125 Jahre Kaiserin-Friedrich-Brücke

Brücke in Kronberg: Die steinerne Jubilarin bröckelt

Im Volksmund wird sie Kaiserin-Friedrich-Brücke genannt. Gemeint ist die Brücke, die den Heidetränkbach etwas oberhalb der Hohe Mark überwölbt, um den von Kronberg kommenden Kaiserin-Friedrich-Weg in die Kanonenstraße münden zu lassen. Vor 125 Jahren, am 31. Oktober 1891, war sie nach rund 4 Monaten Bauzeit fertiggestellt.

Eine steinerne Brücke mit Wappen und allem Drum und Dran mitten im Wald zwischen Kronberg und Bad Homburg – das baut man nicht eben mal so. Das ist heute so und das war vor 125 Jahren nicht anders. Es war wie so oft damals keine Geringere als die baufreudige Kaiserin Friedrich, die den Anstoß zum Brückenbau gab.

Doch ließ die „Hohe Dame“, wie sie gerne ehrfurchtsvoll tituliert wurde, dieses Bauwerk nicht aus einer Laune heraus errichten, sondern dahinter stand ein ganz pragmatischer Grund. Diesem ist Bernd Ochs mittels intensiver Recherchen nachgegangen, deren Ergebnisse er im Jahr 2010 im Heft 48 der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Oberursel veröffentlichte.

Bekanntermaßen hatte die Witwe des „99-Tage-Kaisers“ Friedrich III. 1888 die Villa Schönbusch am Rand von Kronberg erworben, um an deren Stelle bis Ende 1894 Schloss Friedrichshof als ihren künftigen Witwensitz erbauen zu lassen. Während der rund fünfjährigen Bauphase wohnte sie häufig im Homburger Schloss, das dem preußischen Königshaus seit 1866 als Sommerresidenz diente. Von Homburg aus fuhr die Kaiserin Friedrich sehr häufig per Kutsche nach Kronberg, um den Fortgang der Bauarbeiten zu kontrollieren. Eine Fahrt, die damals sehr viel länger gewesen sein dürfte als heutzutage, da die B 455 die Strecke zum Katzensprung verkürzt.

Laut Ochs soll die Ex-Monarchin denn auch bereits 1889 den Wunsch nach einem direkten Fahrweg durch den Wald nach Schloss Friedrichshof geäußert haben – samt Überbrückung des Heidetränkebachs im Gemeindewald von Oberstedten.

Dieser aristokratische Wunsch war den entsprechenden Beamten selbstverständlich Befehl, und so machte sich sogleich der Königliche Oberförster Freiherr von Huene in Homburg an die Arbeit, indem er mit den betreffenden Gemeinden in Kontakt trat, denen der Wald gehörte, durch den der neue Fahrweg – der heutige „Kaiserin-Friedrich-Weg“ – führen sollte.

Mit dem Bau der neuen Brücke über den Heidetränkebach wurde das Oberurseler Bauunternehmen Josef Anton Kunz beauftragt, das bereits am Bau von Schloss Friedrichshof beteiligt war. Die technische Bauleitung oblag dem bekannten Architekten Louis Jacobi aus Homburg, der mit dem preußischen Königshaus schon länger in engem Kontakt stand.

Da Josef Kunz jedoch Anfang 1890 verstorben war und noch einige Planungsänderungen an der Brücke durchzuführen waren, begannen die eigentlichen Bauarbeiten erst im Juli 1891. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 5500 Mark.

Ochs konnte den erhalten gebliebenen Notizen von Jacobi entnehmen, dass am 20. Juli die Mauerarbeiten starteten, die am 22. September beendet waren. Es folgten noch einige Feinarbeiten an der Brücke, bevor am 11. Oktober Jacobi die Brücke mit der Kaiserin besichtigte – quasi die Endabnahme. Bis zum 31. Oktober musste dann noch der Damm angeschüttet werden, bevor das Brückenbauwerk seiner eigentlichen Bestimmung übergeben werden konnte. Ochs beschreibt den Übergang in seinem Aufsatz folgendermaßen: „Bei der Brücke handelt es sich um eine mit Bruchsteinen gemauerte Tonnengewölbebrücke mit Flügelmauern. (…). Im Scheitelpunkt des Brückengewölbes sitzt bachabwärts ein trapezförmiger Sandstein von ca. 60 cm Höhe, aus dem die deutsche Kaiserkrone und die Initialen F und V für Friedrich und Victoria herausgemeißelt sind. Bachaufwärts ist ein gleich großer Stein mit der Jahreszahl 1891 eingelassen. Die Schlusssteine stammen von dem Homburger Hofbildhauer Jacob May.“

Nach Victorias Tod im Jahr 1901 ging man mit der Brücke nicht mehr sehr pfleglich um. So fand Ochs heraus, dass schon Landgräfin Margarethe von Hessen als Erbin von Schloss Friedrichshof es zunächst ablehnte, für den Unterhalt des Bauwerks weiter aufzukommen. 1905 einigten sich dann aber die Schlossverwaltung von Friedrichshof mit den Gemeinden Kronberg und Eschborn sowie dem damaligen Obertaunuskreis auf eine gemeinsame Instandhaltung.

Später erhielt der Kaiserin-Friedrich-Weg den Status einer Landstraße zweiter Ordnung. Jetzt war das Landesstraßenbauamt Idstein für den Weg samt Brücke verantwortlich. Dieser wurde vor allem zum Abtransport von Holz genutzt, um dann 1961 den Status einer Landstraße zu verlieren.

1989 wurde die Brücke zwar noch als Kulturdenkmal in die Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Hessen aufgenommen, aber das verhinderte nicht ihren weiteren Verfall, so dass sie sich aktuell in einem sehr desolaten Zustand befindet. Ein wackeliges Holzgeländer ersetzt längst die einst stabilen Brüstungsmauern und teilweise sind Bruchsteine aus dem Mauerwerk herausgefallen.

Der heutige Besitzer ist laut Ochs die Stadt Frankfurt am Main, nachdem sie zuvor dem Zweckverband „Hohemarkverband“ gehört hatte. Allerdings fühlt man sich auch im fernen „Mainhattan“ der kleinen Brücke im Taunus nicht eben verbunden.

Nachdem die TZ zuletzt 2014 auf den bedauerlichen Zustand des Denkmals hingewiesen hatte, schien zumindest etwas Bewegung in die Sache zu kommen. Von der Erstellung eines Maßnahmenkatalogs war damals die Rede, vom Einklinken des Landesdenkmalamtes und von geschätzten Kosten von 53 000 Euro. Aber das ist auch schon wieder zwei Jahre her. Getan hat sich nichts, zumindest nichts Sichtbares.

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