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„Fichtegickel“ kehren mit Glanz und „Gloria“ zurück

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Von: David Schahinian

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Sie gehen in ihren Rollen auf (von links): Ulrike Klein (als Brautmutter), Andreas Risse (Geschäftspartner des Brautvaters, den Steffen Schmidt darstellt).
Sie gehen in ihren Rollen auf (von links): Ulrike Klein (als Brautmutter), Andreas Risse (Geschäftspartner des Brautvaters, den Steffen Schmidt darstellt). © David Schahinian

Theatergruppe inszeniert ein Stück mit kurioser Situationskomik, ohne albern oder langatmig zu wirken.

Oberhöchstadt -Zwei Jahre Pause, das gab es in der nunmehr über 50 Jahre langen Geschichte der Oberhöchstädter „Fichtegickel“ noch nie. 2020 fanden Umbauten im Haus Altkönig statt, und 2021 war es der Theatergruppe aufgrund der Corona-Pandemie zu riskant, Veranstaltungen in geschlossenen Räumen anzubieten. Umso größer war das Fragezeichen, ob sie nun dort anschließen können, wo sie aufhörten - bei fünf in der Regel ausverkauften Aufführungen vor jeweils mehreren hundert Zuschauern. Die Premiere lieferte die Antwort. Sie lautet: ja und nochmals ja! „Und das am Hochzeitsmorgen“ zählt zu den kurzweiligsten Stücken, die die „Fichtegickel“ in den letzten Jahren auf die Bühne gebracht haben. Zum einen, weil keine Rolle abfällt. Zum anderen, weil die Handlung stetig nach vorne getrieben wird, ohne langatmig oder zu albern zu werden.

Braut-Papa halluziniert plötzlich

Ein kleiner Wermutstropfen bestand darin, dass die Stuhlreihen mit größerem Abstand gestellt wurden und damit weniger Publikum Platz im Saal fand. Dies war eine Sicherheitsvorkehrung, die dem ungewissen Verlauf der Pandemie in diesem Herbst geschuldet war. Worum geht es? Eigentlich um die Braut Judy Westerby (Melanie Rogwalder), die kurz vor ihrer Hochzeit steht. Es ist normal, an solch einem Tag das eine oder andere Tränchen zu vergießen. Bei ihr sind es jedoch weniger Tränen der Rührung, sondern der Verzweiflung. Ausgerechnet an diesem, an ihrem Tag scheinen Familie und Freunde vollkommen am Rad zu drehen, allen voran ihr Vater Sylvester Westerby (Steffen Schmidt). Nach dem unsanften Zusammenprall mit einer Tür ist er nicht mehr wiederzuerkennen. Äußerlich schon, doch sieht er Dinge, die die anderen nicht sehen. Ärztliche Betreuung? Geht nicht, die Hochzeitsgäste warten, und die extravaganten Eltern des Bräutigams aus Australien, gespielt von Anna Hecking und Jörg Kuschel, sollen jede Minute eintreffen. Also heißt es für den Rest der Gesellschaft, Contenance zu wahren.

Ulrich Heinecke würdig verabschiedet

Das kann nicht lange gutgehen, und das geht es auch nicht. Das Spiel lebt vor allem davon, dass die Zuschauer sehen können, was der Brautvater sieht, die anderen aber nicht. Einen schönen Überraschungseffekt haben sich die „Fichtegickel“ da ausgedacht - er wirkt, kann man sich doch genüsslich über die noch oder wieder im Dunkeln tappenden Charaktere amüsieren. Da wären zum Beispiel die Brautmutter Jane Westerby (Ulrike Klein) und ihre Schwester Daphne Drimmond (Birgit Kühn), die verzweifelt retten wollen, was nur noch bedingt zu retten ist. Oder Bill Shorter (Andreas Risse), der Geschäftspartner des Brautvaters, der mehr als einmal nahe dran ist, selbst den Verstand zu verlieren. Die Kirsche auf der Sahne ist Janes Schwager Gerald Drimmond (Christoph Müller), ein begriffsstutziger, aber liebenswerter Tollpatsch. Damit nicht genug, warten die „Fichtegickel“ zusätzlich noch mit einem „Mann für alle Fälle“ (Jörg Kouth) und einem „Disco-Girl“ namens Gloria (Sophia Kulick) auf. Auch Yvonne Schmidt als Co-Regisseurin neben Jörg Kuschel, Souffleuse Barbara Falland, Bühnenbildner Gerhard Patterer und Marcel Falland sowie Steffen Reiter in der Technik tragen ihren erwähnenswerten Teil zum Gelingen bei.

Rührend fiel schließlich nicht nur das offizielle, sondern auch das inoffizielle Ende der Premiere aus. Über viele Jahre waren „Fichtegickel“-Stücke ohne Ulrich Heinecke undenkbar. Mit 70 Jahren und in der langen Spielpause entschied er, in den Theater-Ruhestand zu gehen. Ihm gehörte die Bühne noch einmal für kurze Zeit ganz alleine: Das Publikum verabschiedete sich gebührend von ihm, das Ensemble überreichte ihm eine Collage mit Fotos von seinen schönsten Rollen.

Christoph Müller überzeugt als Schwager der Brautmutter, die auch eine modisch gekleidete Schwester hat (Birgit Kühn).
Christoph Müller überzeugt als Schwager der Brautmutter, die auch eine modisch gekleidete Schwester hat (Birgit Kühn). © David Schahinian

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