Bäppi La Belle trat am Sonntag in den Kronberger Lichtspielen auf.
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Bäppi La Belle trat am Sonntag in den Kronberger Lichtspielen auf.

Kronberger Kino

Bäppi beschenkt die Genossen

  • vonAlexander Schneider
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Dialekt ist die Sprache der Seele, sagte mal einer, der sich damit auskennt. Es könnte Bäppi La Belle gewesen sein. Der nämlich hat’s richtig „druff“ ...

Als Gott die Dialekte vergab, den Bayern das Bayerische, den Sachsen das Sächsische und den Hamburgern das Nordeutsche ins Stammbuch schrieb, gingen die Hessen leer aus. Was sie erst grämte, dann aber stolz machte. Der Herr nämlich erkannte seinen Lapsus und tröstete: „Ärjert euch net, schwätzt halt wie isch ...“ Bäppi La Belle war der, der damals „Un’, Vadder, was is’ mit uns ...?“ gefragt hat. Jedenfalls scheint dem Kult-Comedian das Hessische auf den Leib geschrieben. Und bekanntlich ist da viel Platz.

Am Sonntag konnte sich die Kronberger Sozialdemokratie im Saal der „Kronberger Lichtspiele“ davon überzeugen, welch göttliches Kommunikationsmittel das Hessische ist. Wobei – die eine oder andere 10-Cent-Münze fiel mit Verzögerung. Mäscht awwer nix, besser spät gelacht als gar net ...

Die Genossen hatten Ort, Anlass und Bühnenpersonal am Schopf gefasst und weder Kosten noch Mühen sparend mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Einesteils wollte man Altbürgermeister Wilhelm Kreß, Ex-Stadtrat Günter Budelski und Parlamentsurgestein Peter Stuckenschmidt für ihr politisches Lebenswerk ehren, andernteils mit einem Paukenschlag auf das Bemühen hinweisen, Kronberg in der rhein-mainischen Kulturszene den Platz zurückerobern, auf den es nunmal gehöre.

Das war erst der Anfang

„Da kommt noch mehr, wartet’s ab“, machte Moderator Thomas Maurer das in roten Fauteuils lehnende und in der Wolle rot gefärbte Auditorium darauf aufmerksam, dass es sich bei der Verpflichtung von Bäppi um eine Kick-off-Veranstaltung handelte. Wenngleich Kick-off nicht in dessen Wortschatz gehört, bei ihm heißt das „Ufftaktveranstaldung“.

Angesichts der drei politischen Schwergewichte in der ersten Reihe fühlte sich Bäppi in seiner eigenen Gewichtsklasse auf Augenhöhe. Fein- und hintersinnig, subtil und auch mal platt babbelte er gegen den Zeitgeist an.

Wie er Nostalgie und Gegenwart miteinander verwob, macht ihm so schnell keiner nach. Von seiner wegen des Dahinscheidens von Winnetou Rotz und Wasser flennenden Schwester („Als neulich de Rik Battaglia gestorbe is, hat die noch gefeiert, un, jetzt sin se beide dot, so schnell geht’s.“) kam er auf seine nicht gerade geradlinige Beziehung zur Fassenacht („Mein Vadder hat mich immer mitgeschleppt, des war Körperverletzung!“) zu sprechen. Und auf die moderne Kindererziehung, die sich darin zeige, dass „Gucci-Muddis“ im Café die Kinderwagen zu Wagenburgen („Wie damals beim Schatz im Silbersee.“) zusammenfahren und zuschauen, „wie die Bälsch den ganze Lade ausenannernemme“.

Die Art und Weise, wie Bäppi sich vom Hölzchen aufs Stöckchen schwingend immer wieder selbst ins Wort fällt, ist ebenso großes Kino wie sein Talent, „Heinz und Heinz“ – die Herren Erhardt und Schenk, Zeitgenossen seiner Jugend – zu geben.

Erst habe er den „Blauen Bock“ ja artig über sich ergehen lassen („Als Kinner musste mer des gucke.“), dann aber geriet er nuschelnd so ins Schwärmen über dieses legendäre Stück Bembelkultur, dass sich das Publikum reich „be-schenkt“ fühlen musste.

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