Gewaltaufruf

AfD Hochtaunus nennt umstrittenen Facebook-Post "unglücklich"

  • schließen

"Unglücklich" und "taktisch ungeschickt": So bezeichnet die AfD-Fraktion Hochtaunuskreis einen mittlerweile gelöschten Facebook-Post, in dem sie unverhohlen über Gewalt gegen Journalisten spekuliert. Vom Inhalt distanzieren möchte sie sich aber nicht.

Im Zuge der erschreckenden Vorkommnisse in Chemnitz tauchte am Dienstagvormittag auf der Facebook-Seite der Hochtaunus-AfD ein verstörender Post auf. Darin wurden die „Staatsberichterstatter“ aufgefordert, sich vom System abzuwenden und endlich die Wahrheit zu berichten. Denn wenn erst mal die Stimmung kippe, sei es zu spät. Höhepunkt der Äußerung – ein Hinweis, den man auch als Aufruf zur Lynchjustiz interpretieren könnte. Schließlich seien schon bei anderen Revolutionen Funkhäuser und Presseverlage gestürmt „und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt“ worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD-Fraktion im für Furore sorgt. Ihre parlamentarische Arbeit ist ein Mix aus Forderungen, die nicht in die Kompetenzen eines Kreistages  fallen und einer an Sachthemen orientierten Politik. Immer wenn die Truppe um  Fraktionschef Thomas Langnickel über die verbindliche Feststellung des Alters von Schutzsuchenden, die  Rückführung abgelehnter Asylbewerber oder den sofortigen Aufnahmestopp von Flüchtlingen im Kreis sowie deren konsequente Abschiebung spricht, geht ein genervt klingendes Raunen durch die Reihen der „etablierten“ Parlamentarier.

Ein anderes Mal wird die Senkung der Mittel zur Integrationsförderung gefordert, während man wenig später eine Erhöhung der Mittel für den Bienensachverständigen fordert. Ans Rednerpult im Kreistag tritt   vor allem der parlamentarische Geschäftsführer. Michael Dill war einst in der CDU und galt als Zögling des seinerzeit so mächtigen Kreisvorsitzenden Jürgen Banzer. Jetzt warnt der in Steinbach wohnende Dill vor „arabischen Gangs“ und beschwört „bürgerkriegsähnliche Zustände“ auf den Straßen – und zielt damit nicht auf die Nazi-Aufmärsche in Chemnitz ab.

In Oberursel hat man es mit einem stark polarisierenden AfD-Fraktionschef zu tun. Peter Lutz tritt gerne aggressiv auf und attackiert immer wieder seine Parlamentskollegen aufs Schärfste. In der Mai-Sitzung wurde er dafür vom Stadtverordnetenvorsteher Gerd Krämer gerügt, in der Juni-Sitzung verließen ein Großteil der Parlamentarier den Saal.

Im Oberurseler Stadtparlament gab es jüngst einen Eklat um AfD-Fraktionschef Peter Lutz. Parlamentarier beklagen ein  aggressives Auftreten des AfD-Manns und dass er mitunter Kollegen attackiere. In der Mai-Sitzung wurde er von Stadtverordnetenvorsteher Gerd Krämer deshalb gerügt, in der Juni-Sitzung verließ ein Großteil der Parlamentarier aus Protest den Saal. Am unauffälligsten verhält sich die AfD in Bad Homburg.  Verbale Entgleisungen blieben bislang aus, und auch die Themenwahl ist moderat.

Was für neutrale Beobachter angenehm ist, könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die dreiköpfige Fraktion dem Anschein nach mehr damit beschäftigt ist, sich selbst zu zerfleischen. Im Sommer vergangenen Jahres wurde mit Peter Münch ein prominenter Vertreter der AfD aus der Fraktion geworfen. Der Rechtsanwalt, ehemals Republikaner, saß im Landesvorstand der Alternative, galt  Partei-intern aber als Wackelkandidat. Jetzt zerstritten sich auch die beiden verbliebenen Mitglieder – über die Frage, ob man Münch wieder in die Fraktion aufnehmen soll oder nicht.

Doch was sagt Thomas Langnickel zu dem toxischen Post auf der Homepage des AfD-Hcchtaunus’? „Der Kollege, der diesen Text auf die Seite gesetzt hat, hatte eine ganz andere Intention“, so Langnickel. Diese nun im Umlauf befindliche Interpretation sei so von ihm nicht beabsichtigt gewesen. Er habe sich da wohl durch die seit Chemnitz so aufgeheizte Stimmung mitreißen lassen. Langnickel nennt das Vorgehen seines Mitarbeiters „taktisch ungeschickt“ und in der Wortwahl „unglücklich“. Die Frage, ob er sich vom Inhalt distanziere, will Langnickel dann nicht mehr kommentieren. Allerdings habe der Facebook-Beauftragte seinen „Fehler“ eingesehen. War vielleicht alles gar nicht so gemeint . . .?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare