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"Da Capo-Festival" kehrt nach Kronberg zurück

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Von: Boris Schöppner

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Beim Straßentheater-Festival darf auch gestrickt werden. Mit robustem Charme lockt Frau Elfriede Peil selbst Neustricker_innen an.
Beim Straßentheater-Festival darf auch gestrickt werden. Mit robustem Charme lockt Frau Elfriede Peil selbst Neustricker_innen an. © Veranstalter

Straßentheater-Produktionen erobern Samstag und Sonntag die Altstadt

Kronberg -Dorothée Arden ist ein alter Hase wenn es um Straßentheaterfestivals geht. Doch nach vier Jahren Pause muss sie sich anstrengen, um ja nichts zu vergessen, was für das Ausrichten des "Da-Capo-Festivals" an Pfingsten in der Kronberger Altstadt erforderlich ist. "Die Routine ist weg", sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber den Kollegen in anderen Städten gehe es ähnlich. Das ist eine der Erfahrungen, die sie vom Besuch des Festivals in Rastatt mitgenommen hat. "Ich bin froh, dass es in der Stadtverwaltung auch noch alte Hasen gibt, die mich mitunter an manche Dinge erinnern."

"Da Capo" findet nur alle zwei Jahre statt, 2020 - ausgerechnet zum 20. Geburtstag - musste es wegen Corona abgesagt werden, denn die Abstandsregelungen hätten sich in der Altstadt nicht einhalten lassen. Jetzt kommen die Künstler in die Burgstadt, die eigentlich bereits vor zwei Jahren hätten auftreten sollen. Allerdings: Es ist Premiere und auch Zufall, dass Da Capo nun auf Pfingsten fällt.

Internationale Künstler

"Da Capo" ist mittlerweile ein Synonym für internationales Straßentheater. Ursprünglich aber stammt der Ausdruck aus der Musik und ist ein Aufruf, von vorn zu beginnen. Und genau das will der Kronberger Kulturkreis tun - mit dem Internationalen Straßentheater-Festival wieder von vorn beginnen. Eine kleine Auszeit bieten, auch und gerade in diesen Zeiten.

Am Pfingstwochenende verwandeln sich die Gassen und Plätze der Altstadt in kleine und große Bühnen - manche nicht größer als ein Werkzeugkoffer, andere so imposant wie der Mammutbaum im Schulgarten. Nicht fehlen bei einem Neubeginn darf das Theater Pikante, zum ersten Mal zu Gast mit den Pinguinen. Den Dialog mit einem Baum führt Peter Trabner als moderner Empedokles. "Der Tod des Empedokles" von Friedrich Hölderlin aus dem Jahr 1797 gilt als das erste Umweltdrama. Anlässlich der Klimakrise hat Trabner eine eigene zeitgemäße Inszenierung des Werks entwickelt. Der in Kronberg verwurzelte Mammutbaum wird zum Zentrum des Stücks und fungiert als Repräsentant der gesamten Natur.

Anita Bertolami erweckt mit ihrem KleinstKunstTheater die bereits erwähnte Werkzeugkiste und ihren Inhalt zum Leben. Wer hat sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie es sich für einen Nagel anfühlen muss, der vom Hammer getroffen wird? Ein erfrischender Blickwinkelwechsel, witzig, spritzig und inspirierend, eine kleine Performance in knapp vier Minuten mit großem Herzen.

Hilde Cromheecke präsentiert "moustache" - 2 Engel für Stadt, Land und Menschen. Ein stiller, humorvoll beflügelter Walk Act, bei dem aus Nichts Alles entsteht und Alles gleich wieder im Nichts verschwindet.

Tanzende Notenständer

TukkersConnection steuert Go Solo bei, einen bezaubernden Walkact mit und auf einer gigantischen Trommel. Gos Herzenswunsch ist es, jederzeit für ein großartiges Publikum zu spielen und es begeistern zu können. Deswegen reist sie mit Truck und Trailer durch die Welt, um immer ihre eigene Bühne dabei zu haben.

Auf die Burg gibt's dann am Sonntag einen tanzenden Notenständer auf einem stürzenden Piano. Schon im ersten Moment, wenn Tenor Stenzel und Mister Kivits die Bühne betreten, stimmt etwas nicht. Dem Blick dieses Pianisten wohnt von Anfang an ein gewisser Wahnsinn inne, und so wird schnell klar, dass die Herren weit mehr wollen, als klassische Musik vortragen.

Ebenfalls nur am Sonntag: "Stricken Sie mit!" Die langen roten Strickbahnen sind ein Augenfang und laden zur Nadelarbeit ein. Mit robustem Charme lockt Frau Elfriede Peil selbst Neustricker_innen an. Die charmante Kunstaktion ist interaktiv und verblüffend simpel. Mittels Eieruhr und Maßstab eruiert die Dame die Siegerin der Stunde und verteilt rote Prämien.

Mit Leichtigkeit kommen Menschen, die sich zum ersten Mal begegnen, miteinander ins Gespräch, tauschen sich aus, bibbern gemeinsam, wenn eine Masche runter gefallen ist oder freuen sich, Teil eines gemeinsamen Werkes zu sein.

Stricken in der Gemeinschaft

Die 50 Jahre alte Tochter ist gerührt, dass sie mit ihrer 80 Jahre alten Mutter strickt - weil sie das vor 30 Jahren zum letzten Mal zusammen gemacht haben. Der Bodybuilder lässt sich bei seiner ersten Reihe von seiner Freundin fotografieren. Frisch verliebte Pärchen freuen sich, dass sie sich gegenseitig bestricken können.

Wie die Gäste vergangener Straßentheater-Festivals bereits wissen, bietet das "Da Capo" über diese Programmpunkte hinaus noch allerlei Überraschungen und Entdeckungen.

Nachzulesen sind Infos zu allen Produktionen im Internet unter kronberger-kulturkreis.de. Hier findet sich auch, welches Programm am Samstag, 4. Juni, von 18 Uhr an, und welches am Sonntag, 5. Juni von 12 Uhr an zu erleben ist.

Schirmherr ist Landrat Ulrich Krebs. Der Eintritt ist wie immer frei, auf die Möglichkeit zu spenden wird aber ausdrücklich hingewiesen. öp

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