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EKHN kämpft mit akutem Nachwuchsmangel bei Pfarrern

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Von: Jutta Badina-Burger

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Dekan Martin Fedler-Raupp
Dekan Martin Fedler-Raupp © Dekanat

Gemeinden sollen zusammenrücken - Dekan will ihnen die Angst nehmen und nennt Gründe für den Personalengpass

Kronberg -Zwar freuten sich die Gemeindemitglieder der Evangelischen Gemeinde St. Johann in Kronberg darüber, dass nach zwei Jahren Verzicht der Neujahrsempfang wieder stattfinden konnte. In der anschließenden Gemeindeversammlung zeigten sich dann aber doch viele Gäste von den Ankündigungen des Pfarrers Hans-Joachim Hackel, der stellvertretenden Kirchenvorstandsvorsitzenden Elke Reinhard und dem Dekan des Dekanats Kronberg Martin Fedler-Raupp betroffen. Der seit 26 Jahren amtierende Pfarrer Hackel erfreut sich großer Beliebtheit bei den Gemeindemitgliedern und genießt über die Grenzen der Gemeinde hinaus hohen Respekt. Doch im Sommer ist für ihn Schluss. Er geht in den wohlverdienten Ruhestand.

„Es tut uns in der Seele weh“, stellte Elke Reinhard fest. „Aber wir sollten es ihm alle von Herzen gönnen. Denn er hat bereits seine Amtszeit verlängert.“ Die Lücke, die er hinterlässt, wird sich nicht so schnell schließen lassen. Laut Dekan Fedler-Raupp „gibt es derzeit keinen Markt“. Die Stelle ist seit längerem ausgeschrieben, aber Bewerbungen sind nach seinen Angaben bisher nicht erfolgt. Die Zahl der offenen Stellen im Dekanat erhöhe sich bis Ende des Jahres von sechs auf neun. Fedler-Raupp hat die oberste Stelle der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit Sitz in Darmstadt um Unterstützung gebeten. „Wenn Sie in Ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis Pfarrer haben, werben Sie sie an“, sagte der Dekan Fedler-Raupp und versuchte, mit diesem spitz formulierten Aufruf die Stimmung aufzulockern. „Es ist kein böser Wille. Es gibt definitiv zu wenig Nachwuchs. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir vor 30 Jahren in den Beruf gegangen sind, folgen die jungen Theologen nicht.“ Oft suchten sie sich nach dem Studium andere Berufsfelder aus. „Ich bin froh, dass wir als evangelische Christen in der Lage sind, auch ohne Pfarrer Gemeindeleben zu gestalten.“ Immerhin eine 50-Prozent-Stelle könnte der designierte Vize im Dekanat, Stefan Rexroth einnehmen, der am Freitag gewählt werden soll.

Die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstands stellte die Situation anhand einer Präsentation dar. Das Projekt „EKHN 2030“ steht schon länger zur Diskussion. In den kommenden Jahren werden die Reformen in der evangelischen Kirche konkret. In Kronberg werden sie sogar schon ab Ende des Jahres konkreter. Elke Reinhard: „Als Kirche sind wir unterwegs, in einer Zeit mit ständig neuen und wechselnden Herausforderungen. Die Situation fordert uns auf, offen und kreativ für Neuerungen zu sein, um die Herausforderungen anzugehen.“

Die größten Herausforderungen seien die sinkend Mitgliederzahl und die geringe Zahl an Pfarrpersonen. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht mehr in jeder Gemeinde einen Pfarrer haben werden. Gemeindestrukturen, wie wir sie kennen, sind nicht mehr vorhanden.“ Die sinkende Mitgliederzahl lasse die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel schrumpfen. Dies sei schmerzhaft für die Gemeinden, dadurch könnten bestimmte Strukturen nicht mehr aufrechterhalten werden. Das Durchschnittsalter der amtierenden Pfarrer liege bei 53 Jahren.

Wie können Gemeinden generell Strukturen erhalten? Wie können sie dem Wandel entgegentreten und mit wenigen Ressourcen Gemeindeleben aufrechterhalten? „Nachbarschaftsräume“ lautet für die EKHN die Lösung. Inhaltliche Zusammenarbeit von Gemeinden, Prozesse gemeinsam gestalten und gemeinsame Verkündigungsdienste.

Der Zeitplan sieht vor bis 2030, die Rahmenbedingungen zu schaffen und sich über einen gemeinsamen Gebäudeentwicklungsplan, Finanzen, Rechtsform und Personal zu verständigen. „Wir sind schon seit einem Jahr in der Diskussion mit Nachbargemeinden und haben Gespräche geführt“, erklärte Elke Reinhard. „Wir werden einen Nachbarschaftsraum mit der Markus-Gemeinde in Schönberg, der Evangelischen Kirchengemeinde Oberhöchstadt, der Martin-Luther-Gemeinde Falkenstein, der Evangelischen Kirchengemeinde in Schneidhain und unter Vorbehalt mit der Lukas-Gemeinde in Glashütten führen.“ Für die letztgenannte Gemeinde wäre hierfür ein Dekanatswechsel nötig. Denn die Lukas-Gemeinde gehört derzeit noch zum Dekanat Idstein.

„Vorteil gegenüber katholischer Kirche“

Elke Reinhard sieht in dem Zusammenschluss eine große Chance, die genügend Raum für Kreativität gebe. „Unser Ziel ist es, mehr Kirche zu den Menschen zu bringen, mit gemeinsamen Gottesdiensten und ,Kanzeltausch’ und gemeinsamen Veranstaltungen insgesamt.“ Der Dekan betonte, dass sich niemand davor fürchten müsse, dass die Nachbarschaftsräume eine Auflage in evangelischer Form der katholischen pastoralen Räume würden. „Die Pfarrerinnen und Pfarrer im Dekanat Kronberg werden so eingesetzt, dass alle wissen, wer für die Gemeinde zuständig ist. Es wird klare Zuordnungen geben. Wir haben einen großen Vorteil gegenüber der katholischen Kirche, nämlich, dass so eine Zuordnung bei uns noch möglich ist.“ Fedler-Raupp betonte allerdings auch, dass keiner wissen könne, was passiert. Derzeit seien sieben Nachbarschaftsräume im Dekanat Kronberg angedacht. Für einen Raum sollen jeweils drei Pfarrer, ein Gemeindepädagoge oder Kirchenmusiker tätig sein.

Zum Dekanat Kronberg gehören die evangelischen Kirchengemeinden im Main-Taunus-Kreis (außer Hochheim); dazu kommen die Gemeinden der Hochtaunus-Orte Kronberg und Königstein.

„Ich komme gerade von einer gesamtkirchlichen Tagung der Evangelischen Kirche in Deutschland“, fügte der Dekan an. „Die Schwierigkeiten ,vor denen wir stehen, sind nicht auf uns begrenzt.“ Kollegen aus anderen Landesteilen der Republik stünden vor größeren Herausforderungen. „Uns geht es als Kirche in Hessen und Nassau noch sehr gut. Das sollte man wissen.“

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