Bürgermeister Christoph König (SPD) auf der Rathausterrasse.
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Bürgermeister Christoph König (SPD) auf der Rathausterrasse.

Interview

Ein Jahr Bürgermeister von Kronberg

  • VonBoris Schöppner
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Christoph König ist seit einem Jahr im Amt. Redakteur Boris Schöppner spricht mit dem sozialdemokratischen Rathauschef über erste Akzente beim Stadtmarketing und Herausforderungen beim Kita-Bau und der Standortfrage der Feuerwehren.

Herr König, seit einem Jahr sind Sie im Amt. Macht Bürgermeister immer noch Spaß, auch wenn die Rahmenbedingungen dank Corona nicht gerade großartig sind?

Die Pandemie macht viel Arbeit und macht vieles von dem, was man gerne machen möchte, schwer oder gar unmöglich; beispielsweise Veranstaltungen oder Besprechungen im größeren Kreis. Es wäre für mich im ersten Jahr sicher einfacher gewesen, wenn ich den einen oder anderen hätte zwanglos treffen können, den ich jetzt sehr gezielt ansprechen muss. Das ist eine Auswirkung, die das ganze Jahr über spürbar war.

Bei unserem Interview anlässlich der ersten 100 Tage haben Sie gesagt, Sie müssen sich erst einmal die Strukturen im Rathaus anschauen und sie verstehen, um dann zu überlegen, was sie verändern wollen. Haben Sie die Strukturen mittlerweile verstanden und was haben Sie geändert?

Ich habe die Strukturen verstanden. Wir haben kein großes Revirement gemacht, sondern es sind eher kleinere, organische Veränderungen, und die haben in der Regel auch einen Anlass. Wir haben beispielsweise den Bereich Stadtmarketing neu besetzt, und dafür mussten wir die Stabsstelle Wirtschaftsförderung, die es bisher gab, ausbauen, so dass das nun eine etwas größere Einheit ist, die sich auch weiter verändern wird. Da werden Tätigkeiten, die derzeit noch in anderen Bereichen der Stadtverwaltung erledigt werden, zusammengefasst. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich gehe davon aus, dass dies im ersten Vierteljahr 2022 geschieht.

Wir haben außerdem Veränderungen im Fachbereich "Soziales, Kultur und Bildung", dem bisher Marion Bohn-Eltzholtz vorgestanden hat, die jetzt in den Ruhestand geht. Da wird es mit dem Wechsel in der Fachbereichsleitung auch Verschiebungen innerhalb des Fachbereichs geben. Und wenn Tätigkeiten verschoben werden, muss natürlich auch Personalkapazität "wandern". Und wir arbeiten zurzeit an einer Organisationsuntersuchung der Stadtwerke. Da lässt sich noch nicht absehen, inwieweit es zu organisatorischen Veränderungen kommt.

Die Organisationsstruktur war ja auch Thema in der letzten Stadtverordnetenversammlung. Man vermutet ja, dass hier nicht alle Prozesse ideal laufen und dass es hier sogar noch ein paar Freiräume bei den Mitarbeitern gibt, wenn nur jemand von draußen drauf guckt. Halten Sie das für sinnvoll, oder wird dann die Arbeit in der Stadtverwaltung über Jahre lahmgelegt, wenn externe Berater jeden Stein umdrehen?

Irgendetwas dazwischen! Ich halte nichts von einer Organisationsuntersuchung, die alle Verästelungen der Stadtverwaltung überzieht. Diese Stadtverwaltung besteht aus so vielen unterschiedlichen Teilen, die zwar miteinander verknüpft, aber zum Teil auch sehr weit voneinander entfernt sind, so dass es meiner Ansicht nach keinen Mehrwert bringt, wenn ich eine Organisationsuntersuchung mache, die im Schwimmbad anfängt und über die Kindertagesstätten, die Feuerwehr, den Sozialbereich, die Ordnungsbehörde, das Bauwesen und die Stadtplanung bis zum Stadtmarketing alle Bereiche umfasst. Ich glaube, dass es gut und richtig ist, sich die einzelnen Bereich der Stadtverwaltung immer wieder anzuschauen. Das tun wir auch; das ist bisher so gewesen und das werden wir auch weiterhin tun. Wichtig ist, sich die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Bereichen anzuschauen. Wir haben Prozesse, die gehen von dem einen in den anderen Fachbereich über. Das sind gar nicht wenige. Das ist etwas, was man im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen sehr genau untersuchen muss: Wie übergebe ich welche Informationen oder Aufgaben? Ist es überhaupt sinnvoll, dass die Aufgaben zweigeteilt sind und etwa der Beginn des Prozesses in dem einem Fachbereich und das Ende im anderen angesiedelt sind? Ich weiß noch nicht, ob es sinnvoll ist, das in einem großen Aufschlag zu tun oder es sukzessive abzuarbeiten. Wir werden, sobald der Haushalt genehmigt ist, das Thema Digitalisierung personell ausstatten. Ausgangspunkt ist das Onlinezugangsgesetz, da haben wir einen Zeithorizont bis zum Ende des Jahres. So verstehe ich auch den Auftrag durch die Stadtverordnetenversammlung: dass wir uns Prozesse anschauen und nicht in erster Linie Organisationsstrukturen.

