Kronberger SPD

Günstiges Wohnen hat seinen Preis

  • schließen

Das Unterfangen, bezahlbaren oder günstigen Wohnraum zu schaffen, beschäftigt Politik und Verwaltung seit geraumer Zeit. Die Kronberger SPD blickte jüngst bei einer Veranstaltung über den Tellerrand, um nach Impulsen für die Burgstadt zu schauen. Für Oberhöchstadt legte die Vertreterin der OWG sogar schon einen Konzeptentwurf für die Erneuerung ihrer Häuser in der Friedenstraße vor.

Im Grunde ist alles ganz einfach: Der Mietpreis errechnet sich aus den Renditeerwartungen des Vermieters und den Kosten. Die Kosten setzen sich wiederum aus den Bau- und Wartungskosten und dem Grundstückspreis zusammen. Und da wird es schon kompliziert, zumindest dann, wenn die Akteure bestrebt sind, günstigen Wohnraum zu schaffen. Denn wenn Kommunen eigene Grundstücke veräußern, müssen sie marktübliche Preise verlangen, wollen sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen, sie würden Steuergelder verschleudern.

Ein Instrument, anderen Kriterien Geltung zu verschaffen, ist die sogenannte Konzeptvergabe. Das war einer der Punkte, um den es bei der Veranstaltung der Kronberger SPD im gutgefüllten Dallessaal in Oberhöchstadt ging. Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel (SPD) konnte von seinen Erfahrungen mit diesem noch relativ unbekannten Vergabeverfahren berichten, auch wenn es bei den zwei Projekten, die er vorstellte, nicht um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gegangen war. Bei der Neuen Mitte war die städtebauliche Zielsetzung für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses, die Nahversorgung (Bank, Supermarkt, Bäckerei, Drogerie) zu integrieren. Bei einem weiteren Wohnprojekt wurden elf Zuschlagskriterien mit unterschiedlicher Gewichtung festgelegt. Die Bevölkerung (und die Politik) können bei der Diskussion um die Kriterien einbezogen werden. Die eigentliche Konzeptvergabe ist dann allerdings ein geheimes, sprich nichtöffentliches Verfahren.

Michael Henninger (CDU), Sprecher der Geschäftsführung der Frank Heimbau Main/Taunus, berichtete von den Erfahrungen, die er mit der mehrstufigen Konzeptvergabe beim Projekt „Ökosiedlung in Friedrichsdorf“ gesammelt hat. Dem sei in der Hugenottenstadt eine breite Diskussion mit der Bevölkerung um die Ziele vorausgegangen. Wichtig für ihn: Ein solches Konzept müsse auch über Wahlen hinweg halten. Anders formuliert: „Man braucht eine breite Mehrheit, sonst gibt es nur blutige Nasen.“

Er wies auf Faktoren hin, die Wohnraum verteuerten. So nannte er Tiefgaragen „ein teures Vergnügen“. Selbst in der einfachsten Ausführung koste dort ein Stellplatz 20 000 Euro. Bei den Aufzügen sind es die jährlichen Betriebskosten, die den Mietzins in die Höhe trieben. Die laufende Kosten betragen pro Jahr 3000 Euro. Bei einem Haus mit fünf Wohneinheiten (zwei Geschosse und ein Dach) macht das 600 Euro (50 Euro im Monat) für den jeweiligen Mieter aus. Bei 15 Wohneinheiten liegen die Kosten im Jahr bei 200 Euro pro Wohnung. „Auch energetische Standards kosten Geld – und Fläche“, gab Henninger zu bedenken.

Die Baukosten können laut Birgit Welter, hauptamtlicher Vorstand der Oberurseler Wohnungsgenossenschaft, von den Kommunen durch die Stellplatzsatzung und das Zulassen (maßvoller) Nachverdichtung beeinflusst werden. Bezahlbarer Wohnraum könne nur dann geschaffen werde, wenn es die Kommune will, sagte Welter.

„Da Wohnen ein Grundrecht ist, hat die Stadt die Pflicht, kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, machte Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) seinen Standpunkt klar. Deshalb solle sie auch ihre rund 200 eigenen Wohnungen behalten. Eine seiner Prämissen sei es, Grundstücke aus der Spekulation zu nehmen. Da seien Kooperationen mit Baugenossenschaften denkbar. Auch über Erbpacht müsse nachgedacht werden.

Akut stellt sich für Kronberg die Frage, wie mit dem Baufeld V am Bahnhof (ein Hektar) und am Altkönigblick (zwei Hektar), dem Gelände also, das bislang von der als Sportplatz genutzt wurde. Dort soll in der zweiten Jahreshälfte eine Planwerkstatt eingerichtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare