für die Stadt entstünden.

Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) hatte da so seine Zweifel, schließlich arbeite der Landesrechnungshof in der Regel nicht eine Stunde umsonst. Und SPD-Mann König strich die Zuständigkeiten des Rechnungshofes heraus (die er mit seinem neuen TabletComputer während der Sitzung recherchiert hatte), zu denen eine solche Prüfung im Auftrag einer Stadt nicht vorkämen.

Ganz anders könne dies aber aussehen, wenn der Rechnungshof das Konzept durchrechne, weil das Land ja selbst als Geldgeber auftrete. Es sei Aufgabe der Academy, dafür zu sorgen, dass der Kammermusiksaal in der Öffentlichkeit auf Akzeptanz stoße, unterstrich König.

Oliver Schneider, Fraktionschef der UBG, vertrat die Ansicht, es sei nicht die Angelegenheit der Stadtverordneten, das Betreiberkonzept zu überprüfen („Das steht uns gar nicht zu.“)

Weder Braun noch Academy oder Fidelity hätten ihr Geschäftsmodell präsentieren müssen. So sei das nun auch mit dem Kammermusiksaal: „Wir verkaufen das Gelände an die Academy, mit dem Gebäude haben wir nichts zu tun und tragen kein Risiko.“

Noch weniger emotional argumentierte Dietrich Kube (FDP): „Das Hauptrisiko liegt im Investitionsbedarf, und der ist zum größten Teil getragen.“ Und im schlimmsten Fall, sollte sich der Konzertsaal nicht tragen, müsse das Gebäude irgendwann wieder abgerissen werden. Das Risiko in diesem Falle bezifferte der Liberale mit 500 000 Euro. Er plädierte dafür, die Stadt nicht durch die Prüfung der Zahlen in ein Obligo („und sei es nur das moralische“) zu bringen.

Dennoch bekam der Antrag der großen Koalition eine Mehrheit, während der der KfB (unterstützt von den Grünen) abgelehnt wurde. Damit war die Mehrheit der Argumentation von Karlheinz Graeber, CDU-Stadtverordneter und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses gefolgt.

Der hatte gesagt, dass er zwar den Eindruck habe, die Academy habe ihr Konzept mit den besten Beratern und mit bestem Know-how erstellt, doch müssten die Stadtverordneten ein Interesse daran haben, dass das Ganze funktioniert. Und da sei ein Blick ins Zahlenwerk hilfreich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare