Theater

"Glückliche Zeiten" - mit den hannemans

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Glück ist ein flüchtiger Zustand. Diese Erfahrungen machen die Charaktere in „Glückliche Zeiten“ von Alan Ayckbourn. Das Theaterstück ist anspruchsvoll zu spielen. „Die hannemanns“ wagen sich dran.

Eine rasante Verwechslungskomödie wäre einfacher zu inszenieren gewesen, da ist sich Harald Soldan sicher. „Da geht dort eine Tür zu, und hier eine Tür auf“, fasst er die Handlung der Stücke aus dem eher klamaukigen Fach zusammen. Damit hat das, was sich der Gastregisseur vorgenommen hat, nicht das Geringste zu tun.

Dabei handelt es sich auch bei „Glückliche Zeiten“ (Time of My Life) von Alan Ayckbourn um eine Komödie. Eine, die die Erzählstruktur auf den Kopf stellt. Das Stück beginnt mit dem Ende. Das tragisch-komische Stück, das die Theatergruppe „die hannemanns“ im November aufführen will, hat es in sich. Die Handlung entwickelt sich nicht linear, es gibt – wie im Film – Vor- und Rückblenden. Das Bühnenbild ist reduziert. Viel geschieht nicht außerhalb der Dialoge.

Im Zentrum steht die Zusammenkunft der Familie Stratton anlässlich des 54. Geburtstages von Mutter Laura (Carmen Töpfer). Ihre beiden Söhne Glyn (Gero Teufert) und Adam (Thomas Sterzel) kommen mit ihren Partnerinnen. Glyn mit Stephanie (Katrin Lena Greiner). Die beiden haben eine veritable Ehekrise ausgestanden und wieder zueinander gefunden. Aus den Bemerkungen von Vater Gerry (Wolfgang Thöns) wird klar, der Sohn hatte sich auf amouröse Abwege begeben.

Adam hat das erste Mal seine Maureen (Annette Sterzel) bei einem Familienfest dabei. Die Friseurin wird von der Mutter argwöhnisch betrachtet. Die derbe Ausdrucksweise und der Hang zu alkoholischen Getränken unterstützen ihren Eindruck, dass das nicht die richtige Frau für ihren Lieblingssohn ist... Gefeiert wird im Restaurant. Immer dabei die Kellner Michael Hoffmann, Elham Adolph, Jürgen Völger.

Im Laufe des Stückes wissen die Zuschauer mehr von den bevorstehenden Ereignissen und Katastrophen als die Charaktere auf der Bühne. „Ich habe das Stück wie einen Krimi gelesen“, sagt Harald Soldan. Er hatte sich für „Glückliche Zeiten“ entschieden – unter vier Titeln, die zur Auswahl standen. Um es mit den „hannemanns“ auf die Bühne zu bringen, waren einige Adaptionen und Änderungen erforderlich. Weil keine sehr jungen Schauspieler zur Verfügung standen, mussten auch die Eltern älter sein. Soldan hat selbst gecastet. „Es gab deutlich mehr Personen als Rollen zu vergeben waren.“

Die „hannemanns“ wollten sich mit einem Gastregisseur neue Impulse holen, erklärt Elke Grünhagen. Und für Soldan ist es eine besondere Erfahrung, sich nur auch das Regieführen konzentrieren zu können, ohne in die Vereinsstruktur eingebunden zu sein. Seine Heimatbühne ist das Erste Anspacher Kulturtheater, wo er auch als Schauspieler auftritt.

Seit April erarbeiten sich die „hannesmanns“ das Stück. Neben Proben für die Szenen, bei denen alle auftreten, gibt es auch Proben in kleinen Teams, bei denen die Zweierszenen einstudiert werden. Manchmal treffen sich die Freizeitschauspieler, manchmal setzten sie Skype ein.

An diesem Montagabend im Keller der Stadthalle hapert es an machen Stellen mit dem Text. Das bringt das Spiel aus dem Rhythmus, denn das Timing ist bei „Glückliche Zeiten“ von immenser Bedeutung. „Wenn ich die Souffleuse öfter höre als die Schauspieler, dann bringt es uns nicht weiter“, zeigt sich der Regisseur verstimmt. In Panik verfällt niemand, schließlich stehen bis zur Aufführung noch etliche Proben und zwei Probenwochenenden an.

Davon, wie sehr sich der Aufwand der gelohnt hat, können sich die Kronberger ein Bild machen bei der Premiere am Samstag, 24. November, 20 Uhr, oder bei der Aufführung am Sonntag, 25. November, 17 Uhr, jeweils in der Stadthalle Kronberg.

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