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Hotels in Kronberg

Hotels müssen sich neu aufstellen

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Die Bedeutung des Messegeschäfts für Kronberger Hotels hat stetig abgenommen. Kann Stadtmarketing neue Gästegruppen anlocken?

Wer an „Hotel“ im Rhein-Main-Gebiet denkt, der verbindet damit vermutlich immer noch die Vorstellung, dass auch im Frankfurter Umland viele absteigen, die beruflich mit einer der vielen Frankfurter Messen zu tun haben. Der Autor dieser Zeilen kann sich noch an seine Studienzeit erinnern, als er als Taxifahrer verzweifelte Reisende, die am Frankfurter Flughafen gestrandet waren, bis nach Heidelberg bringen musste, weil alle näheren Hotels wegen der Internationalen Sanitärsausstellung, auch „Interklo“ genannt, ausgebucht waren. Das waren andere Zeiten – und der Fahrpreis wurde noch in Mark beglichen. Mittlerweile spielt das Messegeschäft eine untergeordnete Rolle, sagt Claudius Jeß vom Posthaus. Geblieben seien einige Stammkunden, die nach wie vor regelmäßig zur Buchmesse kommen. Das Gros bleibt aber weg. Jeß weiß auch warum: „Seit 2000 hat sich die Bettenzahl in Frankfurt verdoppelt.“

Auch Petra Weidmann vom Concorde Hotel Viktoria weiß um diesen Trend: „Auch die letzte Firma, die hier regelmäßig zur Messe gekommen ist, ist weg. Die wollen es lieber zentral.“ Das Messe-Thema ist also Vergangenheit? „Nicht so ganz, einen Gast habe ich noch!“, sagt Weidmann.

Die Auslastung ihres Hauses liege relativ stabil bei 50 Prozent. „Da sind noch Kapazitäten frei.“ Ihr Geschäft ist die Unterbringung jener Gäste, die etwas bei den Kronberger oder Schwalbacher Unternehmen zu erledigen haben. Weidemann hält ein Businesshotel am Bahnhof für „nicht unbedingt notwendig“. Zumal sie über die Hotellandschaft in Kronberg sagt: „Hier ist von jeder Qualität und für jedes Budget etwas vorhanden.“ Da ist zum einen das Hotel Hebron in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, da ist zum anderen im Luxus-Segment das Schlosshotel. Und es gibt neben Viktoriahotel und Posthaus, den Schützenhof, das Haus Altkönig und den Kronberger Hof. Hinzukommen Privatvermieter.

Was die Bettenbelegung betrifft, spricht Jeß von einer leichten Erholung. Das zeigen auch die Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes, wonach von Januar bis Oktober 2015 43 531 Übernachtungen in Kronberg registriert wurden, während es 2013 42 165 Übernachtungen waren.

Die große Frage, die sich nun für Kronberg stellt angesichts der Diskussion um die Einführung eines professionellen Stadtmarketings: Könnten die Hotels davon überhaupt profitieren? Bislang sind klassische Touristen im Posthof eher die Ausnahme als die Regel (laut Jeß kommen ein bis zwei Touristen im Monat). „Dass der Tourismus noch ein gewisses Potenzial birgt, ist klar“, sagt Jeß. Ein Programm zu bieten, das Gäste nach Kronberg zieht, und gleichzeitig die ganze Region als Pfund zu sehen, mit dem man wuchern kann, sei nicht ganz einfach. Die Fragen seien: „Wie vertreibe ich das? Wie bekomme ich das an die Kunden?“ Schließlich liege Frankfurt direkt vor der Tür – und das klingt bei Jeß so, als ob es sowohl ein Vorteil, als auch eine Erschwernis sein könnte.

Jeß, der sich im Verein Tourismusförderung in Kronberg (TiK) engagiert, sieht professionelles Stadtmarketing vor allem als Bindeglied zwischen Stadt und dem Taunus Touristik Service, der im Auftrag seiner Mitgliedskommunen und -organisationen die touristischen Angebote des Mittelgebirges anpreist. Der ehrenamtliche Verein TiK wiederum springt da ein, wo er gerade Lücken entdeckt: sei es beim Gastgeberverzeichnis oder bei Anfragen zu Stadtführungen.

Wer möchte, dass seine Gäste mehr als nur eine Nacht bleiben oder dass sie wiederkommen, weil sie den Eindruck haben, sie haben noch nicht alles gesehen, der muss nicht nur Kronberg, sondern die Region ins Visier nehmen.

Offensiv geht das Viktoriahotel damit um. Seine Arrangements beziehen eben nicht nur Kronberg, sondern auch andere Orte ein: Zur Nachtwächterführung in Kronbergs Altstadt gesellt sich der Besuch im Opel-Zoo oder die Stadterkundung Frankfurts mit dem Ebbelwei-Expreß.

Möglicherweise gewinnt der Tourismus in heimischen Gefilden weiter an Bedeutung, wenn mehr und mehr Länder aufgrund der politischen Lage gemieden werden, gibt Weidmann nach den jüngsten Anschlägen zu bedenken.

Auch Franz Zimmermann, Direktor des Schlosshotels, promotet bei seinen Gästen die Kronberger Altstadt, die Burg und die Braun-Sammlung – doch wer will, kann auch den Frankfurter Museen einen Besuch abstatten. „Kronberg kann von der Region profitieren.“ Dass Stadtmarketing großen Einfluss auf sein Haus haben werde, erwartet Zimmermann nicht. Dennoch ist er überzeugt: „Es ist immer positiv, wenn man gemeinsam Strategien erarbeitet.“

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