Unwetter

Hochwasserschutz: Vorbereiten auf die nächste Regenflut

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Die Bürger sollen im wahrsten Sinne des Wortes nicht im Regen stehen gelassen werden: In der Kronberger Stadtverordnetenversammlung herrschte am Donnerstagabend große Einigkeit darüber, dass sich die Stadt besser auf den Klimawandel einstellen sollte. Im November findet eine Bürgerversammlung zum Hochwasserschutz statt.

Der Schock am 9. Juni 2018 war nachhaltig: Ein schweres Gewitter brachte bis zu 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, und das in rund einer halben Stunde. Viel zu viel jedenfalls für die Kanalisation in Kronberg, Oberhöchstadt und Schönberg. Die Feuerwehr musste zu rund 200 Einsätzen ausrücken, viele Keller wurden überflutet.

Die Wählergemeinschaft „Kronberg für die Bürger“ (KfB) hatte die Überprüfung der Abwasserkapazitäten in allen drei Kronberger Stadtteilen beantragt. In eine ähnliche Richtung ging das Ansinnen der CDU: Sie wollte das Kanalsystem durch ein externes Expertenbüro überprüft wissen.

Im Gegensatz zum amtierenden US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump fand sich in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag im Kronberger Rathaus niemand, der den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen hielt. „Wir werden künftig häufiger mit Extremwetter zu tun haben. Mit unserem Antrag reagieren wir auf die Situation“, sagte Alexa Börner, Co-Fraktionschefin der KfB.

Der Antrag umfasste nicht nur die Überprüfung der Kapazitäten des Kanalsystems und der Rückstaubecken, sondern unter anderem auch die Einladung zu einer Bürgerversammlung sowie die Suche nach „ökonomisch und ökologisch effizienten Alternativen“ zur Kanalerweiterung. Diese, das hob Erster Stadtrat Robert Siedler (parteilos) am Donnerstagabend erneut hervor, ließen sich allein schon aus Kosten- und Platzgründen nicht beliebig anpassen. „Wir sind gut aufgestellt“, versicherte er.

Damit antwortete er insbesondere auf Max-Werner Kahl (CDU), von dem er sich und die Verwaltung als „Armleuchter“ hingestellt sah. „Der Bürger hat das Nachsehen. Nichtstun wird zu einer Katastrophe“, sagte Kahl und provozierte damit die Replik des Ersten Stadtrats. Die Christdemokraten interessierten sich für die Gründe der nicht abführbaren Wassermassen, den Zusammenhang der Überschwemmungen mit den fortlaufenden Grundstücksverdichtungen sowie erfolgversprechende Schutzmaßnahmen für zukünftige Unwetter. Das alles soll ein Expertengutachten klären – möglichst bereits bis Ende November.

„Der Klimawandel ist in Kronberg angekommen“, daran gab es für Udo Keil (Grüne) nichts zu deuteln. Die Starkregenereignisse und der Wassernotstand aufgrund der Hitzeperioden gehörten für ihn zusammen. „Beides wird den Bürgern und uns noch vieles abverlangen.“ Für seine Fraktion stellte er einen Ergänzungsantrag, der später, wie auch die Anträge der KfB und der CDU, einstimmig angenommen wurde: Geprüft werden soll die Schaffung von Retentionsflächen oder der Bau von Dämpfungsbecken im Bereich des Waldwiesenbachs und des Schönbergbachs.

Helga Michaelis (SPD) vertraute darauf, dass die in Kronberg vorhandenen Kanalsysteme geltenden Normen entsprechen – und lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass sowohl die Stadt als auch jeder einzelne Bürger präventiv tätig werden könne. Als Beispiele nannte sie die Reduzierung des Holzeinschlags, die Renaturierung von Bächen, die Begrünung von Garagendächern oder den Austausch von asphaltierten Einfahrten durch Rasengittersteine.

Im Thema bleibt Bewegung: Mehrheitlich angenommen wurde im Parlament auch die Gefahrenabwehrverordnung über die Einschränkung des Wasserverbrauchs bei Notständen in der Wasserversorgung. Mit ihr können Zuwiderhandlungen im Notfall auch sanktioniert werden. Zudem kündigte Stadtverordnetenvorsteher Andreas Knoche (CDU) eine Bürgerversammlung für Montag, 5. November, an, in der der Hochwasserschutz ein Thema sein wird. Um Sicherheit geht es auch bei den anderen Tagesordnungspunkten: So sollen der Präventionsrat der Stadt Kronberg sowie das Programm „Kompass“ vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um ein neues Angebot des hessischen Innenministeriums. Die Burgstadt hat sich erfolgreich für die Teilnahme beworben.

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