Auf dem Weg zu einem aufgeklärten Islam

Muslime in Deutschland leiden darunter, dass ihre Religion häufig nur mit religiösem Fanatismus und Terror in Verbindung gebracht wird. In der Stadthalle können sich Besucher ein eigenes Bild machen.

Von Philipp von Gordon

Islam ist nicht gleich Islam. Das wurde am Dienstagabend schnell klar, als Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde aus Steinbach mit Kronberger Bürgern in der Stadthalle diskutierten. Einige Kronberger wollten wissen, warum die Ahmadiyya-Gemeinde den neu angekommenen Flüchtlingen nicht unter die Arme greift. Dass im islamischen Glauben und den verschiedenen islamischen Kulturkreisen weltweit teilweise gravierende Unterschiede herrschen, war nicht allen Besuchern bewusst. Häufig komme es vor, dass Mitglieder der Reformgemeinde von konservativeren muslimischen Kreisen – teilweise offen – angefeindet werden, schilderte Imam Tariq Zafar.

Dieser hielt zum Thema „Kalifat, Frieden & Gerechtigkeit: Entgegnung zum IS/ISIS“ einen Vortrag. Den 30 Kronberger Gästen erklärte er, dass die Schreckensmeldungen aus dem Irak und Syrien nichts mit den Glaubensinhalten des Islam zu tun hätten. Mit leiser Stimme sprach er davon, wie durch diese Gräueltaten eine ganze Religion in Verruf gerate. Das Amt des Kalifen sei das eines geistlichen Oberhauptes, das gewählt werde und die Werte vertrete, die im Islam wichtig sind. Es sei keineswegs als weltliches politisches Amt zu verstehen, auch wenn ISIS den Begriff medienwirksam dahingehend missbrauche.

Eine Ausstellung, die derzeit in der Stadthalle gezeigt wird, soll nach Auskunft von Samee Ullah, Referent des Bundesvorsitzenden, dazu dienen, Missverständnisse über den Islam und die Muslime aus der Welt zu schaffen. Sie ist als eine Einladung auch an diejenigen zu verstehen, die sonst keine Berührungspunkte mit Muslimen haben. Das sei insbesondere notwendig, da einige den Islam nur mit Terror in Verbindung bringen würden.

Die Reformgemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat hatte sich vor zwei Monaten mit Vertretern der Stadt zusammengesetzt, um die Wanderausstellung nach Kronberg zu holen. Bis Freitagmittag möchte der Vorsitzende der Gemeinde in Steinbach, Kashif Mahmood Janjua, alle Interessierten einladen, den Islam kennenzulernen. Während der gesamten Ausstellungszeit sind Ansprechpartner der Gemeinde anwesend, um Fragen im persönlichen Gespräch zu beantworten oder durch die Ausstellung zu führen. Das geschieht unter dem Motto „Liebe für alle, Hass für keinen“. Den Gemeindemitgliedern ist es wichtig, die Aspekte des Fundamentalismus und Extremismus offen anzusprechen und dennoch den Islam als großes Ganzes nicht aus den Augen zu verlieren. In der Ausstellung werden neben der Geschichte des Islam viele Begriffe erläutert. Das Ziel der Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde ist es, so Kashif Mahmood Janjua, „Aufklärung über einen aufgeklärten Islam“ zu betreiben.

Samee Ullah weist darauf hin, dass auch andere „heiße Eisen“ bei den abendlichen Vorträgen besprochen werden. Nachdem gestern Abend über „Meinungs- und Redefreiheit im Islam“, wo es hauptsächlich um Satire und Religion ging, gesprochen wurde, erwartet er für den heutigen Abend die vielleicht spannendste Diskussion: „Die Stellung der Frau im Islam“. Beginn ist um 19 Uhr in der Stadthalle am Berliner Platz.

Musste die Stadt angesichts der Ausstellung und der Vorträge mit zum Teil sehr brisanten Themen eigentlich besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen, wollte die Taunus Zeitung von Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) wissen. Nein, sagte dieser. Zum einen gebe es keine rechtsradikale Szene in Kronberg, die gegen die Ausstellung mobil machen könnte, zum anderen habe man mit der Ahmadiyya-Gemeinde in der Vergangenheit nur gute Erfahrungen gemacht.

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