Zwei der drei Karlsruher Netzgiraffen, die in Kronberg Zuflucht gefunden haben.
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Zwei der drei Karlsruher Netzgiraffen, die in Kronberg Zuflucht gefunden haben.

Tierisch gut

Giraffen erholen sich in Kronberg von Baulärm

  • VonBoris Schöppner
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Die Karlsruher Netzgiraffen sind im Opel-Zoo angekommen.

Kronberg -Den Pressevertretern zeigten die Neuen aus Karlsruhe lange Zeit die kalte Schulter. Die drei Netzgiraffen Nike, Wahia und Dhakiya (Rufname Maja) hielten sich im hinteren Teil des Giraffenhauses auf und schauten zur Wand, während sich die Medienschaffenden jenseits der gegenüberliegenden Glasscheibe aufhielten, um sich ein Bild von den neuen Tieren zu machen, die in der vergangenen Woche einzeln von Karlsruhe nach Kronberg transportiert wurden: Am Mittwoch kam Giraffe Maja an, am Donnerstag folgte Wahia und am Freitag traf Nike mit einem weiteren Transport ein.

Nachdem die Bauarbeiten an der neuen Karlsruher Savannen-Anlage die Tiere in Unruhe versetzten, musste recht kurzfristig ein Ausweichquartier für sie gefunden werden und der Opel-Zoo sagte Hilfe zu.

"Diese Unterstützung ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhalt in der Zoogemeinschaft, und ich kann Dr. Thomas Kauffels, dem Direktor des Opel-Zoo, und seinen Mitarbeitern nur danken, dass wir so schnell zum Wohle der Tiere handeln konnten", so der Karlsruher Zoodirektor, Dr. Matthias Reinschmidt.

Vorübergehend sind nun also zwei verschiedene Unterarten, nämlich die Rothschildgiraffe (Giraffa camelopardalis rothschildi) und die Netzgiraffe (Giraffa camelopardalis reticulata) im Opel-Zoo zu sehen. Für beide Unterarten bestehen so genannte Europäische Ex situ Programme (EEPs), in denen die Nachzuchten der europäischen Zoos koordiniert werden. Zuchtbuchkoordinator ist Jörg Jebram, Kurator im Opel-Zoo. Er erläutert: "Nachdem wir erst kürzlich den in Kronberg geborenen Jungbullen Kiano abgegeben haben und zurzeit keine Zuchtgruppe, sondern nur weibliche Tiere pflegen, konnten wir die drei weiblichen Karlsruher Giraffen gut aufnehmen."

Im Opel-Zoo hat die Haltung von Rothschildgiraffen eine 30-jährige Tradition, aber auch Netzgiraffen wurden seit 1961 30 Jahre lang im Freigehege gehalten. Unterschiede in der Haltung und der Ernährung gibt es laut Auskunft von Zoodirektor Dr. Thomas Kauffels zwischen den beiden Giraffenarten nicht. Er führt aus, dass die Netzgiraffen von der Weltnaturschutzbehörde IUCN derzeit als "stark gefährdet" und damit zwei Stufen höher als die Rothschildgiraffen ("potenziell gefährdet") eingestuft würden und auch das EEP die Zuchtbemühungen der Unterart Netzgiraffe wieder forciere. Mittelfristig sei im Opel-Zoo geplant, wieder eine Zuchtgruppe Netzgiraffen. So ist vorgesehen von den drei Gästen Dhakiya in Kronberg zu behalten. Ihr sollen eine weitere Kuh und ein Bulle Gesellschaft leisten. Ab wann, das entscheidet der Zuchtbuchführer.

Die Ankunft der Netzgiraffen läutet einen Wechsel bei den Giraffen ein. In absehbarer Zukunft werden die beiden Rothschildgiraffen Katharina und Maud den Opel-Zoo verlassen müssen. Gestern ließen sie sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen: Sie behielten die Journalisten im Auge, waren ihnen die ganze Zeit des Pressetermins zugewandt und wunderten sich bestenfalls darüber, dass kaum jemand seine Kameras auf sie richtete. Boris Schöppner

Die Rothschildgiraffen Katharina (liegend) und Maud (rechts) werden den Zoo irgendwann verlassen.

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