Flammen lodern in einem Waldgebiet in der Region Var in Südfrankreich.
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Flammen lodern in einem Waldgebiet in der Region Var in Südfrankreich.

Waldbrände in Südfrankreich

Camper fliehen in Kronbergs Partnerstadt Le Lavandou

  • Christiane Paiement-Gensrich
    VonChristiane Paiement-Gensrich
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Mehr als 300 Touristen müssen zwei Tage lang in Turnhalle ausharren

Kronberg/Le Lavandou -40 Meter hoch loderten die Flammen im Gebirgszug "Massiv des Maures" in Südfrankreich. Insgesamt 7100 Hektar Wald sind innerhalb einer Woche im Departement Var verbrannt, zwei Menschen kamen ums Leben. Seit Montagabend ist das Feuer endlich unter Kontrolle, wenn auch noch nicht komplett gelöscht. Kronbergs Partnerstadt Le Lavandou und ihr direktes Hinterland sind glücklicherweise verschont geblieben. So konnten dort und im Nachbarort Bormes Les Mimosas Touristen aufgenommen werden, die vor den Flammen von ihren Campingplätzen geflohen sind. Für zwei Nächte wurde so die Turnhalle Le Cosec in Le Lavandou für mehr als 300 Menschen zur Notunterkunft.

Das Feuer war am Montag voriger Woche gegen 17.45 Uhr am Rand der Autobahn A 57 in der Nähe einer Raststätte auf der Gemarkung der Gemeinde Gonfaron ausgebrochen. Die umliegenden Gemeinden wurden kurz darauf alarmiert. Der Bürgermeister von Le Lavandou, Gil Bernardi und der für Gefahrenabwehr zuständige Stadtrat Philippe Grandveaud trafen erste Vorbereitungen. Gegen 1 Uhr früh bat die Verwaltung des Departements die Stadt dann tatsächlich um Hilfe für die Touristen vom evakuierten Campingplatz Pachacaïd in La Môle.

Ein Tourist, der in der dortigen Bungalow-Anlage mit seiner Familie Urlaub gemacht hatte, hatte sich am frühen Abend noch über die ungewöhnlich gefärbten "Wolken" und den rötlichen Abendhimmel gewundert. Später rochen die Urlauber den Rauch. Um 0.30 Uhr spitzte sich die Lage zu. "Verdammt, ich glaube, wir sind in Pompeji, hier fällt Asche vom Himmel", schrieb der Mann auf Facebook. Nun ließ die Campingplatz-Verwalterin die Anlage räumen.

Rund 1200 Camper brauchten in ihren Autos zwei Stunden bis zum Sammelpunkt in Bormes Les Mimosas. Als die dortigen Turnhallen voll waren, wurden die Touristen von der Polizei weiter nach Le Lavandou geschickt.

Löschflugzeuge und 900 Feuerwehrleute

Gleich am frühen Morgen improvisierten Helfer aus Le Lavandou unter der Regie der Ersten Stadträtin Charlotte Bouvard ein Frühstück für die gestrandeten Familien, die den Rest der Nacht auf Matten auf dem Fußboden verbracht hatten. Später wurden weitere Lebensmittel, Kühlschränke und Feldbetten herangeschafft. Zwei Tage lang haben Bouvard und ihre Helfer mit Unterstützung der örtlichen Händler die geflohenen Touristen verpflegt.

In den Bergen unterdessen breiteten sich die Flammen rasend schnell aus. Wind mit Stärken von bis zu 80 Kilometer pro Stunde fachte das Feuer an. Hinzu kamen Trockenheit und Sommerhitze. Insgesamt rund 10 000 Einwohner und Urlauber mussten in Sicherheit gebracht werden. 900 Feuerwehrleute aus ganz Frankreich wurden mobilisiert, Löschflugzeuge und Löschhubschrauber waren im Einsatz. Mehrere Straßen waren tagelang gesperrt, auch um die Zufahrten für die Feuerwehrautos freizuhalten. Darunter die Straße von Bormes Les Mimosas nach Saint-Tropez.

Das Feuer gilt als eines der schlimmsten in der Region seit 20 Jahren. Wohnhäuser, Campingplätze und die Hälfte eines Naturschutzgebietes wurden verwüstet. Sogar von Weltraum-Satelliten aus war der Rauch zu erkennen.

Der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Kronberg-Le Lavandou, Alfred Helm, berichtet: "Die Feuerwehrleute in der Region haben, wegen der großen Waldbrandgefahr, im Sommer Urlaubssperre." Überall im Wald stünden Schilder mit dem Hinweis, dass Rauchen verboten sei, auch im Auto. "Und auf den Anhöhen im Hinterland Le Lavandous sind große Tanks mit Löschwasser installiert." Bei einem illegalen Grillfeuer in der trockenen Gegend reiche schon ein Windhauch, um eine Brandkatastrophe auszulösen.

Den Einsatz von Löschflugzeugen konnte Helm vor einigen Jahren selbst beobachten. "Die fliegen in die Bucht von Saint Clair und holen dort Wasser aus dem Meer", berichtet er. Keine 10 Meter seien die Flieger über der Wasseroberfläche, wenn die Maschinen das Wasser in ihre Tanks saugten. Am Mittwochabend durften die Urlauber wieder zurück auf ihren Campingplatz. Sie wurden auf dem Weg dorthin von der Polizei begleitet.

"In 70 Prozent der Fälle sind unvorsichtige Menschen am Ausbruch solcher Brände schuld", sagte ein französischer Feuerwehrsprecher. Unfassbar: Am vergangenen Sonntag hat ein 56 Jahre alter Mann in der gleichen Region am Straßenrand versucht, ein weiteres Feuer zu legen. Er wurde von Autofahrern erwischt und festgehalten, bis die Polizei kam. Ihm drohen 15 Jahre Gefängnis. Die Retter löschten das Feuer, das sich glücklicherweise noch nicht stark ausgebreitet hatte, mit Wasser aus ihren Trinkflaschen und mit Fußmatten.

Gestern blieben noch 400 Feuerwehrleute im Waldbrandgebiet. Das Wetter könnte ihnen diesmal helfen. Für den Abend waren Schauer und Gewitter angekündigt.

Von Christiane Paiement-Gensrich

Helfer verpflegen in der Sporthalle Le Cosec in Le Lavandou gestrandete Camper.
Die Sporthalle Le Cosec von Le Levandou wurde zum Nachtlager für Touristen, die sich vor den Flammen in Sicherheit gebracht hatten.

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