Dokumentation "Südafrika"

Fernweh im Kinoformat

Die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg haben in Zusammenarbeit mit zwei Kollegen (Torben Hagenau und Jasper Ehrich) einen wunderbaren Film über ihre weite Reise von Kapstadt nach Johannesburg gedreht. Der Film wird deutschlandweit laufen, Premiere war am Sonntag in Kronberg.

Von XENIA SCHEIN

Ein Warnhinweis am Anfang: Wer den Film gesehen hat, wird sich nicht mehr besonders an einem Zoobesuch erfreuen können. Löwen, Nashörner und Giraffen in freier Wildbahn zu beobachten ist etwas ganz anderes – selbst auf der Leinwand. Ganz nah ist das Filmteam mit Hilfe erfahrener Ranger den Tieren gekommen und bewahrte dabei stets Respekt; anders als einen Touristen im Film wird man keinen der vier Expeditionsteilnehmer je auf einem Vogel Strauß reiten sehen.

Eine besondere Stärke des Films ist es, auch Problematisches zu thematisieren und nicht unter schönen Landschaftsaufnahmen zu verstecken. Nichtsdestotrotz sind die Naturaufnahmen sehr beeindruckend. So beeindruckend, dass selbst die Einheimischen, die dem Team bereitwillig Rede und Antwort standen, von einem Gefühl der Demut angesichts der überwältigenden Schönheit der Natur sprechen. „Ab und zu muss man von seinen alltäglichen Problemen Abstand nehmen und sich das hier einfach nur anschauen“, so formuliert es einer der Interviewpartner.

Aber diese Schönheit ist auch bedroht: In Küstennähe wird überall gebaut, und selbst in privaten Wildparks können die Tiere nicht immer vor Wilderern geschützt werden. Speziell die Nashörner sind in Gefahr, da ihr Horn hohe Preise auf dem Schwarzmarkt erzielt. Auch Haie fallen zu Tausenden der Profitgier des Menschen zum Opfer. Ob ein Tauchausflug, bei dem die Haie mit Fischködern angelockt werden, das Richtige ist, um das Image der Tiere zu verbessern, das bezweifeln Christian Wüstenberg und seine Kollegen. Aber es gelingt ihnen mit ihren Aufnahmen, ein Bewusstsein für die Schönheit und Einzigartigkeit der bedrohten Tierwelt zu wecken.

Und sie gewähren tiefe Einblicke in die Kultur und das Bildungssystem dieses riesigen Landes. Eine Dokumentation in Spielfilmlänge zu produzieren, die anrührend, lustig und keine Minute langweilig ist – das ist schon große Kunst, auf deren Ergebnis alle Beteiligten stolz sein können. Das Publikum jedenfalls war beeindruckt. Silke Schranz zeigte sich sehr erleichtert über die positive Resonanz. Seine Kinotour durch ganz Deutschland kann das Team mit Rückenwind antreten: Die Premiere in Kronberg ist mit Bravour geschafft.

Weitere Vorstellungen in Kronberg: am 26. und 27. Februar jeweils um 18 Uhr und am 28. Februar und 2. März um 20.15 Uhr.

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