Sie haben eben von den Schnittstellen gesprochen und von Prozessen, die hier anfangen und dort aufhören. Würden Sie das bitte einmal mit einem Beispiel unterfüttern?

Zum Beispiel die Abläufe rund um einen Kindergartenplatz: Sie melden ein Kind grundsätzlich bei der Stadt an, dann haben wir aber acht Träger der verschiedenen Kitas, die daran beteiligt sein können, bis dieses Kind einen Platz hat. Wenn das Kind in einer städtischen Einrichtung ist, sind Gebühren zu erheben. Dann gibt es jede Menge Veränderungen in der Zeit, in der ein Kind in der Kita ist. Und ganz häufig ist es so, dass nicht alles an einer Stelle gemacht wird. Eigentlich ist das Fachreferat "Kind und Familie" zuständig, aber spätestens wenn Gebühren erhoben werden, ist die Kasse mit dabei, dann ist der kirchliche oder private Kita-Träger involviert, da müssen immer Informationen hin und her gegeben werden: Ist das Kind jetzt aufgenommen und wo ... Das ist ein Bereich, an dem sind wir gerade dran. Es laufen gerade die erforderlichen Abstimmungsprozesse für die Einführung eines elektronischen Anmelde- und Buchungssystems, mit dem Ziel, dass es viel weniger Hin und Her zwischen den Beteiligten gibt, weil alle auf denselben Datenbestand zugreifen können. Wenn wir das scharf geschaltet haben, ist es sowohl für die Verwaltung als auch für die Kita-Träger und die Eltern eine deutliche Erleichterung.

Wo ist es Ihnen denn gelungen, bereits im ersten Jahr eigene Akzente zu setzen und neuen Elan zu versprühen?

Im Bereich Stadtmarketing ist viel passiert in dem relativ kurzen Zeitraum. Das Besetzen der Stelle hat den Sommer über in Anspruch genommen, und Matthias Greilach hat Anfang September begonnen. Kurz vor den Weihnachtstagen haben wir das erste große Projekt vorgestellt: das neue Logo und Corporate Design und das Neuaufsetzen einer speziellen Stadtmarketing-Homepage. Die Erwartungen sind groß, aber die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind durchweg positiv. Ich denke, dass wir die Chance haben, gerade für Hotellerie und Gastronomie, aber auch für den Einzelhandel und die Kulturtreibenden aus der Corona-Zeit raus neu zu starten. Insofern ist das jetzt genau der richtige Zeitpunkt, auch wenn das nicht so geplant war.

Dann sind wir dabei, das Klimaschutzkonzept auf den Weg zu bringen, das ist relativ weit gediehen. Das ist über meine Erwartungen hinausgegangen. Es gibt auch da ein großes Interesse und ein großes Bedürfnis der Öffentlichkeit, sich an diesem Prozess zu beteiligen. In diesem Jahr wollen wir Maßnahmen nicht nur definieren, sondern auch anfangen umzusetzen.

In der Politik gibt es eine gewisse Unzufriedenheit darüber, dass die Stadtverwaltung bei der Umsetzung von Beschlüssen etwas hinterherhinkt. Ein Beispiel ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Wo hängt es und was wollen sie 2022 daran ändern?

Beim bezahlbaren Wohnraum sind wir ja inzwischen einig, dass es nur über städtische Bauprojekte im weitesten Sinne geht, also mit der Stadt selber, einem städtischen Eigenbetrieb oder einer Tochtergesellschaft als Träger. Erster Stadtrat Robert Siedler und ich haben das 2021 sehr eingehend geprüft, was der richtige Weg ist, und arbeiten im Moment an einem sehr konkreten Modell für die Umsetzung. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Wochen soweit sind, dass wir mit einem entsprechenden Vorschlag in die Politik gehen können.

Welche Rolle spielt für Sie die Interkommunale Zusammenarbeit?

Wir arbeiten derzeit an zwei "alten" interkommunalen Projekten: am Standesamt und der Gemeinschaftskasse, die immer noch Schritte zur vollständigen Umsetzung brauchen. Beim Standesamt ist gerade der Umzug der Geschäftsstelle nach Königstein erfolgt. Es gibt in Kronberg jetzt nur noch den Standort für die Trauungen. Bislang waren es immer noch zwei Standesämter unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach. Da sind wir jetzt einen Schritt weiter.

Ich hätte gerne eine kleine, aber wichtige Zusammenarbeit im Bereich des Vergabewesens. Öffentliche Ausschreibungsverfahren werden immer komplizierter und überfordern die Mitarbeiter zusehends. Man verwendet viel Zeit darauf, Rechtsfragen zu klären, und muss darauf achten, dass man keine Fehler macht, die einem im Anschluss viel Arbeit und Ärger bereiten können. Das hätte ich gerne einfacher und glatter. Aber wir werden keinen Vergabefachmann in Kronberg aufbauen können. Da würde ich gerne einen Weg finden - mit anderen Kommunen oder dem Hochtaunuskreis. Hier werde ich versuchen, 2022 weiterzukommen, weil uns das die Arbeit spürbar erleichtern könnte.

