Parken in Kronberg

Dauerparker blockieren Kurzzeitparkplätze in der Kronberger Hainstraße

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Dauerparker sorgen rund um das Ärztehaus, die Apotheke und die Geschäfte in der Hainstraße für Verdruss. Hinzu kommen eine mitunter nachlässige Zahlungsmoral auf Kosten der Allgemeinheit und kreative Auslegungen der vorgeschriebenen Parkraumnutzung.

Sechs Richtige im Lotto – nur den wenigsten Menschen sind sie vergönnt. Auf ein ähnlich chancenarmes Spiel muss sich der 78 Jahre alte Kronberger Gerhard Pasternack immer wieder einlassen. Vor der Apotheke und dem Ärztehaus in der Hainstraße gibt es sechs Kurzzeitparkplätze, und prinzipiell ist die Sache klar geregelt: wochentags von 8 bis 20 Uhr nur mit Parkschein, Höchstparkdauer eine Stunde, die Kosten dafür halten sich mit einem Euro in Grenzen. Eine halbe Stunde schlägt mit 50 Cent zu Buche, sogar eine „Brötchentaste“ gibt es: Wer bis zu 15 Minuten parkt, zahlt nichts. Kurze Wege zum Arzt und zum Abholen von Medikamenten – für Ältere, Gebrechliche oder Kranke ist das eine große Hilfe und ein faires Angebot.

Allein, gute Pläne scheitern nicht selten an der Realität. Um sich davon zu überzeugen, reicht es, sich für einige Minuten an die Hainstraße zu stellen. Während manche vorschriftsmäßig handeln, überziehen andere die Parkdauer maßlos oder machen sich gar nicht erst die Mühe, ein weißes Zettelchen hinter die Scheibe zu legen. Bemerkenswert ist das Park-Modell „eingedrehter SUV“: Wer auf der Gegenfahrbahn unterwegs ist und plötzlich einen freien Platz erspäht, schlägt das Lenkrad hart ein – und landet nicht selten fernab der Markierung und/oder mit einem guten Stück der Front auf dem Fußgängerweg.

Weiter links befindet sich ein Behindertenparkplatz – der allerdings regelmäßig belegt wird von Menschen, die kurz etwas abgeben oder abholen wollen. Das Treiben setzt sich noch ein gutes Stück weit fort, auch rund um die Volksbank und die Stadtbücherei befinden sich einige Parkplätze, die gerne, aber nicht immer zweckbestimmt genutzt werden.

Nun ist Parkraum in vielen Städten ein Problem, und es ist nur allzu menschlich, keinen Fußweg von der Tiefgarage am Berliner Platz, vielleicht nicht einmal von dem großen Parkplatz auf der Rückseite der Apotheke zurücklegen zu wollen, wenn man wenige Minuten später schon wieder weiterzieht. Oftmals geht das mit ein wenig Wohlwollen gut. Umso ärgerlicher ist es für Pasternack, zu sehen, dass die fußläufigen Parkplätze rund um das Areal immer wieder von bestimmten Autos blockiert werden, und zwar von morgens bis abends. Angeblich sollen darunter auch Angestellte der Stadt sein. Eindeutig nachweisen lässt sich das nicht. Zumindest waren bei einer Stichprobe einige Dauerparker zweifelsfrei als solche zu identifizieren.

„Die Ordnungspolizei der Stadt Kronberg kontrolliert regelmäßig und ahndet Vergehen“, heißt es aus dem Rathaus. Und weiter auf die Frage, ob es Sonderregelungen für städtische Bedienstete in puncto dortiger Parkplatznutzung gibt: „Es werden dabei keine Unterschiede zwischen Mitarbeitern der Stadtverwaltung und anderen Verkehrsteilnehmern gemacht.“ Dies sei auch gegenüber städtischen Mitarbeitern ausdrücklich kommuniziert worden. Die Ordnungspolizei kontrolliere besonders im Innenstadtbereich zu unterschiedlichen Zeitpunkten und berücksichtige auch das Verkehrsaufkommen.

Nachdem Pasternack nach eigenen Angaben in der Sache bereits mehrmals bei Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) vorstellig wurde, setzte sich in der vergangenen Woche Volker Humburg, der Leiter des Ordnungsamtes, mit ihm in Verbindung. Den Ordnungspolizisten will der Rentner keinen Vorwurf machen. Aber es ärgert ihn, wenn die, die auf die Parkplätze angewiesen sind, in die Röhre schauen, weil andere, die gut zu Fuß sind, den ganzen Tag über dort stehen. „Und es ist geschäftsschädigend für die Läden“, ergänzt er.

Dass es Dauerparker gebe und die Parksituation nicht einfach sei, hätten Kunden schon einmal gesagt, heißt es bei den Mitarbeitern der Park-Apotheke. Jochen Limberger vom gleichnamigen Buch- und Schreibwarenladen weist darauf hin, dass viele Geschäftsleute die erste Einheit der Parkgebühren im Parkhaus erstatten würden, „wir machen das seit 1992“. Er weiß aber auch, dass viele Kunden generell trotzdem „am liebsten bis vor die Tür“ fahren wollen.

„Es gibt schon viele Dauerparker“, sagt Christina Schmidt vom Blumenladen „Galerie des Fleurs“, und zeigt zum Beweis auf einen direkt vor der Ladentür. Einige Kunden hätten ihr bereits klar gesagt, dass sie woanders hinfahren würden, wenn sie keinen Parkplatz in der unmittelbaren Nähe finden. Auch an der Stadtbücherei gibt es einen Behindertenparkplatz – direkt hinter dem Platz, wo zum Ortstermin der Dauerparker steht. Eine Kundin, die ihn lediglich zum Einladen nutzte, musste dafür 35 Euro zahlen. Die Ordnungspolizei hätte sich nicht erweichen lassen.

„Es macht natürlich einen Unterschied, ob jemand unrechtmäßig auf einem Behindertenparkplatz steht, oder ein Verkehrsteilnehmer korrekt parkt, aber die Höchstparkdauer überschritten hat“, antwortet die Stadtverwaltung. Die Ordnungspolizisten hätten einen „gewissen Ermessensspielraum“, den sie ausnutzen würden: „Hier kommt es auch darauf an, ob jemand 5 oder 15 Minuten drüber ist.“ Allemal besser als Strafen wäre es wohl, wenn sich die Parkenden in der Hainstraße künftig an Shakespeare halten würden: „Ich sehe, nichts ist ohne Rücksicht gut.“

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