IG Guaita-Park lässt nicht locker

  • vonNadine Klein
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Die Interessengemeinschaft Guaita-Park hat von einem Sachverständigen für Baumpflege ein Gutachten erstellen lassen. Es soll belegen, dass in dem Park gesunde Bäume gefällt wurden. Dem widerspricht die Stadt vehement.

„Hat die Stadtverwaltung Fällgenehmigungen rechtswidrig erteilt?“ Mit dieser provokanten Frage überschreibt die Interessengemeinschaft (IG) Guaita-Park ihre jüngste Pressemitteilung, in der sie die Ergebnisse eines von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens vorstellt. Erstellt wurde es von Prof. Dr. Ulrich Weihs von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er hat sich von der IG zur Verfügung gestellte Fotos von Baumstümpfen der im Guaita-Park gefällten Bäume angesehen. Weihs komme zu dem Ergebnis, dass neben einer Reihe von Bäumen, die auf der Fällebene stärkere Schäden aufwiesen, der überwiegende Teil gesund gewesen sei, sagt IG-Sprecher Prof. Harald Jossé.

Wie berichtet hatte die Stadt genehmigt, dass der neue Besitzer, die Real Estate GmbH aus Königstein, im Zuge von Pflegemaßnahmen auf dem Gelände der ehemaligen Abs-Villa 40 Bäume fällen lassen und 13 Habitat-Bäume stark zurückschneiden darf. Die IG, die das Gelände im vergangenen Jahr bereits von einem Vogelexperten des Nabu hatte untersuchen lassen, kritisiert auch den Rückschnitt der Bäume. Ihr Sprecher, Professor Harald Jossé, zitiert Professor Weihs mit der Aussage, dass die Schnittmaßnahmen „zu einer bleibenden Verstümmelung der betroffenen Bäume führen, die einem Totalschaden gleichkommen“.

Das Gutachten lege nahe, dass die vom Magistrat genehmigte Fällung und der Rückschnitt von Bäumen teilweise rechtswidrig gewesen sei, sagt Jossé. Der Magistrat habe es unterlassen, die Vitalität der Bäume von Amts wegen zu ermitteln und insbesondere ein Gutachten auf Kosten des Grundstückseigentümers dazu einzuholen. „Eine solche Sorgfalt hätte ausweislich des jetzt von der Interessengemeinschaft vorgelegten Gutachtens von Professor Weihs nicht nur zahlreiche Bäume gerettet, sondern auch den Fortpflanzungsraum geschützter Tierarten gesichert“, sagt Jossé.

Die IG fordert deshalb die Untere und Obere Naturschutzbehörde sowie das Amt für Denkmalpflege auf, die weiteren Arbeiten sofort zu unterbinden und deren Notwendigkeit zunächst sorgfältig untersuchen zu lassen. Bereits jetzt seien die Nist-, Brut- und Rückzugsplätze zahlreicher Tiere mit hoher Wahrscheinlichkeit zerstört.

Sowohl die Stadt als auch die Real Estate weisen die Anschuldigungen zurück. Die Real Estate wollte sich gestern noch nicht dazu äußern, kündigte aber an, kurzfristig umfassend Stellung zu nehmen. Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) betont, dass genau das, was die IG fordert, vor den Pflegemaßnahmen gemacht wurde, nämlich eine Begutachtung durch das Umweltamt der Stadt, die Untere Naturschutzbehörde und das Landesamt für Denkmalschutz. Er relativiert die Aussagen des Gutachtens, denn schließlich habe Prof. Weihs nur versucht, aus Fotos das herauszulesen, was man herauslesen kann. „An den Schnittflächen von Bäumen sind aber nicht alle Schäden zu erkennen“, gibt Odszuck zu bedenken. Pilzbefall etwa könne man dort nicht sehen. Auch komme der Gutachter nicht zu den Schlussfolgerungen, die Jossé ziehe. Das Grundstück sei schon seit mehreren Jahren nicht gepflegt worden. „Der neue Eigentümer wollte keine Risiken eingehen und hat umsturzgefährdete Bäume beseitigen lassen“, sagt der Erste Stadtrat.

Die IG geht weiterhin davon aus, dass die Real Estate Pläne verfolgt, auf dem Gelände zu bauen. Sie setzt sich dafür ein, den aktuell gültigen Bebauungsplan beizubehalten und ihn nicht im Rahmen des geplanten Stadtentwicklungskonzeptes weiter aufzuweichen oder gar aufzuheben. Odszuck betont wie schon in der Vergangenheit, dass nicht vorgesehen sei, den B-Plan zu ändern. Und dieser lasse eine Bebauung nur auf kleinen ausgewiesenen Flächen zu. Dass im Zuge des neuen Stadtentwicklungskonzepts eine Nachverdichtung, allerdings nur am Rande des Areals in Richtung Königsteiner Straße, Thema sein könnte, will Odszuck nicht ausschließen. Denn bei einer offenen Diskussion über die weitere Entwicklung von Siedlungsflächen müsse über alles gesprochen werden. Doch bisher habe man darüber noch nicht mal ansatzweise nachgedacht.

Die IG hat derzeit nach Jossés Angaben rund 40 Mitglieder. Das seien überwiegend Anwohner. Er ist sich aber sicher, dass die Zahl der Mitglieder deutlich steigen werde, sollten sich Baupläne abzeichnen. Die IG hat nun auch eine eigene Website: .

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