Was wird denn 2022 noch als Herausforderung auf Sie zukommen?

Ich möchte im ersten Halbjahr die langfristige Planung der Kinderbetreuung auf die Füße stellen. Da waren wir mit Vorarbeiten schon das ganze Jahr 2021 beschäftigt. Wir haben 16 Betreuungseinrichtungen mit elf Trägern in Kronberg. In einigen Einrichtungen besteht erheblicher Investitionsbedarf. Und wir haben einen deutlichen Bedarf an zusätzlichen Plätzen und an zusätzlichem Personal, zumal wir ab 2026 den Rechtsanspruch auf einen Hortplatz erfüllen müssen. Meine Idee ist es, in den Jahren 2024 und 2025 jeweils eine Kita neu zu bauen oder zu erneuern. Ob wir das hinbekommen, weiß ich noch nicht. Wir müssen erst einmal die politische Marschrichtung festlegen. Das wird in meinem Dezernat wohl die größte Aufgabe sein.

Es sieht so aus, als ob demnächst die Straßenbeiträge als Einnahmequelle wegfallen könnten. Wird sich das deutlich im Haushalt bemerkbar machen?

Wir hatten ja im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung eine Untersuchung gemacht und dabei kam heraus, dass, wenn man sich das einmal über einen Zeitraum von 20 Jahren anguckt, die Stadt pro Jahr einen Betrag zwischen 300.000 und 500.000 Euro über Straßenbeiträge einnimmt. Das ist eine Größenordnung, die muss man im Haushalt abbilden. Das heißt: Entweder der Betrag fehlt für andere Sachen, oder man muss auf einem anderen Weg mehr Geld einnehmen. Aber das ist eine politische Entscheidung, und wenn die so getroffen wurde, setzen wir die auch im Haushalt um. Das macht es nicht einfacher, aber ich habe ehrlich gesagt mit einem höheren Betrag gerechnet, bevor wir diese Zahlen alle zusammengetragen hatten. Bei einem Gesamthaushalt, der im Volumen von insgesamt mehr als 50 Millionen Euro rangiert, ist das machbar.

Herr König, Sie sind ja auch Brandschutzdezernent. Bei der Feuerwehr stehen große Entscheidungen an. Wo stehen wir jetzt bei der Standortsuche?

Wir stehen im Begutachtungsprozess. Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Zurzeit werden von dem beauftragten Ingenieurbüro die Optionen erarbeitet. Im Prinzip gibt es jetzt ein Soll- und ein Ist-Raumprogramm. Das Soll-Raumprogramm richtet sich nach den entsprechenden rechtlichen und technischen Vorgaben; nach der Ausstattung, die wir unterbringen müssen, nach den Funktionen, die ihren Platz haben müssen. Wir haben diverse Werkstätten, die unterkommen müssen und Ähnliches. Das Ganze bezieht sich auf beide Standorte, also auf Kronberg und Oberhöchstadt. An beiden Standorten haben wir erheblichen Veränderungsbedarf. Wir haben keine ausreichenden Lagerräume, wir haben schwierige Wegebeziehungen, es fehlen nach heutigen technischen Standards getrennte Umkleideräume, es fehlen ausreichende Bewegungsflächen für Fahrzeuge und Personal. Wenn man das Feuerwehrhaus Kronberg betrachtet, gibt es dort z. B. eine erhebliche Unfallgefahr, die man bei einem Neubau gar nicht mehr erlauben würde: Dass nämlich Feuerwehrleute durch eine Einfahrt ins Haus hineinlaufen, aus der gleichzeitig ein Einsatzfahrzeug herausfahren kann.

Außerdem beschäftigen wir hauptamtliche Mitarbeiter bei der Feuerwehr, das heißt, wir müssen auch auf deren Arbeitsschutz achten, bei dem andere Anforderungen gelten als bei einem ehrenamtlichen Feuerwehrmann, der da nur wenige Stunden zubringt. Deshalb ist bei einigen Werkstätten eine Veränderung notwendig, etwa wenn die Räume zu klein und zu niedrig sind oder nicht über Tageslicht verfügen.

Wir haben da ganz unterschiedliche Themen, und natürlich könnte man sagen: Es gibt die eine große Lösung, wir bauen ein neues Feuerwehrhaus, wir wissen allerdings noch nicht wo. Und dann wäre die Frage, was kostet uns das. Und der Standort eines neuen Feuerwehrhauses wäre ein wirklich schwieriges Thema, denn man kann es nicht einfach irgendwo hinstellen. Es gilt, die Hilfeleistungsfristen einzuhalten. Wir wissen schon aus vorherigen Untersuchungen, dass wir das nicht mit einem Standort bewältigen können, dafür ist das Stadtgebiet zu ausgedehnt. Ich gehe davon aus, dass wir im zweiten Quartal mit einem Lösungsvorschlag in die Politik gehen.

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