Hotel in Kronberg

Ausschuss vermisst Leichtigkeit

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Die Arbeit, die die Staab-Architekten in den vergangenen Monaten an Businesshotel, Studien- und Verwaltungszentrum sowie Kammermusiksaal geleistet haben, betraf vor allem die Optimierung von Flächen und technische Aspekte. Am Erscheinungsbild hatten die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt allerdings einiges auszusetzen.

Als bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt die Darstellung des neuen Hotel-Entwurfs auf der Leinwand erschien, löste dies eine körperliche Reaktion bei einigen Stadtverordneten aus. Volker Stumm (FDP) und Dr. Heide-Margaret Esen-Baur (KfB) zuckten förmlich zurück. Eine Art Stöhnen war zu hören, ließ sich aber keiner Person zuordnen. Das Bild zeigte den neuen Fassadenentwurf aus der Perspektive, wenn man die Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt blickt. Während sich der obere Teil des geplanten Businesshotels als eine Kombination aus thermobehandeltem und witterungsresistentem Holz und Glas präsentierte, sieht sich der Passant im unteren Teil mit einem massiven, andere würden sagen wuchtigen Sockel aus Taunusquarzit konfrontiert. Das signalisiere „geschlossene Gesellschaft“, fasste Stumm sein Empfinden in Worte. Dabei hatte der Berliner Architekt Volker Staab kurz zuvor noch erklärt, wie wichtig es sei, eine stadträumliche Verbindung zwischen Bahnhof und Stadt herzustellen. Bislang fühle man sich am Bahnhof „noch nicht so richtig abgeholt“.

Das Staab-Büro hatte den Architektenwettbewerb gewonnen, bei dem es um die Gestaltung des Areals rund um das heutige Parkdeck geht. Auf dem Areal zwischen Schillergärten, Bahnhofstraße, Bahnhof und Schillerstraße sollen das Businesshotel, der Kammermusiksaal und das Studien- und Verwaltungszentrum der Kronberg Academy entstehen. Das Studienzentrum wird in den Hang der Schillergärten integriert. Ohnehin gelte: „Das Spezielle des Ortes soll aus dem Speziellen der Topographie heraus entwickelt werden“, erklärte Architekt Staab. Eine Auflockerung sollen alle drei Gebäude dadurch erfahren, dass sich der Sockelraum von der Geometrie der Gebäude selbst unterscheidet. Beim Sockel des Hotels gibt es da Nachbesserungsbedarf.

Das findet auch CDU-Stadtverordnete Claudia Gruchow: „Die Geometrie ist sehr sperrig.“ Ohnehin vermisse sie die Leichtigkeit des Wettbewerbsentwurfs. Denn in der Darstellung bei der Ausschusssitzung war der Pavillon, der den Kammermusiksaal beherbergen soll, kaum wiederzuerkennen. Aus dem einst leicht wirkenden Dach war eine schwere Haube geworden, die drohte, das Gebäude zu erdrücken. Dabei war es doch diese „pfiffige Leichtigkeit“, in die sich der Liberale Stumm verliebt hatte.

Das sei ein Probleme der Visualisierung, räumte Staab ein. Mit der sei er nicht zufrieden. Offenbar wurde sie unter großem Zeitdruck erstellt. Erschwerend kam bei der Präsentation hinzu, dass die Darstellung gestaucht an die Wand projiziert wurde.

Die Arbeiten, die in den vergangenen Monaten geleistet worden seien, haben technische und organisatorische Fragen berührt, so seien etwa die Geschosse des Hotels besser organisiert worden (künftig wird das Hotel 108 Zimmer haben und nicht mehr 94 wie im Siegerentwurf. Das Hotel werde fünf Prozent mehr Fläche haben, ansonsten reduzieren sich die Bauflächen um 15 bis 20 Prozent. Auch die Stellplätze in der Tiefgarage werden weniger: 123 statt 131 sollen es werden (siehe Artikel zur Verkehrsuntersuchung).

Gerne hätte die Taunus Zeitung an dieser Stelle einen Schnitt durch Gelände und Kammermusiksaal präsentiert, doch Daniel Rinck vom Projektentwickler Contraco teilte auf Anfrage mit, dass die Grafik zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Veröffentlichung zur Verfügung stünde. Das bestätigte Raimund Trenkler von der Academy. Es sei ja lediglich ein Zwischenentwurf.

Das ist schade, denn sonst hätten die Leser einen Eindruck von dem aus Gründen der Akustik mittlerweile als rechteckig konzipierten Kammermusiksaal erhalten können, der einmal komplett vom Foyer umlaufen wird. Die Fensterfront ermöglicht eine Sichtbeziehung zum Victoriapark.

Udo Keil (Grüne) und Ausschussvorsitzender Max-Werner Kahl (CDU) wollten wissen, aus welchem Material das Dach sein wird. Staab schwebt ein silbrig-schimmerndes leicht reflektierendes Metall vor.

Die Stadtverordneten hoffen, dass sie bis zur nächsten Sitzungsrunde eine überarbeitete Darstellung der Pläne für Kammermusiksaal und Hotel vorliegen haben. Ob die dem Projekt zustimmen werden oder nicht, hängt zudem von dem Finanzierungskonzept des Konzertsaals ab. Die Kalkulation will Trenkler ebenfalls in der nächsten Sitzungsrunde präsentieren.

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