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Matthias Schmidt fertigt Holzskulpturen für den Fünfeckturm. Damit kehren Prinzessin, Bischof und andere Herrscher auf die Burg zurück.

Kunst

Erik und die Aufrechten

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So kann es aussehen, wenn man aus der Not eine Tugend macht: Eine Buche am Eibenhain auf der Kronberger Burg musste aufgrund von Sturmschäden und Morschheit gefällt werden. Nun arbeitet der Schmittener Holzbildhauer Matthias Schmidt ein Kunstwerk für den Fünfeckturm aus dem Stamm.

Der 1. August 2017 dürfte vielen in der Region noch in unguter Erinnerung sein: Sturm Erik wütete und richtete dabei Schäden an, die ihre Spuren teilweise bis zum heutigen Tag hinterlassen haben. So auch auf der Kronberger Burg: Eine mindestens 150 Jahre alte Buche wurde damals in der oberen Hälfte gespalten und auseinandergerissen. Der abgerissene Teil stürzte zu Boden, und das war auch der Anfang vom Ende des Baumes: Nach mehreren Rettungsversuchen veranlasste die Untere Naturschutzbehörde die Fällung. Gut so, denn erst als der Stamm am Boden lag, zeigte sich, dass er von einem imposanten Fäulniskanal durchzogen war.

Nun erwacht er, zumindest in Teilen, zu neuem Leben. Zum Verfeuern wäre der bis zu 1,10 Meter dicke und geschätzt mehr als eine Tonne schwere Stamm zu schade gewesen. Um ihn einfach an Ort und Stelle, am Rande des Eibenhains neben dem Fluchtweg, vermodern zu lassen, erst recht. Das Interesse von Dr. Gerd Jungblut, der das nun gestartete Projekt gemeinsam mit Marlies Lendzian-Coane vom Arbeitskreis Außengelände betreut, war geweckt. Selbst Künstler, begann er sich unter Kollegen umzuhören, die Idee für ein Kunstwerk reifte. „Der Vorstand hat schließlich mehrere Angebote bewertet und sich für Matthias Schmidt entschieden“, sagt Lendzian-Coane. In Aue geboren und im sächsischen Schneeberg zum Holzbildhauer ausgebildet, siedelte Schmidt 1989 in den Taunus um, wo er von Schmitten aus als freiberuflicher Holzgestalter arbeitet.

Noch ist es erst ansatzweise zu erkennen, aber die Kronberger Burg wird mit dem „Die Aufrechten“ getauften Projekt um eine Attraktion reicher. Fünf Figuren, jede 150 bis 250 Kilogramm schwer, werden Besucher künftig im Fünfeckturm empfangen. Herrscher, Prinzessin, Bischof – Rollen also, die mit der Historie der Burg in Zusammenhang stehen. Mit bis zu 3,40 Meter Höhe werden die Stelen überlebensgroß, und alleine schon dadurch ihre majestätische Rolle auch ganz konkret ausfüllen. Dazu Schmidt: „Wenn die Figuren größer sind als man selbst, muss man unweigerlich den Kopf in den Nacken legen. Man nimmt eine andere Körperhaltung ein.“

Mit dem Fünfeckturm hat man für sie einen mehr als passenden Standort gefunden. Durch den Schacht in der Decke fällt natürliches Licht ein, die Vielfalt des

Schattenspiel

s durch das Wandern der Sonne ist bereits jetzt, wo der entstehende „Bischof“ zu Testzwecken in den Raum geschafft wurde, zu sehen. Aus Reststücken des Stammes werden zu einem späteren Zeitpunkt noch Holzsitze hergestellt, auf die sich Besucher der „Aufrechten“ dann zur Betrachtung in Ruhe niederlassen können.

In der vergangenen Woche hat Schmidt die Stelen aus dem Stamm geschnitten, die dann mit insgesamt acht Personen auf die Oberburg transportiert wurden. Eine schweißtreibende Angelegenheit bei den derzeit herrschenden Temperaturen. Ebenso wie die Holzbearbeitung selbst, für die die nötige Schutzkleidung angelegt sein muss. Wie die Figuren am Ende aussehen, hängt auch mit dem Stamm zusammen, erklärt der Holzgestalter: „Ich kann nur von außen zur Form kommen, und das Holz hält immer wieder Überraschungen wie etwa faule Stellen bereit.“

Bemerkenswert ist, dass er ausschließlich mit

Kettensäge

n und ohne sogenannte Carving-Aufsätze arbeitet, die feinere Schnitzereien ermöglichen würden. „Ich habe mich von Anfang an dagegen entschieden, um die Großzügigkeit nicht zu verlieren.“ Weiterer Vorteil: Die Figuren werden damit zahlreichere Interpretationsmöglichkeiten bieten. Holz lasse sich gut bearbeiten und zwinge ihn aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften wie Struktur oder Wuchsrichtung, sich immer wieder neu Gedanken zu machen, was daraus entstehen kann, erklärt Schmidt seine Passion. Darüber steht die Philosophie, die ihm einer seiner Lehrmeister einst mitgegeben hat: „Die Idee ist das Wichtigste.“

Am heutigen Samstag bietet sich Besuchern der Burg von 14 bis 17 Uhr die Gelegenheit, Matthias Schmidt bei seiner Arbeit über die Schulter zu schauen und ihm Fragen zu seiner Arbeit stellen. Der Eintritt kostet regulär vier Euro, ermäßigt zwei. Familien sind mit acht Euro dabei. Die Stelen sollen Ende August fertiggestellt sein. Danach stehen unter anderem noch ein Anstrich und die Befestigung auf der Agenda. Die offizielle Einweihung ist für Mitte Oktober geplant.

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