Glanzvolle Rückkehr des Adlers

  • vonDavid Schahinian
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Nach einer gründlichen Restaurierung hängt der namensgebende Adler seit gestern wieder über der Traditionsgaststätte in der Kronberger Altstadt. Ein weiterer kleiner, aber symbolträchtiger Schritt in Richtung Eröffnung, auch wenn bis dahin noch Geduld gefordert ist.

„In bedauerlichem Zustand“ sei der doppelköpfige Adler gewesen, der über dem Eingang von Kronbergs gleichnamiger Traditionsgaststätte in der Altstadt thronte. Deshalb haben ihn die beiden Bauherren-Familien Schulte-Hillen und Röder für rund zwölf Wochen nach Dresden zur Kur geschickt, wo er in einem spezialisierten Fachbetrieb komplett restauriert wurde.

„Der Reichsapfel in der linken Kralle beispielsweise war komplett abgebrochen“, sagt Sven Schulte-Hillen. Er wurde komplett nachgebaut, der alte Gold-Ton mit roten Einsprengseln wieder aufgetragen.

Gestern Vormittag war es so weit: Unter den Blicken einiger schaulustiger Passanten wurde das runderneuerte Wahrzeichen wieder dort angebracht, wo es hingehört. Es war buchstäblich kein leichtes Unterfangen: „40, 50 Kilo“ schätzt Christopher Dietz von der Schmiede Scheller in Kronberg das Gewicht des Vogels, während er auf dem Gerüst kniet und die Halterungen festzieht.

Die gesamte Aufhängung wurde komplett neu gestaltet, berichtet sein Chef Friedel Scheller: „Früher hing das nur noch an einem kleinen Drahtseil.“

„Wir haben noch nicht herausfinden können, woher er eigentlich kommt“, so Schulte-Hillen weiter. Eine „sehr ambitionierte historische Auslegung“ aber hat er parat: Doppelkopfadler wie jener in Kronberg seien eher für freie Reichsstädte üblich gewesen: „Vielleicht haben ihn die Kronberger in der Schlacht von 1389 geklaut und hierher gehängt“, sagt er lachend. 1680 jedenfalls werde erstmals schriftlich ein „als schwarzer Adler bekannter Gasthof“ erwähnt. Die Datierungen weisen also auf das Ende des 17. Jahrhunderts hin, „er könnte aber auch älter sein“.

Und wie sieht’s drinnen aus? „Wir arbeiten derzeit unter anderem an der Fertigstellung der Wohnungen und des Lauer-Ladens“, antwortet Schulte-Hillen. Auf ein Eröffnungsdatum wollen sich die Bauherren trotz vieler Nachfragen nach wie vor nicht festlegen. Erdzhan Mahmudov von der direkt neben dem Adler gelegenen Schneiderei Mert aber wartet bereits darauf. Er finde es zwar schön, die Wiedergeburt der Gaststätte mitzuverfolgen. Einige Kunden seien jedoch schon weggeblieben – unter anderem, weil die Baustelle teilweise bis vor seine Eingangstür reichte. Mahmudov: „Aber wir hoffen, dass sie nach der Eröffnung alle wiederkommen und die ganze Altstadt belebter wird.“

In anderen Bereichen haben die Bauherren schon für eine kleine Kronberger Konjunktur gesorgt: Die Gewerke wurden zu großen Teilen an heimische Unternehmen vergeben. So packte gestern neben Scheller auch Martin Ritschel von Elektro Jung mit an. Die Hintergrundbeleuchtung des Schriftzugs leisten stromsparende LED-Lampen. Die künftigen Mieter dürfen sich zudem über modernsten Komfort freuen: „Die Schalter werden alle einzeln programmiert und sind später beispielsweise vom iPhone aus bedienbar.“ Scheller ergänzt: „Es ist schon etwas Besonderes, in einem solchen historischen Bau arbeiten und auch experimentieren zu dürfen.“

Beide heben – obwohl Schulte-Hillen gerade nicht in der Nähe steht – hervor, wie froh sie sind, dass die Bauherren „so viel

Mut und Geld

“ aufwenden, um den Adler zu restaurieren. Scheller: „Jahrzehntelang wurde hier nur notdürftig repariert.“ Lange wäre das nicht mehr gutgegangen, glaubt Ritschel: „Manche Balken bestanden mehr oder weniger nur noch aus Holzstaub.“ Dessen sind sich offensichtlich auch die Bürger bewusst. Trotz teilweise erheblicher Einschränkungen, Lärm und Staub sei die Resonanz von Passanten, die an der Baustelle vorbeikommen, sehr positiv, stimmen beide überein.

Eine Sonderbehandlung gibt es aber auch für die Bauherren nicht, wie Schulte-Hillen beim Weggehen verschmitzt lachend erzählt: „Ich habe letztens direkt am Adler geparkt – und prompt ein Knöllchen bekommen.“

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