Am Bahnhofsareal geht es ein Stückchen weiter

  • VonBoris Schöppner
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Die Mehrheit der Stadtverordneten hat sich für die Aufstellung der B-Pläne für die Schillergärten und das Gleis 3 ausgesprochen.

Endlich setzt sich die Lokomotive in Bewegung. So sieht es zumindest Max-Werner Kahl, CDU-Stadtverordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt, am Tag nach den Beschlüssen im Stadtparlament. Mit großer Mehrheit haben sich die Stadtverordneten dafür ausgesprochen, Bebauungspläne für die Baufelder V (Gleis 3) und VI (Schillergärten) am Bahnhof aufstellen zu lassen. Zudem hat die große Koalition ihren Antrag durchbekommen, der Magistrat solle ein Konzept zur Durchführung einer moderierten Planungswerkstatt oder einer ähnlichen Form der Bürgerbeteiligung für diese beiden Baufelder erstellen.

Dieser Antrag wurde von der Opposition teils in scharfer Form kritisiert. Die Bürgerbeteiligung komme zu spät und dann auch noch halbherzig, kritisierte Grünen-Fraktionsvize Udo Keil und warf der Koalition vor, sie habe angesichts des Kommunalwahltermins am 6. März 2016 „kalte Füße“ bekommen. Die Bürger dürften mitreden, aber entscheiden dürften sie nichts. Oliver Schneider (UBG) nannte den Antrag der Koalition eine „Mogelpackung“ und eine „Farce“, Dr. Heide Esen-Baur (KfB) sprach von „Augenwischerei“ und einer „Alibi-Veranstaltung“ und Dietrich Kube (FDP) von einer „Legitimations- und Feigenblattveranstaltung“.

Wolfgang Haas, Fraktionsvize der SPD, musste einräumen, dass so ein Antrag „idealerweise zu einem anderen Zeitpunkt“ gestellt würde, gleichzeitig machte er aber deutlich, dass es innerhalb des Rahmens Möglichkeiten gebe, etwas zu gestalten. Die Opposition hatte sich nicht zuletzt an der Formulierung gestört, das Verfahren sei so zu gestalten, dass das förmliche Verfahren, das das Baugesetzbuch vorsieht, nicht verzögert werde. Zudem wurde am selben Abend bereits entschieden, dass auf dem Areal 7300 Quadratmeter Bruttogeschossfläche im Geschosswohnungsbau entstehen soll (60 Wohneinheiten). Davon sollen 40 Prozent Eigentumswohnungen werden. Der Anteil der geförderten Wohnungen soll 40 Prozent betragen.

Ohnehin betonten die meisten Redner die soziale Verantwortung der Stadt und plädierten für Geschosswohnungsbau in diesem Bereich. Damit bezogen sie Position gegen einen Brief von 21 Kronberger Bürger, die sich für den Bau von Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften ausgesprochen und gefordert hatten, die Stadt solle sich überlegen, welche Zielgruppe sie ansprechen wolle, um die Einnahmesituation der Kommune zu verbessern.

Kontroverse Diskussion

War beim Gleis 3 noch überwiegend ein gemeinsamer politischer Wille im Stadtparlament zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erkennbar, geriet die Diskussion um die Bebauung der Schillergärten weitaus kontroverser. Dort möchte der neue Besitzer, die Wilma Wohnen Süd GmbH, 33 hochpreisige Eigentumswohnungen errichten. Dass dies kein Beitrag zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist, war vermutlich Konsens. Die SPD hatte ein Junktim zwischen beiden Anträgen zu den B-Plänen durchgesetzt und den Anteil der geförderten Wohnungen am Gleis 3 von 30 auf 40 Prozent erhöht.

FDP-Mann Kube und Schneider (UBG) kritisierten vor allem, dass es an den Schillergärten schneller vorangehen werde als am Gleis 3. Ihnen wäre die Reihenfolge erst Hotel und Kammermusiksaal, dann Gleis 3 und schließlich Schillergärten deutlich lieber gewesen. Doch SPD-Fraktionschef Christoph König wies darauf hin, dass im Gegensatz zu früher jetzt ein Besitzer da sei, der bauen wolle (und vermutlich auch ohne B-Plan bauen könne, da die Schillergärten seit 1965 im Flächennutzungsplan als Bauland ausgewiesen sei). Dr. Heide Esen-Baur (KfB) lehnt eine Bebauung ähnlich wie die Grünen grundsätzlich ab – zumindest aber zum jetzigen Zeitpunkt. Auch innerhalb der schwarz-roten Koalition gibt es Mandatsträger, die die Wilma-Pläne kritisch sehen. Deshalb wurde der Antrag um Beschränkungen für das Baumaß und Vorgaben für die Gestaltung ergänzt.

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