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Das Wohn- und Geschäftshaus auf der rechten Seite überragt die kleinteilige Struktur auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Rundgang

Was ist vom Dorf Oberhöchstadt geblieben?

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Ist Oberhöchstadt ein Dorf? Die Antworten auf die Frage fallen unterschiedlich aus. Selbst ein Rundgang im Zentrum bringt keine Klarheit.

In der Diskussion um das Neubauprojekt der Firma Klein wurde eine Frage berührt, die über die Tagespolitik hinaus von Bedeutung für die Entwicklung Oberhöchstadts ist: Hat der Kronberger Stadtteil noch dörflichen Charakter? Und woran macht er sich fest?

Max-Werner Kahl, CDU-Stadtverordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) hatte den dörflichen Charakter als Argument dafür herangezogen, eine gestalterische Anpassung des Bauprojekts zu fordern. Der Einsatz habe sich gelohnt, jubelte er erst kürzlich, als er gemeinsam mit Erstem Stadtrat Robert Siedler (parteilos) die überarbeiteten Entwürfe mit aufgelockerter Fassadenfront der beiden Neubauten präsentierte.

SPD-Fraktionsvize Wolfgang Haas indes hatte Oberhöchstadt den dörflichen Charakter abgesprochen. Er weist auf die Neubauten in der Oberurseler Straße, am Porto-Recanati-Platz und rund um den Dalles. Dass es noch „dörfliche Restelemente“ gibt, will er nicht bestreiten. Aber: „Der Ortskern hat sich weiter entwickelt, der hat nicht mehr viel zu tun mit dem aus den 50er und 60er Jahren.“

„Nicht klotzen“

Zu einem ganz anderen Urteil kommt Architekt Hanspeter Borsch, Co-Autor des Buches „Oberhöchstadt – Ein Taunusdorf im 19. Jahrhundert“: „Oberhöchstadt ist nach wie vor dörflich“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Dass es Phasen gegeben habe, in denen man auch im Ortskern „hoch hinaus“ wollte, sei aus der Zeit heraus zu verstehen.

Die Metzgerei habe ein Recht darauf, sich weiterzuentwickeln, stellt er klar. Sein Fazit: „Oberhöchstadt entwickelt sich weiter – und das ist gut so. Ein Dorf bleibt es trotzdem.“

Wer durch die Ortsmitte läuft, dem fallen die Kontraste auf. Schaut man in der Oberurseler Straße in Richtung Metzgerei Klein, dann blickt man über Gärten mit Apfelbaum. Gegenüber dem modernen Dallesgebäude steht ein Fachwerkhaus, bei dem Ziegelwände und Balkenkonstruktion freiliegen. Dörflich mutet auch an, dass der Hof der Familie Hildmann ans Zentrum grenzt. Und: Die Gebäude, in denen der Einkaufsladen und die Apotheke untergebracht sind, überragen die Gebäude auf der anderen Straßenseite, die ihre kleinteilige Struktur behalten haben und verschiedene Geschäfte wie Bäckerei, Delikatessen-Laden und Tierbedarfsgeschäft beherbergen.

Feiern unter der Linde

Mit Humor reagiert die Vorsitzende des Vereins Heckstadt auf die Frage, ob Oberhöchstadt ein Dorf ist. „Es ist ein breit aufgestelltes Dorf, in dem es genauso Toscana-Villen gibt wie mehrgeschossige Multifunktionsgebäude“, sagt Gabriele Hildmann. „Oberhöchstadt ist ein Dorf, weil die Leute miteinander reden und sich unter der Dorflinde zum Feiern treffen, baulich aber ist der Dorfcharakter in den 70er Jahren verloren gegangen.“

Ähnlich argumentiert Ortsvorsteherin Alexandra Sauber von der UBG: „Seitdem die alte Schule und das alte Rathaus nicht mehr stehen, gibt es den dörflichen Charakter nicht mehr.“ Das Dörfliche in Oberhöchstadt sei die Gemeinschaft untereinander. Wichtig ist der Ortsvorsteherin, dass der Ortskern funktioniert. „Einen solchen Ortskern hätte man gerne in Kronberg“, ist sich die Ortsvorsteherin sicher. Sie begrüßt, dass sich Oberhöchstadt weiterentwickelt und verweist darauf, dass die Grundstücke entlang den Straßen weiterhin Bauland seien.

Die Diskussion, wie Oberhöchstadt künftig aussehen soll, muss also dringend geführt werden. Dorf hin, Dorf her. So sieht es zumindest SPD-Mann Haas. Für ihn steht fest, dass es erforderlich ist, Bebauungspläne für die Ortsmitte aufzustellen. Bislang gibt es solche für weite Teile des Ortskerns nicht, hier wird nach Paragraf 34 der Baugesetzbuches je nach Einzelfall entschieden.

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