Neue Tradition

Cronberger Schützengesellschaft lud zum ersten hessischen Böllerschießen ein

Die Cronberger Schützengesellschaft hat gemeinsam mit den Schützen aus Eschersheim das erste hessische Böllerschießen organisiert. Viele Besucher kamen zum Spektakel in die Obere Lindenstruth. Bürger, die von der Veranstaltung nichts wussten, riefen besorgt bei der Polizei an.

Auf dem Gelände der Cronberger Schützengesellschaft ist viel los. Interessierte sind von nah und fern angereist, um beim ersten hessischen Böllerschießen dabei zu sein. Die Teilnehmer haben so ziemlich alles aufgefahren, was es zum Böllern gibt.

Es gibt Handböller, ähnlich großen holzummantelten Pistolen. Hinzu gesellen sich Schaftböller, mehrere Kilogramm schwer und in der Größe gut vierzig Zentimeter lang. Auch sie sind mit handgedrechselten Holzornamenten verziert. Ihr Lauf ist in Hochglanz poliert.

Erwähnenswert sind auch die detailreichen Trachten der verschiedenen Schützenvereine. Doch die verschiedenen Böller und Kanonen übertrumpfen alles. „24 Vereine aus ganz Deutschland beteiligen sich am Böllerschießen“, sagt Rolf Gilgen, der stellvertretende Vorsitzende der Cronberger Schützengesellschaft.

Vereine mit ausreichend finanziellem Polster haben sich in der Vergangenheit eine Böllerkanone angeschafft. Acht sind auf der Wiese hinter dem Schützenhaus platziert. Sie sind mit rund 400 Gramm Schießpulver gestopft, das bald gezündet werden soll. „Die Kronberger Schützen richten mit uns das hessische Böllerschießen aus, das in Bayern schon seit mehr als 400 Jahren Tradition hat“, so Ulrich Huth, der Vorsitzende des Schützenvereins Eschersheim und Schussmeister der Ersten Frankfurter Böllerschützen.

„Wir Böllerschützen wollten diese Tradition schon lange nach Hessen bringen, waren aber immer auf der Suche nach einem geeigneten Gelände“, erklärt Huth. Dieses habe man dank der Cronberger Schützengesellschaft gefunden, so der Schussmeister.

Die Freundschaft zu den Kronberger Schützen bestehe schon lange. Von den 105 Mitgliedern des Cronberger Schützenvereins sind fünf zum Böllerschützen ausgebildet. Lydia Gilgen ist eine der wenigen Frauen, die den Sport betreiben. Sie ist durch ihren Mann zum Böllerschießen gekommen. „Ich habe ihn auf eine Veranstaltung begleitet und war sofort begeistert“, sagt die zierliche Frau. Sie trägt Trachtenjacke und Hut der Cronberger Schützengesellschaft.

Die Ausbildung hätte sie zunächst Überwindung gekostet. Denn ein Böllerschütze müsse einen Sprengschein machen. „Dort waren natürlich nur Männer. Die haben mich alle belächelt“, so Lydia Gilgen. Doch sie blieb standhaft und hat zum ersten hessischen Böllerschießen ihren Böller, handgefertigt in der Oberpfalz, mitgebracht. Neben ihr steht Schützenkollege Michael Langendorf. „Ich kam eher zufällig zum Böllern und wollte nur einen Wiederladelehrgang machen. Dem schloss sich aber auch ein Schwarzpulverschein an“, erklärt Langendorf. Er machte beide Scheine und kaufte einige Zeit später seinen ersten Schaftböller, mit dem er an der Nachmittagsveranstaltung teilnimmt.

Das Böllern läuft streng reglementiert ab. „Es soll sich ja schließlich niemand verletzen“, so Rolf Gilgen. Er gibt die Anleitungen zum Laden und Abfeuern von der Kommandobrücke.

Bei der Polizeistation Königstein gingen mehrere Anrufe von besorgten Bürgern ein, welche Schüsse oder ähnliche Geräusche meldeten. Die Beamten klärten die Anrufer darüber auf, dass es sich hierbei um ein genehmigtes Treffen handele.

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